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Gesundheitsmanagement – aber richtig

Am 10. Mai 2016 fand im Papierzentrum Gernsbach ein Demografie-Workshop mit dem Schwerpunkt betriebliche Gesundheitsförderung statt. Diese kann als wesentlicher Baustein in der betrieblichen Praxis dazu beitragen, mit den Herausforderungen des demografischen Wandels und alternder Belegschaften in der Papierindustrie zurechtzukommen.

Dr. Hans-Peter BergerPapierzentrum Gernsbach

Im Workshop wurde deutlich, dass die betriebliche Gesundheitsförderung eine Langfristaufgabe darstellt, aber auch schon mit verhältnismäßig geringem Aufwand angegangen werden kann.

Tarifvertrag schafft Grundlage

Die Belegschaften in der Papierindustrie altern. Der Anteil der 57- bis 65-jährigen Mitarbeiter liegt augenblicklich bei etwa 16 Prozent der Belegschaft. In den nächsten Jahren wird sich dieser Anteil auf etwa 30 Prozent erhöhen. Die Branche steht vor großen demografischen Herausforderungen. Es wird in Zukunft so sein, dass sich bis zu acht Arbeitnehmer um einen Altersteilzeitarbeitsplatz streiten. Immer weniger Mitarbeiter kommen in den Genuss der Altersteilzeit. Fünf Prozent der Mitarbeiter haben einen Anspruch, in Altersteilzeit zu gehen. Diese Quote ist im Durchschnitt ausgeschöpft. Es stehen sogar vier Prozent der Belegschaft im Durchschnitt auf der Warteliste.

Mit dem am 1. Januar 2016 in Kraft getretenen Tarifvertrag Altersteilzeit und Demografie haben die Tarifvertragsparteien wichtige Grundlagen geschaffen, die Herausforderungen des demografischen Wandels anzugehen. Danach
haben die Betriebsparteien bis zum
30. Juni eines Jahres eine Demografiediskussion durchzuführen, um die Alters- und Qualifikationsstruktur im
Betrieb herauszuarbeiten. Die Betriebsparteien haben die Möglichkeit, die bisherige Altersteilzeit durch andere Module, zum Beispiel der betrieblichen Gesundheitsförderung, abzulösen.

Gesundheitsbewusstsein stärken

Die betriebliche Gesundheitsförderung kann zusammen oder alternativ mit der neu geschaffenen Möglichkeit der Lebensarbeitszeitkonten dazu beitragen, das Gesundheitsbewusstsein der Mitarbeiter zu stärken. Hierzu gehört auch die Betonung der Verantwortung des einzelnen Mitarbeiters für den Erhalt und die Verbesserung seiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Berufsgenossenschaft informiert

Im Rahmen des Workshops stellte Nicole Jansen, Mitarbeiterin der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) deren umfangreiches Angebot dar. Hierzu gehören umfassende Unterstützungsangebote im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung für die Unternehmen wie Praxishilfen, firmenspezifische Seminare und Fachberatung. Besonders hervorzuheben ist das DVD-Magazin „Fit für Job und Leben“, welches Filmbeiträge auf DVD enthält. Anhand von Hintergrundberichten und betrieblichen Beispielen werden etwa für die Themengebiete Stress, Sucht, Psyche und Rücken Hilfestellungen für die Firmen gegeben. Regelmäßige Seminare zum Bereich Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement stehen ebenfalls auf der Tagesordnung der Berufsgenossenschaft. Neu ist im Übrigen das Angebot, das betriebliche Gesundheitsmanagement durch die Berufsgenossenschaft begutachten und mit
einem Gütesiegel auszeichnen zu lassen.

Jetzt möglich: Lebensarbeitszeit

Mit den Neuregelungen im Tarifvertrag Altersteilzeit und Demografie besteht nunmehr die Möglichkeit für die Betriebe, im Zusammenwirken zwischen
Arbeitgeber und Betriebsrat Lebensarbeitszeitkonten einzuführen. Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, das Lebensarbeitszeitkonto zu füllen, um später vor Beginn der Rente eine bezahlte Freistellung zu erwerben. IG BCE und Arbeitgeberverbände haben sich hierbei auf ein Standardmodell geeinigt. Das Standardmodell in Form einer Betriebsvereinbarung bietet insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen Hilfestellungen, um ein Lebensarbeitszeitkonto im Betrieb einzuführen. Erfolgreiche Beispiele aus Unternehmen zeigen bereits jetzt, dass bei aktiver Information der Mitarbeiter Lebensarbeitszeit sehr gut angenommen wird.

Beschäftigung von Flüchtlingen

Ein Aspekt zur Bekämpfung des demografischen Wandels ist die Möglichkeit Flüchtlinge zu beschäftigen. Rechtsanwalt Raphael Gutwein stellte die Beschäftigungsmöglichkeiten von Asylanten dar. Dabei wurde nochmals deutlich, dass bei anerkannten Asylanten
eine nahezu uneingeschränkte Möglichkeit der Beschäftigung besteht. Lediglich bei Asylbewerbern im laufenden Asylverfahren und Geduldeten gilt ein dreimonatiges Arbeitsverbot und ein Genehmigungsvorbehalt der Ausländerbehörde.

Erfolgreiche Gesundheitsförderung: Beispiele aus den Betrieben

Breiten Raum in der Veranstaltung nahm der überbetriebliche Erfahrungsaustausch zwischen den zahlreich anwesenden Firmenvertretern ein. Im moderierten Workshop zeigten die Unternehmensvertreter erfolgreiche Beispiele bereits durchgeführter betrieblicher Gesundheitsförderung auf. Auch hier wurde deutlich, dass erfolgreiche Gesundheitsförderung nicht immer hohen bürokratischen Aufwand im Betrieb erfordert. So können etwa Nichtraucherseminare, Rückkehrgespräche nach Krankheit, Familienwanderungen und Betriebssportgruppen schon zu positiven Ergebnissen führen.

Abschließend stellte Petra Krengel von der WEPA das Programm „Betriebliche Gesundheitsförderung der WEPA-Gruppe“ vor. Geprägt ist die Gesundheitsförderung von den Faktoren demografischer Wandel, Mangel an Fachkräften und der besonders hoch und wichtig anzusehenden Bedeutung der guten Arbeitsatmosphäre in den Betrieben. So wird etwa jährlich in allen Werken eine Gesundheitswoche mit bestimmten Schwerpunktthemen und Workshops angeboten wie etwa Rückenschulung und Ernährungsberatung. Dabei sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Auch eine Ruderwoche und ein Sushi-Kochkurs stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und bildet damit auch einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung.

Daneben bietet die WEPA-Gruppe ihren Mitarbeitern eine individuelle Beratung in allen Lebenslagen an. Mitarbeiter haben dabei die Möglichkeit, zu
jeder Zeit eine externe Mitarbeiterberatung telefonisch aufzusuchen, um Begleitung und Beratung in allen privaten und beruflichen Lebens- und Belastungssituationen erfahren zu können. Natürlich wird diese Beratung anonym und streng vertraulich durchgeführt.

Diese Beispiele finden sich zusammen mit zahlreichen anderen Firmenbeispielen in einer von der Vereinigung der
Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie e. V. (VAP) in Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Papierindustrie erarbeiteten Broschüre.

Fazit

In der Abschlussdiskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass sich betriebliche Gesundheitsförderung lohnen kann. Gesundheitsmanagement ist Führungsaufgabe. Alle Führungskräfte bis zur Geschäftsführung müssen die betriebliche Gesundheitsförderung unterstützen und ernst nehmen. Der Betriebsrat ist mit zu beteiligen. Das
Gesundheitsmanagement ist langfristig anzulegen. Bei Beachtung dieser Grundsätze kann schon mit überschaubarem Aufwand erfolgreiches Gesundheitsmanagement praktiziert werden.


Um lange fit zu bleiben ist es wichtig, schon früh etwas für die Gesundheit zu tun. Die Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei mit vielfältigen Angeboten.