Archiv Im Blickpunkt

Neue Herausforderungen für die Mitarbeiter und die Unternehmen

Die Digitalisierung hat einen zunehmenden Einfluss auf unseren Alltag. Smartphones, Internet und soziale Netzwerke nutzen wir täglich und ganz selbstverständlich. Die aktuelle Entwicklung der Digitalisierung, vor allem Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz, bieten ganz andere Möglichkeiten für die Unternehmen, stellen jedoch auch neue Anforderungen an die Beschäftigten, insbesondere an das Produktionspersonal. Eine Lösungsmöglichkeit stellt die Weiterbildung dar.

Dipl.-Ing. (FH) Udo Lück MBAGeschäftsführer der Bildungsakademie Papier im FÖP e.V., Papierzentrum

Maschineneffektivität und
Prozessstabilität

Neben den Rohstoffen und den Maschinen, haben vor allem die Anlagenbediener einen wesentlichen Einfluss auf die Prozessstabilität. Durch manuelle und nicht reproduzierbare Vorgänge, unbewusste und teils suboptimale Einstellungen der Anlagen, Treffen nicht zielführender Entscheidungen aufgrund mangelnder Informationen zum Handeln, kommt es häufig zu Abweichungen und Störungen in den Herstellungsprozessen.

Auf der anderen Seite nimmt der Druck auch auf die Papierindustrie zu, den Rohstoffeinsatz und die Maschineneffektivität weiter zu optimieren. Durch vorausschauende Prozesse, Vermeidung von ungeplanten Stillständen und bestmögliche Einstellung aller Parameter, lassen sich die Produktionsprozesse weiter verbessern und somit die Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Mit Hilfe der automatischen Prozesskontrolle gelingt es, manuelle Vorgänge weitgehend zu automatisieren. Diese basiert auf der Erfassung aller prozessrelevanten Aktuatoren (ca. 1.500 – 2.000 an einer Papiermaschine) mit dem Ziel, Zusammenhänge zu erkennen und Trends vorherzusagen. So ist man „immer einen Tambour voraus“ und kann frühzeitig auf Abweichungen reagieren und die optimale Einstellung finden. Des Weiteren liegen die idealen Parameter für eine Sortenumstellung vor, wodurch sich der Umstellausschuss und die Wechselzeiten wesentlich reduzieren.

Anforderungen an die
Mitarbeiter

Durch die geschilderten zukünftigen Arbeitsweisen verändert sich die Arbeitsumgebung fortlaufend. Dadurch ergeben sich neue Anforderungen an das Bedienpersonal:

  • Bedarf an Papiertechnologen mit einem ausgeprägten digitalen Mindset
  • Hohe Bereitschaft zum Lernen und sich auf die neuen Methoden einzulassen
  • Befähigung zur effektiven Nutzung der neuen digitalen und mobilen Plattformen
  • Fähigkeit, ihr Wissen in strukturierter Form an (externe) Kollegen weiterzugeben
  • Motivation, sich mit den erforderlichen Stellen abzustimmen und Informationen selbstständig einzuholen
  • Eignung, komplexe Probleme mit und in dem Team zu lösen
  • Kompetenz, bestimmte Entscheidungen selbst zu treffen, ohne
    lange Abstimmungsschleifen
  • Agiles und flexibles Handeln
  • Verständnis des gesamten Prozessablaufs

Mitarbeiter mitnehmen …

Die Veränderungen hin zur Digitalisierung müssen für die Mitarbeiter transparent und im richtigen Tempo erfolgen. Positive Erfahrungen von Anfang an sind für die Akzeptanz und erfolgreiche Umsetzung wichtig. Das Führungsverhalten der Vorgesetzten spielt dabei eine ausschlaggebende Rolle. Durch zeitnahe und direkte Kommunikation muss der Handlungsspielraum eines jeden Mitarbeiters, das bedeutet, was man selbst entscheiden darf und wofür man die Unterstützung des Vorgesetzten benötigt, klar sein. Treten Fehler oder Probleme auf, sollen die Mitarbeiter bewusst und selbstständig die Lösung finden. Der Vorgesetzte unterstützt die Mitarbeiter dabei, indem er wertschätzend deren Meinung einholt im Sinne eines Coachings. Getroffene Entscheidungen werden transparent kommuniziert. Hierdurch entwickeln die Mitarbeiter ein besseres Verständnis der Produktionsprozesse sowie die Fähigkeit, autonom zu handeln und den Standard kontinuierlich zu verbessern.

… und weiterbilden

Der Mehrwert für die Unternehmen durch die Digitalisierung lässt sich nur mit qualifizierten Mitarbeitern und deren fortlaufende Aus- und Weiterbildung realisieren. Regelmäßige Mitarbeitergespräche sowie die Verwendung einer Qualifikationsmatrix ermöglichen dabei, den individuellen Qualifikationsstand der Mitarbeiter transparent zu machen und geeignete Weiterbildungsmaßnahmen geplant durchzuführen. Dabei ist es sinnvoll, die Lerninhalte entsprechend der individuellen Fähigkeiten anzupassen und in unterschiedliche Lernniveaus wie Quereinsteiger, Fortgeschrittene und Experten zu gliedern. Das breite Angebot der verschiedenen Bildungsträger bietet hierbei
eine umfassende Unterstützung.