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Gut vernetzt im Unternehmen

Der Papieringenieur Jannik Hartmann arbeitet seit fast sechs Jahren bei Glatfelter Gernsbach. Schon während der Praxisphasen seines dualen Studiums Papiertechnik hat er bei dem Hersteller von Spezialpapieren eine Reihe von Projekten umgesetzt.

Schon immer hatte Jannik Hartmann besonderes Interesse an Naturwissenschaften. Einer seiner Leistungskurse am Gymnasium war Chemie. Er spielte mit dem Gedanken Chemielaborant zu werden, entschied sich dann aber aufgrund der Vielfältigkeit der Studieninhalte für die Papiertechnik und das duale Studium an der Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe (DHBW). Er wollte schnell selbständig werden, da war das duale Studium genau richtig. „Es bietet eine Kombination aus Studium und viel Praxiserfahrung bei der Ausbildung im Betrieb, was einen frühen Einstieg ins Berufsleben ermöglicht“, erklärt er.

Dozenten aus der Industrie

Von der DHBW bekam Jannik Hartmann Glatfelter Gernsbach als Ausbildungsunternehmen vermittelt. Im Mai 2012 hatte er Abitur gemacht und im September ging das Studium los. „Klar musste man büffeln“, sagt er über die Anforderungen. „Aber ohne Lernen kommt man nicht weit.“ Von der Ausbildung berichtet er hochzufrieden. Die Studiengangsleiter waren stets darauf bedacht, die Vorlesungsinhalte auf höchstem Niveau zu halten. Die Vorlesungen in den allgemeinen Ingenieurwissenschaften wie auch in den für
die Papiertechnik spezifischen Fächern hielten Dozenten, die lange Erfahrung in der Papierindustrie hatten. Zusätzlich gab es zahlreiche Veranstaltungen von Lieferanten der Industrie aus unterschiedlichen Bereichen, wie Maschinentechnologie, Chemikalien, Logistik, aber auch Laborausrüstungen.

Gegenseitig unterstützt

Die gut ausgestatteten Vorlesungsräume und Labore im Papierzentrum, an dem der Unterricht stattfand, waren ein weiterer Pluspunkt. Der Studienort bot noch mehr: Im Papierzentrum ergaben sich Kontakte mit Meistern oder Auszubildenden aus anderen Unternehmen. Besonders intensiv war der Austausch natürlich mit den Studienkollegen, den insgesamt 14 Studenten aus ganz Deutschland. Rund die Hälfte waren ausgebildete Papiertechnologen, die andere Hälfte kam wie Jannik Hartmann direkt von der Schule. Jede Gruppe hatte besondere Stärken und konnte die andere unterstützen. So war bei den Abiturienten das Wissen über Chemie oder Mathematik noch ganz frisch, während die Papiertechnologen „im Labor nicht zu schlagen waren“, wie Jannik Hartmann erwähnt.

Theoretisches Wissen direkt
angewandt

Der besondere Reiz am dualen Studium sei, dass man das im Theoriesemester Gelernte gleich danach in der Praxis im Unternehmen anwenden könne. In jeder Praxisphase müssen die Studenten eine Projektarbeit anfertigen.

Eine Herausforderung, mit der sie zurechtkommen, denn „im Studium lernt man schnell die methodische und systematische Herangehensweise an diverse Problemstellungen“, sagt der Papieringenieur. In seiner Bachelorarbeit beschrieb er die Optimierung der Aufbereitung von nassfestem Teebeutelpapierausschuss hinsichtlich Energieeffizienz und Durchsatzsteigerung. Hierbei untersuchte er den Einfluss von Hilfsmitteln auf die Fasermorphologie und die Verwertbarkeit der entstehenden Fasersuspension. Danach zog er über mehrere Versuchsläufe Proben aus dem Onlineprozess und untersuchte sie auf die Qualität. Ausschlaggebend war die Faserqualität am Ende des Aufbereitungsprozesses.

Mit der Umsetzung der Versuche war er noch einige Zeit bei seiner Tätigkeit als Prozessingenieur in der Abteilung Continuous Improvement & Technology beschäftigt, in die er nach Abschluss des Studiums im Jahr 2015 übernommen wurde. Danach vertiefte er sich in das Thema Lean Production und die 5S beziehungsweise 6S (inklusive Arbeitssicherheit)-Methode zur Optimierung der Arbeitsplatzgestaltung in den Produktionsprozessen. Er implementierte die 6S-Methode an allen sechs Produktionslinien und angrenzenden Abteilungen. Seit August 2017 ist Jannik Hartmann Teamleiter (interim) der CI & Technology Abteilung und übernimmt hier weitreichende Aufgaben zum Projektmanagement, Datenanalysen im operativen Geschäft und außerdem überwacht er diverse Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung und Lean Production.

Andere von Ideen überzeugen

Während seiner Zeit im Unternehmen konnte er sich ein Netzwerk aufbauen, das ihn bei seiner Aufgabe unterstützt. Zur Frage, welche Fähigkeiten ein Papieringenieur haben sollte, sagt Jannik Hartmann: „Man sollte eine hohe Flexibilität besitzen und sich schnell an veränderte Rahmenbedingungen anpassen können.“ Zur Umsetzung und Leitung von Projekten gehöre ein hohes Maß an Durchhaltevermögen und die Fähigkeit andere von seinen Ideen zu überzeugen. „Kann man diese Eigenschaften kombinieren, wird man sich bei seiner Tätigkeit sehr wohl fühlen“, ist er überzeugt. VM


Das duale Studium ermöglichte Jannik Hartmann einen frühen Einstieg in den Beruf.