Archiv Im Blickpunkt

Organisationstalent gefragt

Ob an der Laderampe beim Einweisen der LKW-Fahrer, bei der Tourenplanung im Versand oder in der Warenannahme: Die Fachkraft für Lagerlogistik muss gut organisieren und kommunizieren können. Bastian Hildenbrand schätzt die Vielseitigkeit an seinem Beruf. Schon die Ausbildung bei Hygienepapierhersteller Fripa hatte einiges zu bieten.

Fripa Papierfabrik Albert Friedrich in Miltenberg, im Versand der Fertigware: Eine Lkw-Fahrerin kommt die Treppe hoch, geht ans Anmeldeterminal und gibt dort, in einer von sechs möglichen Sprachen, ihre Daten ein. Direkt neben den Lkw-Toren sitzt Bastian Hildenbrand, der demnächst seine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik abschließen wird. An seinem Bildschirm im eigens für Fripa entwickelten Informationssystem sieht Hildenbrand jetzt den angemeldeten Lkw und vergibt
das entsprechende Verladetor. Die Arbeit mit dem Lagerverwaltungssystem macht ihm Spaß. Der Computer ist heute unerlässliches Arbeitsmittel für eine Fachkraft für Lagerlogistik. Als der Lkw dann an die Rampe fährt, erklärt Hildenbrand der Fahrerin, wie sie die Ladung am besten einlädt und sichert. Um die Ladungssicherung zu gewährleisten, braucht er gute Kenntnisse in Mathematik. Er muss Reibungskraft, Fliehkraft und Zurrkraft ausrechnen können, um festzustellen, wie viel
Sicherung notwendig ist, damit die Ladung nicht verrutscht.

Zwar kommen die Lkw-Fahrer aus verschiedenen Nationen, aber Schwierigkeiten gibt es nicht, wie Bastian Hildenbrand versichert. „Man kann sich immer verständigen“, ist seine Erfahrung. Zur Not zeigt er anhand von Zeichnungen, wie der Lkw am besten geladen wird, was zum Beispiel auch davon abhängt, ob es Kartonware oder weiche Ware ist – schließlich soll sie unbeschadet beim Kunden ankommen. Falls es doch einmal Probleme gibt, etwa weil der Fahrer nicht die passenden Zurrmittel zum Befestigen der Ware dabei hat, keine Arbeitsschuhe und Warnweste trägt oder ein Lkw Löcher in der Plane aufweist, hält Bastian Hildenbrand Rücksprache mit dem Meister, dessen Büro direkt am Warenausgang liegt.

Im Schnitt zwei bis drei Tage im Voraus bestellen die Kunden Ware bei Fripa. Das Versandbüro stellt dann die Güter zusammen, plant die Touren, beschafft den Laderaum und erstellt Ladepläne unter Beachtung der Ladevorschriften. Die Transportvergabe erfolgt über eine Internetplattform, auf der die Transporte dem Transportdienstleister in der
Regel direkt zugewiesen werden. Weiterhin besteht über die Plattform die Möglichkeit, dem Transportdienstleisterstamm Transporte zur Preisabgabe anzubieten. Die Aufträge erteilt der verantwortliche Mitarbeiter des Hygienepapierherstellers dann mit einer Bestätigung über das Internet. Ein Kollege lernte Bastian Hildenbrand hier während seiner Ausbildung sehr gut ein.

Drei Wochen in England

Während der vergangenen drei Jahre lernte er alle Logistik-Bereiche von Fripa kennen. Dazu gehört auch die Warenannahme, zum Beispiel im hauseigenen Magazin, in dem unter anderem Maschinen- oder Elektronikteile angeliefert und eingelagert werden. Außerdem in der Warenannahme für Handelsware, die Fripa als Ergänzung zum Sortiment zukauft, wie Seifen- oder Handtuchspender. Bei der Warenannahme kontrollieren die Mitarbeiter Qualität und Menge der eingehenden Waren. Mängel reklamieren sie beim Fahrer und nehmen sie in die Papiere auf, die der Fahrer dann gegenzeichnet.

Fripa ist es wichtig, seinen Auszubildenden möglichst viel Wissen zukommen zu lassen. Das geht über die rein fachliche Ausbildung hinaus. So ermöglichte das Unternehmen Bastian Hildenbrand in einer Kooperation mit der Berufsschule einen dreiwöchigen Aufenthalt im südenglischen Brighton. Der deutsche Logistik-Azubi wohnte dort in einer englischen Gastfamilie, besuchte eine englischsprachige Schule und arbeitete in einem örtlichen Logistikbetrieb. „Meine Englischkenntnisse haben sich um einiges verbessert“, versichert Hildenbrand. Eine Woche verbrachte er außerdem in Bremerhaven, einem der größten Umschlagplätze für Seecontainer. Der Blick hinter die Kulissen der Hafenlogistik beeindruckte ihn sehr.

Bastian Hildenbrand freut sich, dass er nach bestandener Prüfung von Fripa übernommen wird. Ihm macht sein Beruf Spaß und er möchte noch weiterlernen. Schon angemeldet hat er sich für die Meisterausbildung, deren ersten Teil er berufsbegleitend samstags absolvieren will. Danach, mit einem Jahr Berufspraxis, kann er direkt den zweiten Teil beginnen.

Achim Kirchgäßner, Leiter des Fertigwarenlagers bei Fripa, weist auf noch eine Weiterbildungsmöglichkeit hin, zum Verkehrsfachwirt. Wie der Meisterabschluss berechtigt sie zum Studium der Logistik. Berufe im Bereich Logistik haben seiner Ansicht nach gute Zukunftsperspektiven. Logistik spiele eine immer größere Rolle, die Technik werde immer anspruchsvoller, wofür die Unternehmen gut qualifizierte Mitarbeiter suchten. VM


Während seiner Ausbildung lernte Bastian Hildenbrand alle Logistik-Bereiche kennen.