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Klein, aber wichtig

Ein Etikett soll ein Produkt kennzeichnen. Dafür gibt es je nach Branche detaillierte gesetzliche Richtlinien. Darüber hinaus haben sich die Aufkleber zu einem echten Schwergewicht bei der Vermarktung des Produktes entwickelt.

Gabriele Eisenbarth

Wer den Getränkegang in einem Supermarkt entlangschlendert, merkt schnell: Hier glänzen die Flaschen um die Wette. Selbst das Etikett auf einer relativ simplen Bierflasche ist metallisiert und geprägt. Metallisierte Papiere sind technisch hochentwickelte Materialien. Eine hauchdünne Aluminiumschicht wird dabei auf ein breites Spektrum an Spezialpapieren und Folien aufgedampft. Dies geschieht in spezialisierten Papierfabriken, wie zum Beispiel Glatfelter Gernsbach.

Die Stärke der Aluminiumbeschichtung beträgt durchschnittlich 150 Ångström (0,015 µ) – das ist 100-mal feiner als die dünnste Aluminiumfolie.

Papier muss gut stanzbar sein

Das Papier benötigt eine einwandfreie Planlage, damit es beim Drucken nicht zu Störungen kommt. Beim anschließenden Schneiden und Stanzen dürfen die Etiketten nicht in Blöcken aneinanderhaften. Außerdem muss das Papier gut stanzbar sein, damit die Messer glatt durch viele Lagen gleiten können. Ein solches Etikett ist ein Hochleistungsprodukt. Gedruckt, veredelt und geschnitten kommen die Etiketten zum Abfüller, meist einer der zahlreichen kleinen Brauereien. Dort geht es dann auf die Etikettiermaschine. Bei einer Geschwindigkeit von bis zu 60.000 Flaschen pro Stunde müssen sich die Etiketten einwandfrei und passgenau auf die Flaschen auftragen lassen. Bei der Kaltabfüllung kommen sie zudem richtig ins Schwitzen – da muss der Leim auf der Rückseite halten. Häufig werden die Flaschen anschließend abgeduscht und in Kästen oder Sixpacks verpackt.

Naturpapiere im Trend

Etwas relaxter geht es bei den Weinetiketten zu. Die sind auch hoch veredelt, wurden aber bis vor nicht allzu langer Zeit noch von Hand in den einzelnen Weingütern aufgeklebt. Ein normalgroßes Weingut (zum Beispiel in der Pfalz an der Südlichen Weinstraße) braucht etwa 100.000 Etiketten im Jahr. In spezialisierten Druckereien wird zunächst der Jahresbedarf eines Weingutes mit den veredelten Logos gedruckt und anschließend gelagert. Wenn der Winzer weiß, wie hoch der Ertrag je Rebsorte ist, wird die entsprechende Zahl Etiketten fertig gedruckt. Das geschieht entweder bei der Druckerei oder auch mal auf dem Haus-Inkjetdrucker des Weingutes. Allerdings immer seltener, denn das Etikett ist zu einem wichtigen Marketing-Instrument geworden – von einem exklusiven und qualitativ hochwertigen Etikett zieht der Verbraucher Rückschlüsse auf den Inhalt. Im Trend sind Naturpapiere, gerne auch büttengerippt oder geprägt, Die werden – inzwischen häufig im Digitaldruck – bedruckt, blindgeprägt oder mit einem Relieflack versehen. Die junge Winzer-Generation legt großen Wert auf die professionelle Gestaltung des Etiketts, so dass es immer mehr Designstudios und Werbeagenturen gibt, die sich darauf spezialisiert haben.

Alle Etiketten, die mit Lebensmitteln in direkten oder indirekten Kontakt kommen, müssen lebensmittelsicher sein. Spezielle Bestimmungen gelten für Tiefkühlwaren, die bis zu einer Temperatur von minus 20 Grad Celsius kältebeständig und aufgrund von Kondenswasser auch feuchtigkeitsresistent sein müssen. Eine Herausforderung sind Etiketten, die mit Öl in Berührung kommen können, man denke etwa an Olivenöl-Flaschen. Diese Etiketten werden mit einem speziellen Klebstoff versehen, der auch bei der Berührung mit Öl seine Klebe-Eigenschaften behält.


Es gibt zwei Arten von Etiketten

  • Nassleimetiketten werden erst unmittelbar vor der Etikettierung beleimt. Dies ermöglicht eine längere Lagerdauer und reduziert die Stückkosten gerade in mittleren bis hohen Auflagen deutlich. Da der Klebstoff wasserlöslich ist, kann das Etikett im Recyclingprozess sehr leicht rückstandsfrei abgelöst werden. Viele Getränkeflaschen (Bier, Wein, Limo) werden so etikettiert.

  • Selbstklebe-Etiketten oder Haftetiketten bestehen aus einem mehrschichtigen Materialverbund, der in der einfachsten Ausführung aus dem eigentlichen Etikett, einer Klebstoffschicht, einer Silikonschicht und dem Trägerpapier besteht. Sie können höher veredelt werden als Nassleimetiketten und werden deshalb häufig zum Beispiel für Weine oder Spirituosen eingesetzt. Möglich sind sowohl permanent haftende als auch wieder ablösbare Etiketten.