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Internationale Politik war Thema

Am Tag der Papierindustrie 2017 trafen sich erstmalig gemeinsam Mitglieder des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP), der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP) sowie mehrerer Landesarbeitgeber- und -wirtschaftsverbände. Als Gastredner sprach der frühere Fernsehjournalist Udo van Kampen.

Gregor Andreas GeigerVerband Deutscher Papierfabriken (VDP)

Als hochkarätiges Branchentreffen präsentierte sich der Tag der Papierindustrie 2017, der am 19. und 20. Juni bei hochsommerlichen Temperaturen erstmalig als Gemeinschaftsveranstaltung des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP), der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP) sowie mehrerer Landesarbeitgeber- und -wirtschaftsverbände in Bonn stattfand. Nach einem Begrüßungsabend in der „Rheinalm“ des Kameha Grand Hotel folgten am zweiten Tag die Mitgliederversammlungen der Verbände. Im Rahmen der VDP-Sitzung wurde Winfried Schaur, UPM Paper ENA, zum neuen VDP-Präsidenten gewählt. Er folgt turnusgemäß auf Moritz J. Weig, Weig Karton, der dem Verband als Vizepräsident erhalten bleibt. In seinem Amt als Vizepräsident bestätigt wurde Dr. Christopher Grünewald, Fa. Gebr. Grünewald. Dr. Wolfgang Palm, Papierfabrik Palm, schied turnusgemäß als Vizepräsident aus.

Bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung von VAP und VDP informierte nachmittags der VAP-Vorsitzende Martin Krengel das Auditorium über den aktuellen Stand der Tarifverhandlungen, die wider Erwarten in der zweiten Verhandlungsrunde noch nicht abgeschlossen werden konnten. Es folgten Berichte aus den einzelnen Geschäftsbereichen des VDP und zur VAP/VDP-Nachwuchswerbung.

Reform Europas angemahnt

In einer anschließenden Podiumsdiskussion für Mitglieder und Gäste hielt der frühere ZDF-Studioleiter in Brüssel und New York, Udo van Kampen, ein Impulsreferat zum Thema „Re-Nationalisierung statt Globalisierung – Trump, Brexit, Europa und die Folgen“. Van Kampen warnte eindringlich vor den ernsten wirtschaftlichen und politischen Folgen des britischen Austritts aus der Europäischen Union und mahnte eine Reform Europas an, die durchaus in ein Europa der zwei Geschwindigkeiten münden könnte. Der Journalist äußerte die Hoffnung, dass es trotz des Brexits zu einem Freihandelsabkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU komme. Beide Seiten seien auf den Freihandel angewiesen. Insgesamt sei die Trennung
eine Mammutaufgabe, bei der 20.000 Rechtsakte auseinanderdividiert werden müssten.

Van Kampen betrachtete es als positives Zeichen, dass es im Rahmen der aktuellen Europa-Diskussion zu zahlreichen pro-europäischen Demonstrationen gekommen sei. Dies sei ein Zeichen des Aufbruchs, das auch durch die Wahl des neuen französischen Präsidenten, Emmanuel Macron, der ein überzeugter Europäer sei, beflügelt werde.

Neben dem Euro-Thema wurde auch über die transatlantischen Beziehungen diskutiert. Van Kampen sah mit der Wahl Trumps das „Ende des Westens, wie wir ihn kennen“ eingeleitet. Die USA hätten sich von der Rolle als westliche Führungsmacht verabschiedet. Alles, was nach dem Krieg als ausgemacht gegolten habe, sei nicht mehr gültig. Der frühere USA-Korrespondent erwartet, dass sich vor dem Hintergrund handelspolitischer Unsicherheiten im Verhältnis mit den
USA Europa enger zusammenschließen werde.

Bei einem abschließenden Essen würdigte VDP-Präsident Schaur seinen Vorgänger Moritz J. Weig. Ohne ihn stünde der Verband heute nicht so erfolgreich da, betonte Schaur. Dass er den VDP sogar in zwei Amtszeiten als Präsident geführt habe, verdiene höchsten Respekt. Schaur würdigte die menschlich angenehme und ausgleichende Art Weigs, mit der er es immer wieder geschafft habe, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen.


Winfried Schaur im Gespräch mit dem ehemaligen ZDF-Studioleiter in Brüssel und New York Udo van Kampen (l.).