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Hygiene-Helfer aus Papier

Innerhalb der gesamten Papier- und Pappeproduktion sind die Hygienepapiere ein relativ kleines und junges Marktsegment. Mit immer hochwertigeren Qualitäten und neuen Angeboten kommen die Hersteller den Verbraucherwünschen entgegen.

VM

Hygienepapiere machen knapp sieben Prozent der gesamten Papierproduktion in Deutschland aus. Allerdings verzeichnen sie seit Jahren ein stetiges Wachstum. Lag die produzierte Menge im Jahr 2000 in Deutschland bei rund 1,2 Millionen Tonnen, so betrug sie im Jahr 2016 rund 1,5 Millionen Tonnen.

Das tägliche Leben der Verbraucher erleichtern die Hygienepapiere enorm. Man denke nur an Taschentücher, Servietten und Windeln, die früher ausschließlich aus Stoff hergestellt wurden und für den Wiedergebrauch gewaschen und gegebenenfalls gebügelt werden mussten. Wie der Name „Tempo“ der in den 1920er Jahren auf den Markt gebrachten Taschentuch-Marke schon sagt, ging es eben viel schneller, und war darüber hinaus hygienischer.

Weich, saugfähig und reißfest

Allerdings sind die Verwender anspruchsvoll. Besonders weich, saugfähig und reißfest sollen Toilettenpapier und Taschentücher sein, und sich trotzdem in Wasser relativ schnell zersetzen. Eine Herausforderung, der die Produzenten mit stetigen Weiterentwicklungen begegnen. Während früher für Toilettenpapier sich härter anfühlende Kreppqualitäten verwendet wurden, die in feuchtem Zustand gekreppt wurden und dann trockneten, sind diese heute in Deutschland fast völlig verschwunden. Ende der 50er Jahre kam in Deutschland Tissue auf den Markt. Der Name, englisch Stoff, verdeutlicht schon die weichere Qualität.

Bei der Herstellung in der Tissuemaschine ist ein Kreppschaber kurz vor der Fertigtrocknung installiert. Gegen ihn läuft die Papierbahn, wird gekreppt beziehungsweise gestaucht und springt ab. Außerdem arbeitet man mit der so genannten Durchlufttrocknung oder kombinierten Trocknung, bei der heiße Luft durch die Bahn gesaugt und geblasen wird. Natürlich bestimmen auch die Auswahl der Fasern, ob kurz- oder lang, sowie die Wahl der eingesetzten Hilfsstoffe die Eigenschaften des Papiers. Längere Fasern, von Nadelhölzern wie Fichte und Kiefer, machen das Papier fester, kürzere Fasern von Laubhölzern wie zum Beispiel Buche machen das Papier weicher.

Zur Weichheit tragen außerdem die unterschiedlichen Prägeverfahren bei. Mikroprägung gibt dem Tissuepapier eine feine Struktur. Dekorprägung stärkt die Festigkeit und die Haftung der einzelnen Lagen aneinander, zusätzlich kann auf den Dekorflächen Leim aufgetragen werden, der die Lagen miteinander verbindet.

Trend zu mehr Lagen

Der Trend geht zu mehr Lagen, zumindest beim Toilettenpapier, der nach dem Pro-Kopf-Verbrauch in Kilogramm größten Produktgruppe der Hygienepapiere. Drei bis vier Lagen sind mittlerweile Standard, circa zwei Drittel der verkauften Toilettenpapiere sind dreilagig. Fünflagiges Papier hat den stärksten Zuwachs.

Die Anzahl der Lagen ist bei Toilettenpapier das wichtigste Einkaufskriterium, die Weichheit die wichtigste Produkteigenschaft, wie Marktforscher festgestellt haben. Und während bei vielen Franzosen Rosa oder Pink die Farbe der Wahl ist, ziehen die Deutschen Weiß vor.

Auch wenn sie hohe Qualität erwarten, schauen die deutschen Verbraucher auf den Preis, was ihnen die große Zahl an Discountern mit ihrem preiswerten Angebot
ermöglicht. So liegt bei Toilettenpapier und Küchentüchern der Anteil der Eigenmarken des Handels bei fast 90 Prozent, bei Taschentüchern immerhin noch bei gut 70 Prozent.

Aktives Marketing

Mittlerweile rücken Hygienpapiere aus der Tabuzone – auch durch stetige Aufklärungsarbeit und Kampagnen der Hersteller, sei es in TV-, Print oder den sozialen Medien. Neben pflegenden und hygienischen Aspekten von Hygieneprodukten gewinnen emotionale Aspekte an Bedeutung. Abwechslung und Mehrwert sind gefragt: Beispielsweise nach Kamille duftende oder mit Aloe-Vera-Lotion getränkte Taschentücher. Oder bei Haushaltstüchern Designeditionen mit speziell bedruckten Rollen – so waren Einhörner laut Zeitungsberichten kürzlich der Renner bei Kindern. Besondere Verpackungsgestaltung im Sommer und Winter oder zu bestimmten Anlässen steigert weiter die Kaufbereitschaft der Kunden.


Verarbeitungslinie in einem Werk der WEPA-Gruppe.