Archiv Im Blickpunkt

Papier für ganz besondere Anlässe

Seit mehr als hundert Jahren stellt die Firma Zerkall in der Eifel echtes Büttenpapier her – in einer über 500 Jahre alten Mühle und oft für ganz besondere Anlässe.

Tanja Reinhold, Verband Deutscher Papierfabriken (VDP)

Das Grundgesetz von 1949 ist auf Büttenpapier der Papierfabrik Zerkall gedruckt und auch der Einigungsvertrag mit der DDR aus dem Jahr 1990. Doch nicht nur die Politik, auch zahlreiche Künstler setzen auf das besondere Papier aus der Eifel. Druckgrafiken von Max Ernst, Jasper Johns und Georg Baselitz auf Zerkall-Papier sind in Sammlungen und Museen vieler Länder zu finden.

Die einer Manufaktur gleichende Fabrik ist seit vier Generationen in Familienbesitz und zählt zu dem kleinen Kreis international renommierter Anbieter echter Büttenpapiere. Im Gegensatz zum traditionellen Schöpfen einzelner Bögen mit dem Handsieb aus der Schöpf „bütte“ werden bei Zerkall jeweils mehrere Bögen mit einem trommelförmigen Rundsieb geschöpft. Die Oberfläche des Siebzylinders ist dabei in einzelne Felder unterteilt, die das Format bei der Blattbildung vorgeben und dafür sorgen, dass die Papierbögen den typischen, ungleichmäßigen Rand erhalten, eines der charakteristischen Merkmale von echtem Büttenpapier. Dabei entstand die Bezeichnung „Büttenpapier“ erst Mitte des 19. Jahrhunderts als sich die Produktion auf Papiermaschinen mehr und mehr durchsetzte.

Während sich die Nachfrage nach Zerkall-Bütten als Karten, Bogen und Kuverts in der Regel aus dem Lagersortiment erfüllen lässt, ergeben sich bei Aufträgen für hochwertige Druckobjekte oder künstlerische Anwendungen auch individuelle Anforderungen, die nur über Sonderanfertigungen verwirklicht werden können.

Die Nische in der Nische
„Das Volumen der Schreibpapiere, das wir 2001 noch hatten, kommt nie wieder zurück“, schätzt Felix A. Renker, geschäftsführender Gesellschafter der Papierfabrik. Anders als früher läuft Alltagskorrespondenz nur noch selten über Büttenpapier. Dies könne man bedauern, doch es helfe nicht. „Wir sind seit der Gründung auf der Suche nach der Nische in der Nische“, sagt er.

Die Papierherstellung mit der Rundsiebpapiermaschine findet durch die langsame Drehung des Schöpfsiebes in der mit einem Gemisch aus Wasser und Zellstofffasern gefüllten Bütte statt. Im Laufe nur einer Umdrehung lagern sich die Fasern auf der Sieboberseite ab und bilden den Bogen, da das Wasser im Inneren des Zylinders seitlich abgeführt wird. Nachdem das Sieb aus der Bütte aufgetaucht ist, liegen die geschöpften Bogen als nasses Faservlies auf dem Sieb und müssen von einer Filzwalze abgehoben werden, bevor das Sieb die nächste Umdrehung beginnt. Die Bogen werden im weiteren Verlauf gepresst, getrocknet und im Anschluss an die Fertigung in der Verarbeitungsabteilung der Fabrik zu hochwertigen Korrespondenz-, Anzeigen- und Druckpapieren veredelt.

Büttenpapier überdauert Jahrhunderte
Auf dem Rundsiebzylinder können dabei auch Wasserzeichen aufgebracht werden. Spezielle Metallstege werden dazu mit Kupferdraht auf den Siebzylinder aufgenäht.

Neben dem Büttenrand ist auch die Alterungsbeständigkeit der Papiere ein wichtiges Qualitätskriterium – gerade da die Papiere bei Staatsverträgen und Kunstwerken zum Einsatz kommen. Der Alterungsprozess kann zwar nicht völlig verhindert werden, lässt sich aber über mehrere Jahrhunderte hinauszögern. „Büttenpapier ist lichtbeständig, es wird nicht brüchig und überdauert Jahrhunderte“, nennt Renker die Kriterien, die sein Papier ausmachen. Die Alterungsbeständigkeit eines Papiers entscheidet sich dabei bereits bei der Auswahl seiner Rohstoffe. Als Faserstoffe für die Herstellung alterungsbeständiger Papiere können nur Baumwollfasern oder Zellstoffe mit einem sehr geringen Ligningehalt genutzt werden.

Die Kriterien für die Alterungsbeständigkeit von Papier sind in nationalen und internationalen Normen festgelegt, die von den Papieren aus Zerkall alle erfüllt werden. Bei entsprechender Lagerung können diese Papiere mehrere hundert Jahre halten. Ein Zeitrahmen, bei dem elektronische Speichermedien nicht mithalten können.