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„Ich wollte etwas lernen, was nicht jeder macht“

Calvin Lanig arbeitet als Papiertechnologe bei der Papier- und Zellstofffabrik Sappi Stockstadt. Ihm gefällt an seinem Beruf die Abwechslung zwischen überwachender und körperlicher Tätigkeit, die Teamarbeit sowie die Möglichkeit sich zu entwickeln.

VM

„Aufgrund der Größe der Anlage mit all ihren Aggregaten, Motoren, Pumpen und Leitungen lernt man ständig dazu“, sagt Calvin Lanig über seine Arbeit als Papiertechnologe bei Sappi Stockstadt. Das Werk mit rund 730 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern produziert Zellstoff und grafische Papiere unter anderem für hochwertige Kalender, Bildbände und Kunstbücher. Das Werk in Stockstadt, eines von sieben europäischen Standorten des südafrikanischen Sappi-Konzerns, verfügt über zwei Papiermaschinen sowie eine Streichmaschine. An der Papiermaschine 2 mit Offline Streichmaschine werden gestrichene Papiere produziert, an der Papiermaschine 1 Naturpapiere. Dort ist Calvin Lanig beschäftigt.

Seine Aufgaben sind vielfältig. So überwacht und steuert er das Ausschusssystem. Des Weiteren kontrolliert und reinigt er die verschiedenen Filterstationen. Eine tägliche Aufgabe besteht darin, die Aufbereitungsanlage für das Retentionsmittel – ein Hilfsmittel, welches unter anderem die Blattbildung unterstützt – mit Big Bags zu beschicken. Ein weiterer Verantwortungsbereich ist auch die Sauberkeit an der Papiermaschine und aller dazu gehörenden Teile.

Für Arbeitssicherheit sensibilisiert

Bei Rundgängen auf allen Ebenen der Papiermaschine kontrolliert er, ob die Aggregate ruhig laufen. Zwischendurch fährt er Kran und Stapler, um Material zu transportieren. Natürlich passt er dabei darauf auf, dass er keinem Kollegen oder der Maschine zu nahe kommt. „Wir sind sehr für Arbeitssicherheit sensibilisiert“, sagt der junge Papiertechnologe. Dazu gehöre es, persönliche Schutzausrüstung zu tragen und stets besonnen und mit den Gedanken bei der Arbeit zu agieren – auch wenn bei einem Maschinenstillstand schon einmal schnelles Handeln erforderlich ist.

Gut funktionierendes Team

Für Calvin Lanig ist das Umschalten von körperlicher Arbeit bei Stillständen wieder zu konzentriertem Arbeiten vor dem Bildschirm in der Leitwarte eine Herausforderung in seinem Arbeitsalltag. „Mir gefällt die Abwechslung zwischen überwachender und körperlicher Tätigkeit, die Möglichkeit sich zu entwickeln und neue Dinge zu lernen“, fasst er zusammen. Auch die Zusammenarbeit in einem gut funktionierenden Team schätzt er. Etwa wenn er den ersten Gehilfen bei der Probennahme an der fertigen Mutterrolle und bei Routinearbeiten unterstützt. Bei Rundgängen des Maschinenführers überwacht er an dessen Stelle die Papierproduktion und -qualität. Der Effizienzgrad der Maschine ist sehr gut und schon mehrmals konnten in den vergangenen Jahren Produktionsrekorde erzielt werden. Jüngster Erfolg des Teams an der PM 1, der einzigen Naturpapiermaschine im Sappi-Konzern: Durch permanente Optimierungsmaßnahmen im Bereich der Siebpartie sowie des Vakuumsystems konnte der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden. In einem weltweiten Benchmark von 47 Naturpapiermaschinen ist die Papiermaschine 1 von Sappi Stockstadt die Anlage mit dem spezifisch niedrigsten Strombedarf.

Nächstes Ziel: Erster Gehilfe

Mit Schichtarbeit hat Calvin Lanig übrigens kein Problem. Auch wenn es nicht ganz so einfach sei, „in der Nachtschicht um 3 Uhr morgens dieselbe Leistung zu erbringen wie tagsüber“, wie er erwähnt. Über das Medium Papier und die damit verbundenen Berufe erfuhr Lanig schon früh von seinem Vater, der als Rotationsdrucker bei einer lokalen Zeitung arbeitete. Als dann noch ein sehr guter Freund eine Ausbildung bei Sappi Stockstadt absolvierte und viel Positives davon erzählte, entschied er sich auch für den Beruf des Papiertechnologen. Ihn reizte zudem die Möglichkeit, am Berufskolleg des Schulzentrums Papiertechnik in Gernsbach neben der Ausbildung zum Papiertechnologen die Fachhochschulreife erlangen zu können. So bewarb er sich 2010 bei der traditionsreichen Papier- und Zellstofffabrik in Stockstadt am Main. Nach Abschluss seiner Ausbildung im Jahr 2013 arbeitete er erst ein Jahr am Rollenschneider bevor er als Gehilfe an die Naturpapiermaschine wechselte.

Auf die Frage nach seinen Plänen sagt der 25-Jährige: „Stagnation ist immer der erste Schritt zurück, also möchte ich mich weiterentwickeln“. Nach Fachabitur und Gesellenbrief würde er gerne noch den Meisterabschluss machen. Aber das hänge von der aktuellen Lage im Betrieb, der persönlichen Eignung und den bereits erworbenen Erfahrungen ab. So versucht Calvin Lanig zunächst so viel wie möglich von seinen Arbeitskollegen zu lernen. Der nächste Schritt wäre dann erster Gehilfe an der Papiermaschine zu werden.


Papiertechnologe Calvin Lanig beim Rollentransport.