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Herausforderungen stets angenommen


Foto: UPM
Im Jahr 1967 wurde die Nordland Papier GmbH in Dörpen gegründet. Das 50-jährige Jubiläum feierte das Unternehmen mit einem großen Festakt, zu dem circa zweihundert Gäste kamen. Redner würdigten den Pioniergeist und die Zielorientiertheit von Mitarbeitern und Unternehmen und dessen Übernahme sozialer Verantwortung.

Werkleiter Klaus Reimann begrüßte unter anderem Freiherr Sten von Troil, der 1967 als Projektleiter der PM 1 ein wichtiger Mann für Dörpen war, außerdem den Präsidenten des Niedersächsischen Landtags, Bernd Busemann, Landrat Reinhard Winter, Samtgemeindebürgermeister Hermann Wocken und den Dörpener Bürgermeister Manfred Gerdes. Als Vertreter von UPM kamen Winfried Schaur, Executive Vice President Paper ENA sowie Ruud van den Berg, Senior Vice President Magazines, Merchants and Office.

Erfolg mit „Machermentalität“

In seinem Grußwort hob Klaus Reimann die „Machermentalität“ der Nordländer hervor, die er schon damals als gelernter Papiermacher in Gernsbach kennengelernt hatte. „Meine Erfahrungen sind, dass wir hier viele Dinge einfach tun und weniger an deren Vermarktung und Kommunikation interessiert sind. Der Emsländer packt an. Ein solcher Macher war auch der ehemalige Technische Vorstand Jürgen Hoppe, der im vergangenen Jahr verstorben ist. Mehr als 30 Jahre hat er Nordland Papier geprägt und er hatte einen maßgeblichen Anteil daran, dass wir auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken können und technisch und technologisch gut aufgestellt sind“, resümierte Klaus Reimann. Er zitierte
die Worte von Jürgen Hoppe: „Es braucht nicht Koryphäen in einem Unternehmen, sondern Menschen, die alle in eine ähnliche Richtung ziehen.“ Es sei eine Stärke von Nordland Papier, dass die Menschen gemeinsam für ein Ziel arbeiteten. Dies gelte ebenso für die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, den Behörden und wichtigen Lieferanten. Durch ein offenes, vertrauensvolles, konstruktives und menschliches Miteinander werde viel erreicht. Klaus Reimann machte auch deutlich, dass sich die Herausforderungen deutlich gewandelt haben. Heute – in einem rückläufigen Markt – seien die Investitionen zurückgegangen und die Kosten viel stärker in den Blick gerückt. Auch hier wurden Projekte erfolgreich umgesetzt, wie zum Beispiel die Reduzierung des Energieverbrauchs um gut 20 Prozent. Eine weitere in Planung befindliche Innovation ist die Aufbereitung des Abwassers, so dass es wieder in der Produktion eingesetzt werden kann.

„Auf einer guten Plattform lässt sich durch innovative Wege und Kostenführerschaft die Erfolgsgeschichte fortführen“, appellierte Klaus Reimann.

Winfried Schaur würdigte den Pioniergeist der damals Verantwortlichen, die innovative Entwicklung, die Verbundenheit der Mitarbeiter sowie die Sozialpartnerschaft. Ein besonderes Augenmerk liege auf dem Nachwuchs und der Integration der Nachhaltigkeit, denn nur nachhaltig hergestellte Produkte hätten eine Chance, am Markt langfristig zu bestehen. Papier gehöre immer noch zu den am meisten verwendeten Alltagsprodukten weltweit. Traditionelle und digitale Medien seien keine Konkurrenten. Vertreter beider Formate müssten strategisch zusammenarbeiten und im Dialog stehen. „Langfristig werden Print und digitale Medien koexistieren, sich perfekt ergänzen und dem Nutzer einen einzigartigen Mehrwert bieten“, sagte Schaur.

Alois Soring, seit 1994 Betriebsratsvorsitzender der Nordland Papier GmbH, verglich die Nordland-Familie mit einem Querschnitt der Gesellschaft und betonte in diesem Zusammenhang die soziale Verantwortung, der das Unternehmen stets gerecht wurde. Auch als die Betriebsrente 1993 ausgesetzt wurde, konnte sie bereits 1995 wieder eingeführt werden. Weitere Errungenschaften seien die Tarifsicherheit, die Arbeitssicherheit, der Gesundheitsschutz sowie die Aus- und Weiterbildung. Ein Meilenstein in der Nordland-Geschichte sei die erste Betriebsratswahl am 29. April 1969 gewesen. In einer ersten Betriebsvereinbarung wurde die Grundversorgung geregelt. Seit dieser Zeit folgten viele weitere Betriebsvereinbarungen. Eine aufgeschlossene und tüchtige Belegschaft habe sowohl die positiven als auch die negativen Herausforderungen stets angenommen.

Ständiger Lernprozess

Bernhard Wegmann, seit dem Jahr 1968 im Unternehmen, überbrachte die Glückwünsche der Belegschaft zum 50-jährigen Jubiläum. Durch die Entwicklung des Unternehmens war der Mitarbeiter der ersten Stunde einem ständigen Lernprozess unterworfen. „Doch dieser Weg war von Erfolg gekrönt. Heute feiern viele treue Mitarbeiter ihr 40-jähriges Arbeitsjubiläum“, schloss Bernhard Wegmann seine Grußworte.

Samtgemeindebürgermeister Hermann Wocken betonte, dass es nicht nur ein Feiertag für UPM sei, sondern für die gesamte Region. Denn als größter Arbeitgeber der Gemeinde sorgte Nordland für deren Wohlstand und den Bau vieler Eigenheime. Die wirtschaftliche Infrastruktur habe weitere Unternehmen mitgezogen – wie auch die Errichtung des Güterverkehrszentrums Emsland in Dörpen.

Auch Landrat Reinhard Winter bezeichnete die Ansiedlung der Papierfabrik in einer seinerzeit sehr strukturschwachen Region als gute Standortentscheidung und „Win-win-Situation“. Es hätte zwar keine Schätze, dafür aber fleißige Arbeitnehmer, eine gute Anbindung, günstige Grundstückspreise sowie ein ergiebiges Wasserreservoir gegeben. Der Landkreis werde weiterhin für gute Rahmenbedingungen sorgen.

Den Festvortrag hielt der Dörpener Bernd Busemann, Präsident des Niedersächsischen Landtags. Er erinnerte daran, dass die damalige Politik dem Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen war, im Ort hingegen hätte es lebhafte Diskussionen gegeben, obwohl kaum einer weder ein geregeltes Einkommen noch einen sicheren Arbeitsplatz kannte. Er selbst durfte damals als Ferienjobber den finnischen Vermessungsleuten für einen Stundenlohn von drei D-Mark bei der Vermessung des Geländes helfen. Rückblickend sei die Integration geglückt – „Finnen und Emsländer können miteinander“. Nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich und industriell sei die Ansiedlung ein Glücksfall gewesen.

Am Abend des Jubiläumstages feierten rund 2.700 Mitarbeiter und Ehemalige einschließlich ihrer Partner auf dem Schützenplatz. ■


Nach dem Festakt wurde neben dem Besucherzentrum ein Bronzerelief der Fabrik enthüllt.