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Gemeinsam zu „null Unfällen“

Um dem Ziel „null Unfälle“ näher zu kommen, hat im Jahr 2017 die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) mit den Tarifpartnern der Papierindustrie eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Inhalte und Ziele erläutert Dr. Matthias Kluckert von der Prävention der BG RCI im Interview.

Das Interview führte Verena Manek

Herr Dr. Kluckert, was sieht die Kooperationsvereinbarung der BG RCI mit der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der deutschen Papierindustrie (VAP) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) vor?

Die Vereinbarung sieht eine gegenseitige Beteiligung der drei Kooperationspartner VAP, IG BCE und BG RCI vor, um die VISION ZERO-Strategie in der Papierbranche voranzubringen. Dazu wurden bei den Kooperationspartnern Ansprechpersonen benannt, um die Zusammenarbeit in Gremien, bei der Qualifizierung, Information und Motivation von Führungskräften und Betriebsräten zu intensivieren. Die Zusammenarbeit berührt branchenspezifische, aktuelle Fragestellungen aus dem Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Die Vereinbarung sieht eine gemeinsame Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vor, um zum Beispiel Erkenntnisse aus Unfallereignissen sowie Einzelmaßnahmen und Erfolge zu kommunizieren.

Was konnte seither in den Betrieben umgesetzt werden?

Durch Presse- und Aufklärungsarbeit, Seminare, Fachveranstaltungen und Besuche von Arbeitsschutzexperten der BG RCI in den Unternehmen ist die
VISION ZERO-Strategie in vielen Unternehmen der Branche Papier bekanntgemacht, angekommen und stößt auf breites Interesse.

Im Frühjahr 2019 gab es eine gemeinsame Veranstaltung von BG RCI und der VAP im Papierzentrum Gernsbach. Wer nahm teil und was waren die Themen?

Teilnehmer waren hohe Führungskräfte und leitende Sicherheitsfachkräfte der Papierindustrie. Leitziel der Veranstaltung war: ‚Welche Maßnahmen in der Papierindustrie erforderlich sind, um die VISION ZERO umzusetzen und welchen Beitrag die BG RCI und die VAP hierzu leisten können.

Nach Vorstellung der VISION ZERO-Strategie und den Erwartungen der VAP an die Kooperationsvereinbarung zu Vision Zero wurden Best Practice-Beispiele aus deutschen Papierfabriken zu den Themen „ Leben Sie Führung“, „ Gut organisiert – mit System“ und „Maschinen, Technik, Anlagen – aber sicher!“ durch erfahrene Experten vorgestellt. In den folgenden Workshops ging es darum, herauszuarbeiten, zu welchen konkreten Themen es in den Papierfabriken Handlungsbedarf gibt, um die Ziele der VISION ZERO zu erreichen und wie die BG RCI und VAP mit Kommunikationsangeboten, Medien, Seminarangeboten, Beratungsangeboten oder sonstigen vorhandenen Präventionsangeboten unterstützen können.

Führte die Veranstaltung zu bestimmten Ergebnissen?

Es gibt drei Kernaussagen:

1. Eine verbesserte Versorgung der Papierunternehmen mit aktuellen Informationen zu Hilfsmitteln und Werkzeugen der BG RCI zur Umsetzung der VISION ZERO über den Verband ist angelaufen.

2. Eine bessere Einbindung der Unternehmen und der oberen Führungskräfte in die Ziele der VISION ZERO-Strategie ist unabdingbar und könnte durch bessere Nutzung der entsprechenden BG RCI-Führungskräfteseminare erreicht werden.

3. Die forcierte Bekanntmachung von bewährten und zielführenden Angeboten der VAP und der BG RCI zur Umsetzung der VISION ZERO-Strategie führt zu einer umfangreicheren Nutzung derselben.

Zwischenzeitlich werden auf der operativen Ebene konkrete Möglichkeiten zur Umsetzung der Ergebnisse entwickelt und geprüft.

Gibt es Best-Practice-Beispiele für erfolgreiche Maßnahmen im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in der Papierindustrie?

Diese gibt es natürlich. Sie sind jedoch so vielfältig, dass es keinen Sinn hat, sie an dieser Stelle aufzuzählen. Für Interessierte bieten sich die Seiten „Best-Practice“ (https://www.bgrci.de/vision-zero/vision-zero/best-practice/) der BG RCI an. Hier finden sich nachahmenswerte Ideen, die auch im Rahmen des Förderpreises durch die BG RCI gewürdigt wurden. Natürlich finden sich dort nicht nur Best-Practice-Beispiele aus der Papierindustrie. Denn aus allen bei der BG RCI versicherten Branchen kommen Aktivitäten und Ideen, um die Ziele der VISION ZERO zu erreichen. Und diese Ideen werden breit kommuniziert, damit sie möglichst überall Früchte im Sinne der Präventionsstrategie tragen. Besonders erfolgreich sind unsere Seminare im Rahmen der VISION ZERO, die beispielsweise auch Betriebsräte und Führungskräfte als Zielgruppe haben.


Die Vision Zero Präventionsstrategie

Die Präventionsstrategie „VISION ZERO. Null Unfälle – gesund arbeiten!“ geht davon aus, dass durch geeignete präventive Maßnahmen eine Arbeitswelt erreichbar ist, in der niemand bei der Arbeit getötet oder so schwer verletzt wird oder erkrankt, dass daraus lebenslange Schäden resultieren. Die Präventionsstrategie legt Ziele fest, die in zehn Jahren erreichbar erscheinen. Zugleich werden Maßnahmen beschrieben, mit denen die Präventionsziele im Zeitraum von 2015 bis 2024 erreicht werden sollen.

Der Kern der VISION ZERO-Kooperationsvereinbarungen zwischen der BG RCI und deren Mitgliedern ist die unternehmerische, öffentliche Selbstverpflichtung zur Präventionsstrategie VISION ZERO, zu mehr Sicherheit und Gesundheit im
eigenen Betrieb. Es gilt, gemeinsam mit den Sozialpartnern in der Papierindustrie, der IG BCE und der VAP, das Richtige zu tun und immer wieder neue Ideen zur Verbesserung der Arbeitswelt einzubringen.