Archiv Im Blickpunkt

Ideen- und Erfahrungsaustausch

In einer bundesweit bisher einzigartigen Initiative haben sich in diesem Sommer Unternehmen der Papier- und der Chemieindustrie in Nordrhein-Westfalen in einem gemeinsamen branchenübergreifenden Energieeffizienz-Netzwerk an Rhein und Ruhr zusammengeschlossen.

Martin DrewsWirtschaftsverband der rheinisch-

westfälischen papiererzeugenden

Industrie

Ziel der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke (www.effizienznetzwerke.org) ist die Steigerung der Energieeffizienz im Rahmen der Energiewende. Insbesondere die Bundesregierung räumt dabei der Bildung von Energieeffizienz-Netzwerken einen hohen Stellenwert ein. Sie geht davon aus, dass die Arbeit dieser Netzwerke, bei denen sich Unternehmen über Energieeinsparmöglichkeiten austauschen und entsprechende Maßnahmen entwickeln oder beschleunigen können, zu Einsparungen von bis zu 75 PJ Primärenergie beziehungsweise fünf Millionen Tonnen THG-Emissionen bis zum Jahr 2020 führen können. 20 Spitzenverbände und Organisationen der deutschen Wirtschaft haben deshalb im Dezember 2014 eine entsprechende Initiative der Bundesregierung aufgegriffen und bis 2020 die Einrichtung von rund 500 Energieeffizienz-Netzwerken zugesagt. Unterzeichner ist auf Bundesebene auch der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP).

Seit Dezember 2014 hat es daraufhin eine Reihe von Netzwerkgründungen, insbesondere durch Initiative der IHK´s auf lokaler Ebene, gegeben. In diesen Netzwerken haben sich Handwerksunternehmen, Industrieunternehmen und andere interessierte Unternehmen (zum Beispiel aus dem Dienstleistungs- und Handelsbereich) zusammengeschlossen. Auch innerhalb von einzelnen Industrien – insbesondere den
besonders energieintensiven Industrien wie der Baustoff-, Metall- oder Glasindustrie – gab es eine Reihe von Initiativen zur Gründung von Netzwerken.

Branchenübergreifendes
Energieeffizienz-Netzwerk in NRW

Vor diesem Hintergrund haben sich auch die Unternehmen im Wirtschaftsverband der rheinisch-westfälischen papiererzeugenden Industrie (WV NRW) intensiv mit der Einrichtung eines regionalen Energieeffizienz-Netzwerkes in Nordrhein-Westfalen (NRW) beschäftigt. Dabei wurde schnell deutlich, dass eine branchenübergreifende Initiative mit anderen energieintensiven Industrien – die ähnliche Produktionsprozesse wie die Papierindustrie haben –
einen besonderen Mehrwert erzielen könnte, da der Blick über die eigene Branche hinaus neue Horizonte schafft. Dem WV NRW ist es daraufhin gelungen, den Verband der Chemischen Industrie (VCI) NRW als Partner für die Gründung eines branchenübergreifenden gemeinsamen EnergieeffizienzNetzwerkes zu gewinnen. Das Netzwerk wird durch vier Mitgliedsunternehmen des Wirtschaftsverbandes und durch sieben Mitgliedsunternehmen des VCI NRW getragen und firmiert unter dem Namen „EEN Chemie und Papier an Rhein und Ruhr“ (ChePap Rhein-Ruhr). Aus NRW nehmen die Papierfabriken Mitsubishi HiTec Paper, Smurfit Kappa Zülpich Papier, Stora Enso Kabel (seit September 2016 Kabel Premium Pulp & Paper) und die WEPA teil.

Offizieller Start des Netzwerkes war der 7. Juli 2016 in Oberhausen. Ministerialdirigent Karl-Uwe Bütof begrüßte, als Vertreter des NRW-Wirtschaftsministeriums, anlässlich der Unterzeichnung der Gründungsvereinbarung die Initiative von Papier- und Chemieindustrie. Er zeigte sich überzeugt, dass das Energieeffizienz-Netzwerk ChePap Rhein-Ruhr nicht nur der Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Unternehmen, sondern auch für den gesamten Standort NRW förderlich sein werde. Innerhalb von zwei Jahren sollen nun acht moderierte Netzwerktreffen in den teilnehmenden Unternehmen folgen, die eine Plattform für den Austausch über Maßnahmen zur Energieeffizienz bieten sollen.

Wirkungsweise des

Energieeffizienz-Netzwerkes

Ziel des Energieeffizienz-Netzwerkes ist ein systematischer, zielgerichteter, unbürokratischer Erfahrungs- und Ideenaustausch. Die Laufzeit beträgt zwei bis drei Jahre. Das ChePap Rhein-Ruhr ist dabei zunächst auf zwei Jahre ausgelegt, kann aber auch verlängert werden. In den kommenden Monaten wird jetzt in jedem einzelnen Unternehmen eine Bestandsaufnahme über das Energieeinsparpotenzial mit Hilfe einer qualifizierten Energieberatung vorgenommen. Dann setzt sich jedes Unternehmen ein individuelles Einsparziel für die Laufzeit des Netzwerkes. Die kumulierten Ziele aller Unternehmen ergeben das Einsparziel des gesamten Netzwerkes. Zudem bilden die Einsparziele die Grundlage des Erfahrungsaustausches. In regelmäßigen Treffen der Energieexperten aus den Unternehmen werden dann konkrete Themen und Entwicklungen der Energieeffizienz auch unter Einbeziehung von externen Fachleuten diskutiert. Dies soll durch gemeinsame Betriebsbesichtigungen in den Papierfabriken und den Chemiewerken weiter vertieft werden. Hierdurch kann im Ergebnis die Grundlage für Investitionen in Energiekostenersparnisse in den einzelnen Unternehmen des Netzwerkes geschaffen werden.