Archiv Im Blickpunkt

Papierindustrie investiert in Ausbildung

Die Papierindustrie stellt sich gegen den bundesweiten Trend. So ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge deutschlandweit im Bereich Industrie und Handel leicht zurückgegangen, während sie in der Papierindustrie angestiegen ist.

Dr. Hans-Peter BergerPapierzentrum Gernsbach

Die Unternehmen der Papier erzeugenden Industrie haben die Herausforderungen des demografischen Wandels erkannt. Sie reagieren in dieser Situation mit weiteren Investitionen in die Ausbildung. Insbesondere im Bereich der Ausbildung der Papiertechnologen und der sonstigen gewerblichen Auszubildenden, wie zum Beispiel Mechatroniker, Elektroniker, Industriemechaniker sowie Maschinen- und Anlagenführer, ist die Zahl der besetzten Ausbildungsplätze im Schuljahr 2016/2017 im Vergleich zum vorherigen Ausbildungsjahr weiter angestiegen.

Papiertechnologen:
Nicht alle Plätze besetzt

Bei den Papiertechnologen konnten im Schuljahr 2016/2017 deutschlandweit 241 Ausbildungsplätze besetzt werden, zwei mehr als im Vorjahr. Baden-Württemberg liegt dabei mit 54 besetzten Ausbildungsplätzen vor Norddeutschland mit 45 Ausbildungsplätzen an der Spitze. Besonders erwähnenswert ist, dass sich in Düren die Zahl der besetzten Plätze verdoppelt hat. Insgesamt konnten nicht alle angebotenen Plätze besetzt werden. Von den insgesamt 272 Ausbildungsplätzen im Bereich der Papiertechnologen konnten nur 241 besetzt werden. Dies entspricht einer Quote von etwa 88 Prozent.

Bei der Besetzungsquote im Bereich der Papiertechnologen ergeben sich starke regionale Unterschiede. So konnten in Bayern alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden. An zweiter Stelle liegt Rheinland-Westfalen mit 96 Prozent. In Hessen und Baden-Württemberg konnten lediglich 80 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden.

Auch in der langfristigen Entwicklung zeigt sich ein deutlicher Anstieg der Ausbildungsanfänger. So ist die Zahl der Ausbildungsanfänger bei den Papiertechnologen in den letzten drei Jahren um mehr als 17 Prozent angestiegen.

Übrige gewerbl. Auszubildende:
Quote leicht steigend

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den übrigen gewerblichen Ausbildungsberufen. Im Schuljahr 2016/17 haben in diesem Bereich 342 junge Menschen ihre Ausbildung begonnen – zehn mehr als im Vorjahr. In der Langfristentwicklung seit 2010 ist auch hier die Quote leicht steigend. Im Jahr 2010 starteten 334 Schulabgänger ihre Ausbildung in diesem Bereich.

Bei den sonstigen gewerblichen Auszubildenden konnten mit fast 96 Prozent nahezu alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden. Sehr positiv ist die Entwicklung in Ostdeutschland zu sehen. Hier wurden sogar deutlich mehr Ausbildungsplätze in diesem Bereich besetzt als angeboten.

Kaufmännische Auszubildende:
Hohe Besetzungsquote

Etwas anders sieht die Situation bei den kaufmännischen Auszubildenden aus. Wurden im Schuljahr 2015/2016 noch 153 kaufmännische Auszubildende neu eingestellt, reduzierte sich die Zahl im aktuellen Schuljahr 2016/2017 auf 130. In der längerfristigen Betrachtung seit 2013 ist die Zahl der Neuanfänger dagegen nur unwesentlich geringer. Im Jahr 2013 begannen 135 Schulabgänger eine kaufmännische Ausbildung.

Während in den technischen Berufen nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden konnten, konnten dagegen im kaufmännischen Bereich mehr als 98 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden. In einzelnen Tarifbezirken wurden sogar mehr Ausbildungsplätze besetzt als angeboten. So lag die Besetzungsquote etwa in Ostdeutschland und Rheinland-Pfalz bei 125 Prozent.

Nicht alle Bewerber geeignet

Die Papierindustrie befindet sich auf einem guten Weg. Die Zahl der Ausbildungsanfänger steigt, zumindest im Bereich der Papiertechnologen und sonstigen gewerblichen Auszubildenden, an. Wie dargestellt konnten dabei nicht einmal alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden. In wesentlichen Teilen lag dies auch an der fehlenden Eignung der Bewerber. Hätten die Unternehmen mehr geeignete Bewerber gefunden, so hätten sie mehr Ausbildungsplätze besetzen können.

Nachwuchsgewinnung im
technischen Bereich schwieriger

Die Schwierigkeit der Nachwuchsgewinnung im technischen Bereich zeigt sich auch im Verhältnis der Bewerbungen zu den besetzten Plätzen. Während sich im kaufmännischen Bereich mehr als 42 junge Menschen für einen Ausbildungsplatz beworben haben, waren es schon nur noch zwölf auf
einen Ausbildungsplatz im sonstigen gewerblichen Bereich.

Noch schlechter sieht die Quote beim Ausbildungsplatz des Papiertechnologen aus. Auf einen besetzten Ausbildungsplatz kamen im Durchschnitt lediglich etwa fünf Bewerbungen.

Die Papierindustrie wird daher weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, um auch künftig geeignete Bewerberinnen und Bewerber in ausreichender Zahl zu finden. So planen die Unternehmen heute schon, für das nächste Ausbildungsjahr mehr Ausbildungsplätze anzubieten als dieses Jahr besetzt werden konnten.


Bei den kaufmännischen Berufen ist die Bewerberzahl größer als bei den gewerblich-technischen Berufen.