Archiv Im Blickpunkt

„Nützliches und effektives Instrument“

37 Unternehmen aus der Papierindustrie sind bundesweit Mitglieder von Energieeffizienz-Netzwerken. So auch die WEPA Gruppe, die sich regelmäßig bei ‚ChePap an Rhein und Ruhr‘ mit anderen Firmen aus der Papier- und Chemieindustrie über Maßnahmen zur Energieeinsparung austauscht. WEPA-Vorstandsvorsitzender Martin Krengel erkärt die Hintergründe.

Das Interview führteGregor Andreas Geiger

Herr Krengel, Ihr Unternehmen ist Teil eines Energieeffizienz-Netzwerks. Was verbirgt sich hinter dem Begriff?

Energieeffizienz-Netzwerke sind Zusammenschlüsse von Unternehmen verschiedener Branchen, die im gemeinsamen Austausch unternehmensspezifische Maßnahmen zur Energieeinsparung entwickeln und umsetzen. Grundlage ist die von der Bundesregierung und Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft getroffene Vereinbarung vom Dezember 2014, durch 500 neue Effizienznetzwerke bis 2020 umfangreiche Energieeinsparungen zu erreichen. Die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke ist Bestandteil des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz und des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 und wird von der Bundesregierung und 22 Verbänden und Organisationen der Wirtschaft getragen.

Wer kann sich daran beteiligen?

An den Energieeffizienz-Netzwerken kann sich im Prinzip jedes Unternehmen beteiligen. In der Regel sind es acht bis 15 Betriebe, die von den Prozessen gewisse Ähnlichkeiten aufweisen sollten. In Nordrhein-Westfalen haben sich zum Beispiel vierzehn Unternehmen aus der Chemie- und Papierindustrie im Netzwerk ChePap an Rhein und Ruhr zusammengeschlossen. Das passt. Die jeweiligen Verbände leisten dabei wertvolle Hilfestellung.

Seit Start der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke im Dezember 2014 haben

bundesweit bereits mehr als 220 Netzwerke unter Beteiligung von rund 2.000 Unternehmen ihre Arbeit aufgenommen. Darunter sind 37 aus der Papierindustrie.

Ziel der Netzwerke ist es ja, Energie einzusparen. Wie funktioniert das?

Zuerst werden vor Ort bei den Netzwerkpartnern durch eine Energieberatungsagentur individuelle Einsparmaßnahmen identifiziert. Die Netzwerkpartner tauschen sich dann fortlaufend über ihre aktuellen Maßnahmen aus.

Am Ende der Netzwerklaufzeit werden die tatsächlichen Einsparungen ermittelt. Bei ChePap an Rhein und Ruhr hat sich so zum Beispiel eine Gesamt-Einsparung von 2,91 Prozent im Bezug zum Gesamt-Endenergiebedarf ergeben. Das mag sich nicht so spektakulär anhören, ist aber für energieintensive Branchen ein gewaltiger Schritt. Allein die Stromeinsparung in Höhe von rund 52 Millionen Kilowattstunden pro Jahr entspricht dem Stromverbrauch der privaten Haushalte einer mittelgroßen Stadt mit 50.000 Einwohnern. Dazu kommt noch die Wärmeeinsparung in Höhe von rund 106 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

Warum haben Sie sich entschieden, mit Ihrem Unternehmen Teil eines solchen Netzwerks zu werden?

Energieeffizienz ist für energieintensive Unternehmen ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Energieeffizienz-Netzwerke haben sich als nützliches und effektives Instrument zur Senkung des Energieverbrauchs erwiesen. Die Grundprinzipien Freiwilligkeit und Wirtschaftlichkeit geben den Unternehmen den benötigten Spielraum bei der Optimierung ihrer Prozesse. Maßgeblich für unsere Entscheidung war auch die Unterstützung durch unseren Wirtschaftsverband der rheinisch-westfälischen papiererzeugenden Industrie hier in Nordrhein-Westfalen, der in Kooperation mit dem Verband der Chemischen Industrie erstmalig ein solches Netzwerk speziell für die Papierindustrie aufgebaut hat.

Die Zusammenarbeit im Energieeffizienz-Netzwerk ist für die WEPA Gruppe ein weiterer Baustein zusätzlich zu den internen Maßnahmen. Als nachhaltig aufgestelltes Familienunternehmen ist es für uns ein langfristiges Ziel, unsere Energieverbräuche konsequent zu senken und Effizienzen stetig zu optimieren. Der Austausch und die Durchführung gemeinsamer Projekte ist für die WEPA Gruppe die wichtigste Aufgabe von ChePap.


Zielgerichteter Erfahrungsaustausch

In der Vereinbarung zwischen der Regierung und Verbänden und
Organisationen der deutschen Wirtschaft, darunter auch der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP), über die Einführung von Energieeffizienz-Netzwerken heißt es: „Ein zentrales Ziel der Energiewende und des Energiekonzepts der Bundesregierung ist die Verbesserung der Energieeffizienz. Die Verbände und Organisationen der Wirtschaft unterstützen dieses Ziel und sehen eine weitere Steigerung der Energieeffizienz durch wirtschaftliche Maßnahmen als wichtiges Instrument auch zur Erhöhung der Kosteneffizienz des gesamten Energiesystems. Angesichts der Unterschiedlichkeit der Unternehmen und der Notwendigkeit individuell zugeschnittener Konzepte setzen Bundesregierung und Wirtschaft insbesondere auf die Wahrnehmung unternehmerischer Selbstverantwortung bei der Steigerung der Energieeffizienz. Ein geeigneter Ansatz sind Energieeffizienz-Netzwerke, also der freiwillige, systematische und zielgerichtete
Erfahrungsaustausch von Unternehmen aus einer Region oder Branche. …“