Archiv Im Blickpunkt

Papierindustrie senkt Energieverbrauch und Emissionen

Gleich mehreren der UN-Nachhaltigkeitsziele wird die Papierindustrie mit ihren Bemühungen um ressourcenschonende Energieerzeugung und -nutzung gerecht. So dem Ziel 7 und Ziel 12. Zahlen belegen die positive Bilanz der vergangenen Jahre.

Gregor Andreas GeigerVerband Deutscher Papierfabriken (VDP)

Die Papierherstellung ist prozessbedingt energieintensiv. Entsprechend nimmt die deutsche Papierindustrie beim Vergleich des Endenergieeinsatzes nach Industriebereichen den dritten Platz nach der Metallerzeugung und der Chemischen Industrie ein. Die Energiekosten in der Papierindustrie entsprechen etwa acht Prozent des Umsatzes. Energie einzusparen ist also für die Unternehmen der Branche nicht nur ein Gebot ökologischer, sondern auch ökonomischer Nachhaltigkeit.

Die Bilanz der Branche ist positiv: Lag der spezifische Energieverbrauch im Jahr 1955 noch bei rund 8.200 kWh/t, so beträgt er heute nur noch rund 2.650 kWh/t. Das entspricht Einsparungen von 67 Prozent.

CO2-Ausstoß deutlich gesenkt

Produktionswachstum und gleichzeitig Senkung des spezifischen Energieverbrauchs sind für die Papierindustrie keine Gegensätze. Die Einsparerfolge führen auch zu einem verringerten CO2– Ausstoß. Von 1995 bis 2018 wurde in Deutschland der spezifische Ausstoß an CO2 von 955 auf 610 kg CO2 je Tonne Papier gesenkt. Das entspricht einer Verbesserung von 36 Prozent. Die Branche ruht sich nicht auf den Lorbeeren aus, sondern blickt in die Zukunft. Im Rahmen eines breit angelegten Gemeinschaftsprojekts, der Modellfabrik Papier, wird sie demnächst an realen Anlagen die Machbarkeit einer CO2-neutralen Produktion erforschen.

Vorreiter bei
Kraft-Wärme-Kopplung

Auch in Europa hat die Branche an ihren Emissionen gearbeitet. Seit 1991 hat sie ihren absoluten direkten CO2-Ausstoß um 16 Prozent gesenkt, ihren spezifischen direkten Ausstoß pro Tonne Produkt sogar um 43 Prozent. Hervorzuheben ist, dass 59,8 Prozent (2017) der von der europäischen Papierindustrie eingesetzten Brennstoffe aus erneuerbaren Quellen stammen. Die Energie wird dabei überwiegend durch die thermische Nutzung von stofflich nicht verwertbarem Holz sowie von Produktions- und Faserrückständen erzeugt. Zusätzlich ist die Papierindustrie in Europa Vorreiter bei der Kraft-Wärme-Kopplung. 96 Prozent der von den Unternehmen im eigenen Betrieb erzeugten Elektrizität stammt aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen

Neutraler Kohlenstoffkreislauf

Beziehen sich diese Betrachtungen auf die benötigte Energie für Anlagen und Prozesse, so ist der Faserstoffkreislauf selbst CO2-neutral. Aus Holz wird in der Papierherstellung zunächst mal wieder ein Produkt – Papier. Der im Holz gespeicherte Kohlenstoff bleibt im Produkt gespeichert, natürlich auch dann, wenn Papier wieder recycelt wird. Am Ende werden die nicht mehr verwertbaren Fasern verbrannt oder zerfallen im Abfall. Erst dann wird der Kohlenstoff wieder freigesetzt – und von den im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft nachwachsenden Bäumen wieder als Baustoff verwendet. Ein neutraler Kohlenstoffkreislauf.


Papier im Vergleich

Wenn man über den Energieverbrauch redet, muss man auch vergleichen. Für die Herstellung von 200 kg Papier, das ist ungefähr der rechnerische jährliche Pro-Kopf-Verbrauch in den Ländern der Europäischen Union, werden in Deutschland etwa 560 kWh Energie benötigt. Das entspricht:

  • Dem jährlichen Stromverbrauch zweier PCs mit schnellem Prozessor. (Quelle: PC Magazin) 
  • Dem Stromverbrauch einer einzigen 60W Energiesparbirne im Haushalt in dreieinhalb Jahren (ca. 7,5 Stunden Brenndauer/Tag). 
  • Der jährliche Energiebedarf deutscher Rechenzentren liegt bei zehn bis fünfzehn Terawattstunden (Papierindustrie 19 Terawattstunden). Um den Energiebedarf dieser Rechenzentren zu decken, bräuchte es vier mittelgroße Kohlekraftwerke. Weltweit wären 25 Atomkraftwerke notwendig, um genügend Strom für das Internet zu produzieren.
  • Würden die weltweit angebotenen Cloud-Dienste wie eine Nation behandelt, stünden sie mit 684 Milliarden Kilowattstunden hinter China, USA, Japan, Indien und Russland auf Platz sechs der weltweiten Energieverbraucher – noch vor Deutschland, Kanada, Brasilien, Frankreich und Großbritannien. (Quelle: Spiegel online)
  • Interessant auch die Zahlen zur 
    Kryptowährung Bitcoin: Der jährliche Stromkonsum allein von Bitcoin liegt weltweit mittlerweile im zweistelligen Terawattstunden-Bereich. Bitcoin benötigt in einem Jahr mehr Energie als ganz Dänemark.
    (Quelle: FAZ)