Archiv Im Blickpunkt

Gesamteuropäisch aufgestellt

Wachsen statt Weichen. Diesem Motto folgt die WEPA GmbH schon lange mit großem Erfolg. Im letzten Jahr kam dann der ganz große Coup: Die Übernahme der italienischen Kartogroup mit Werken in Italien, Frankreich und Deutschland.

Verena Manek

Damit hat die WEPA-Gruppe auf einen Schlag ihre Produktionskapazität von bisher 300 000 Tonnen auf über 600 000 Tonnen Hygienepapieren verdoppelt, erzeugt an zwölf europäischen Standorten mit 17 Papiermaschinen und 70 Verarbeitungsanlagen. Statt zuvor 1500 beschäftigt sie nunmehr in ganz Europa über 2500 Mitarbeiter. „Wir produzieren hochwertige Handelsmarken und Fabrikmarken und machen WEPA damit zu einem bedeutenden Unternehmen im europäischen Markt mit einem erwarteten Umsatz von mehr als 950 Millionen Euro“, heißt es von Unternehmensseite.

Die Übernahme, bei der WEPA die Betriebe der Kartogroup zuerst für zwei Jahre gepachtet hat bzw. in einem Lohnfertigungsvertrag mit der Kartogroup betreibt, verlief nach einem speziellen italienischen Insolvenzverfahren, das erst seit 2006 existiert und zum ersten Mal grenzüberschreitend angewandt wurde.

Die Kunden auf kurzem Weg beliefern
Die neuen Produktionsstätten ergänzen die bisherigen WEPA-Standorte in Arnsberg-Müschede, Marsberg-Giershagen, Kriebethal/Sachsen, Mainz, Piechowice (Polen), Ejea (GCWEPA, Spanien) und Altopascio (WEPA Italy, Italien) sowohl hinsichtlich ihrer geographischen Lage als auch ihrer Kundenstruktur und des Produktionsprogramms geradezu ideal.

Nach Integration der Werke ist WEPA nun in allen europäischen Regionen vertreten. Und damit dem Einzelhandel nahe, der schon längst international aufgestellt ist. WEPA kann seine Kunden, darunter Aldi, Lidl, Edeka und dm, nun auf kurzem Weg mit Toilettenpapier, Haushalts-, Taschen- und Kosmetiktüchern und Servietten beliefern. Im Programm hat WEPA außerdem Industrierollen, Handtuchpapier und ein Spendersortiment in der „Professional“-Vertriebsschiene.

Mit 26 Prozent Marktanteil in Deutschland und elf Prozent Marktanteil in Europa gehört das Unternehmen nunmehr zu den fünf größten Lieferanten in Europa.

Die Übernahme ist der Höhepunkt einer rasanten Unternehmensentwicklung, die besonders in den letzten Jahren von großen Investitionen gekennzeichnet war. So im Jahr 2006 der Übernahme des Mainzer Werkes von Kimberly-Clark und dem Mehrheitserwerb an FPP, heute WEPA Piechowice in Polen, dem Bau eines Hochregallagers im Werk Müschede im Jahr 2005, dem Joint Venture GC & WEPA S.L. Ejea de los Caballeros/Spanien im Jahr 2004 und der Übernahme der Kriepa GmbH im sächsischen Kriebethal im Jahr 2001.

Stetige Investitionen
Gegründet wurde die WEPA (Westfälische Papierfabrik) im Jahr 1948 von Paul Krengel senior in Arnsberg-Müschede im Sauerland. Nachdem in den ersten Jahren Hygienepapiere verarbeitet wurden, startete WEPA im Jahr 1958 mit der ersten Papiermaschine die Erzeugung von Krepp-Toilettenpapier. Seit 1963 wurde in einem zweiten Werk in Giershagen Papier verarbeitet. Zu dieser Zeit beschäftigte das Unternehmen bereits über 150 Mitarbeiter. Weitere Stationen der Unternehmensgeschichte: 1968 Aufnahme der Taschentuchproduktion in Giershagen. 1974 Bau der ersten Tissue-Papiermaschine (PM IV) im dortigen Werk. 1983 Bau der Papiermaschine (PM VI) in Müschede, die hauptsächlich Altpapier verarbeitet. In der ersten Hälfte der neunziger Jahre investierte WEPA in neue Fertigungsautomaten für alle Produktionsbereiche: Küchentücher, Taschentücher, Kosmetiktücher und Handtuchpapier. Ende der neunziger Jahre Ausbau der Stoffaufbereitung in Marsberg-Giershagen und in Arnsberg-Müschede auf ein neues Qualitätsniveau. Dadurch kann nunmehr DIP-Zellstoff produziert werden, der als Zellstoffersatz auf Altpapierbasis für die eigenen RC-Produkte genutzt oder als Halbfertigware an Dritte weiterverkauft wird.

Heute wird das größte mittelständische Familienunternehmen der Branche in Deutschland in zweiter Generation geführt. Die neue Größenordnung und die einheitliche Führung von WEPA Arnsberg und WEPA Lucca erforderten allerdings eine neue Organisationsstruktur. CEO ist Martin Krengel, zum Management gehören seine Brüder Wolfgang Krengel (Manufacturing Services) und Jochen Krengel (Strategic Purchase) sowie Carlo Rogora (Supply chain), Dr. Benno Hundgeburt, (Human Resources), Manfred Meier (Finance/CFO) und Dr. Reinhard Rolf (Sales & Marketing).

Für die Zukunft rechnet man mit weiteren Konzentrationsprozessen im europäischen Einzelhandel, steigenden Anteilen der Handelsmarken und einem Marktwachstum vor allem in Osteuropa. Mit Recycling-Produkten und der Entwicklung von Premium-Handelsmarken will WEPA den Markttrends gerecht werden und eines der führenden europäischen Unternehmen im Bereich Hygienepapiere werden.

Einzigartige Chance
„Wir haben die einzigartige Chance, in einem großen Schritt eine europaweit führende Marktstellung zu erreichen und unsere Ergebnissituation aufgrund der Neuaufstellung weiter zu verbessern. Auch bei der neuen Größenordnung wollen wir unseren Charakter als Familienunternehmen mit einer werteorientierten Ausrichtung, schnellen Entscheidungswegen und Flexibilität erhalten. Wir sind sicher, mit der Mitwirkung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die internen Abläufe auf diese Herausforderung erfolgreich ausrichten zu können, um diese große Chance gemeinsam beherzt zu ergreifen.“ Mit diesen Worten kommentierte Martin Krengel, Vorsitzender der Geschäftsführung und geschäftsführender Gesellschafter der WEPA Papierfabrik, die neue europaweite Ausrichtung des Unternehmens.