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Nachhaltigkeit hat oberste Priorität

Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald kommt dem Klima zugute und schützt die biologische Artenvielfalt. Darauf weist die Forstwissenschaftlerin Dr. Stefanie Eichiner hin. Sie kümmert sich bei UPM Paper Europe & North America (ENA) um die Nachhaltigkeit im Holzeinkauf. Was das Papierunternehmen dafür tut, erklärt sie im Interview mit Papier + Technik.

Frau Dr. Eichiner, was sind Ihre Aufgaben als Umweltmanagerin bei UPM Paper ENA?

Dr. Eichiner: Ich bin bei UPM, weil ich Papier liebe – und den Wald. Als diplomierte Försterin habe ich im bayerischen Staatswald Bäume gepflanzt,
gepflegt und geerntet. Als Forstwissenschaftlerin habe ich zur nachhaltigen Ressourcennutzung geforscht und gelehrt mit Stationen in den USA, Deutschland und Indonesien. Seit drei Jahren koordiniere ich bei UPM Paper ENA das Thema Nachhaltigkeit beim Holzeinkauf in Mitteleuropa und schule Kunden und Kollegen zur nachhaltigen Papierherstellung und Unternehmensverantwortung.

Inwieweit haben Sie dabei auch mit dem Thema Forst zu tun?

Dr. Eichiner: Sehr viel. Wälder sind die wichtigste Rohstoffquelle für UPM. Daher steht es für unser Unternehmen an erster Stelle, die Grundsätze nachhaltiger Forstwirtschaft zu befolgen. Wir fördern eine gute forstwirtschaftliche Praxis und stellen sicher, dass wir die Herkunft des von uns verarbeiteten Holzes vollständig kontrollieren können. UPM hat Systeme zur Überprüfung der Holzherkunft eingerichtet und legt die Herkünfte konsequent offen, nachzulesen in unserem Certificate Finder. Glaubwürdige Labels aus Sicht von UPM sind für Frischfaserpapiere die Forstzertifizierungssysteme PEFC und FSC. Forstzertifizierungslabels geben aber nur Auskunft über die Nachhaltigkeit des Hauptrohstoffes, der Holzfaser. Aussagen zur Ökologie im Herstellungsprozess machen die Produktzertifizierungssysteme EU Umweltzeichen, Nordisches Umweltzeichen und Österreichisches Umweltzeichen sowie für Recyclingpapiere der Blaue Engel.

Wie steht es um den Wald in Europa und in Deutschland?

Dr. Eichiner: Gut. Zwischen 2005 und 2015, in ‚nur‘ zehn Jahren, wuchsen die europäischen Wälder um 44.000 Quadratkilometer, das entspricht im Schnitt etwa 1.500 Fußballfeldern pro Tag. In Nordeuropa haben fast alle intakten Naturwälder einen Schutzstatus. Papierholz stammt dort aus naturnahen Forsten, in denen der Zyklus des Pflanzens, Wachsens und Einschlags streng überwacht wird. Wälder spielen eine sehr wichtige Rolle beim Erhalt der biologischen Artenvielfalt. Die Fläche von geschützten Wäldern in Europa wuchs nach Angaben der EEA, der Europäischen Umweltagentur, in den
Jahren 2000 bis 2010 um jährlich etwa eine halbe Million Hektar. Die Hälfe dieser Wälder werden für den Erhalt der Artenvielfalt geschützt.

Inwiefern wird der Wald nachhaltig bewirtschaftet?

Dr. Eichiner: Die zertifizierte Forstfläche hat kontinuierlich zugenommen, von 18 Millionen Hektar im Jahr 2000 auf 438 Millionen Hektar im Jahre 2014, wie Zahlen der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, belegen. Die beiden bekanntesten Zertifizierungsprogramme sind FSC und PEFC. Beide Waldzertifizierungssysteme ermöglichen die Nachverfolgung von Forstprodukten durch eine unabhängig verifizierte Produktkettenzertifizierung. Dabei wird jeder Schritt, von der Verarbeitung, über die Umwandlung und den Vertrieb bis hin zum Druck überprüft.

Warum ist Wald gut für die Umwelt?

Dr. Eichiner: Wälder sind eine der wichtigsten Ressourcen der Erde. Sie bieten Lebensraum, Nahrung und Energie für Pflanzen, Tiere und Menschen. Sie sind die Hot Spots der Artenvielfalt jenseits der Weltmeere. Wälder spielen eine wichtige Rolle dabei, die Effekte des Klimawandels zu mindern, da sie CO2 aus der Atmosphäre absorbieren können. Dieser Vorrat wuchs seit 1990 um fast drei Milliarden Tonnen, was bedeutet, dass diese Wälder rund sieben Prozent der jährlichen Klimagase absorbieren.

UPM hat unternehmenseigene Wälder. Wie werden die bewirtschaftet?

Dr. Eichiner: UPM besitzt in Finnland, Uruguay und den USA Wälder mit einer Gesamtfläche von rund 1,2 Millionen Hektar, die alle nach FSC und/oder PEFC zertifiziert sind. Da die Forstzertifizierungsstandards sich je nach Land in Umfang und Schwerpunkt unterscheiden, hat UPM ein globales Biodiversitätsprogramm entwickelt, um die biologische Vielfalt in angemessener Weise zu schützen. Es wird in allen unternehmenseigenen Wäldern umgesetzt und die darin enthaltenen Best Practices werden bei der Holzbeschaffung gefördert. Die Umsetzung des Programms wurde in Finnland und Großbritannien von der IUCN, der Weltnaturschutzunion, überprüft. Das Programm wird gemäß den Empfehlungen der IUCN und anhand des Feedbacks anderer Beteiligter weiterentwickelt.

Gilt das Biodiversitätsprogramm auch für die Wälder von Lieferanten?

Dr. Eichiner: Unser globales Biodiversitätsprogramm definiert klare Ziele und Best Practices zur Erhaltung der Artenvielfalt in Wäldern – verpflichtend in unseren eigenen Wäldern und auf freiwilliger Basis in den Wäldern unserer Lieferanten. Das ist ein wesentlicher Bestandteil zur Erfüllung unseres Unternehmenszwecks, Mehrwert zu schaffen aus erneuerbaren und recyclingfähigen Rohstoffen. Seit mehr als 20 Jahren ist Biodiversität Kernbestandteil nachhaltigen Wirtschaftens bei UPM. Um die Biodiversität in der Wertschöpfungskette zu fördern, engagiert sich UPM als Gründungs- und Vorstandsmitglied der Initiative „Biodiversity in Good Company“.

Woher beziehen die UPM Werke in Deutschland den Rohstoff Holz beziehungsweise Zellstoff?

Dr. Eichiner: Verantwortungsvolle Papierproduktion beginnt bei der Faserherkunft. Über ein Drittel, 36 Prozent, der in Deutschland eingesetzten Faser stammt aus Altpapier – da weiß man zwar nichts über die ursprüngliche Herkunft der Faser, trägt aber über die Wiederverwertung zum Ressourcenschutz bei. Bei Holzlieferungen an UPM Werke in Deutschland verfolgt UPM eine klare Strategie des Holz‘ der kurzen Wege. Verantwortung im Holzeinkauf bedeutet für UPM die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Waldbesitzern im Umkreis der UPM Werke. Wir kaufen Holz von Waldbesitzern vor Ort, oft mit langfristigen Verträgen – statt auf wechselnden Märkten, die quer über Europa verteilt sind. Wir wollen, dass die Waldbesitzer, die Holz an UPM liefern, stolz sind, dass ihr Holz heimatnah zu hochwertigen Magazinpapieren verarbeitet wird. Der Zellstoff in deutschen UPM Werken kommt zum überwiegenden Teil von europäischen Lieferanten.

Wie ist dabei gesichert, dass das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt?

Dr. Eichiner: Egal woher das Holz oder der Zellstoff kommen, UPM überwacht die Holzherkunft sowie die gesamte Lieferkette sorgfältig. Wir fordern von unseren Lieferanten die Einhaltung verantwortungsbewusster Geschäftspraktiken und prüfen diese auch in Audits vor Ort nach. Ausdrücklich verbieten wir den Einsatz von Holz aus Schutzgebieten oder von geschützten Baumarten, aus illegalem Einschlag, das gentechnisch verändert wurde, oder das aus Naturwäldern stammt, die in Plantagen umgewandelt wurden. Die gesamte Lieferkette ist durch die Lieferkettensysteme von PEFC und FSC gesichert und unterliegt den Anforderungen der EU Holzhandelsverordnung.
84 Prozent der bei UPM eingesetzten Fasern sind zertifiziert nach PEFC oder FSC. Das Ziel bis 2030 ist, nur noch zertifizierte Holzfaser einzusetzen.


Dr. Stefanie Eichiner ist diplomierte Försterin.