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Für den besonderen Anlass

Mit Papier ist es ein bisschen wie mit Kleidung. Es gibt das Alltags-Outfit in praktischem Weiß mit glatter Oberfläche, und es gibt die Festtagsrobe. Die zeichnet sich im Fall von Papier durch besondere Oberflächen aus – sie schmeicheln der Hand, die gerne über die fein erhabenen Prägungen streicht.

Gabriele Eisenbarth

Papier und Stoff haben schon rein von den produktionstechnischen Ausdrücken her etwas gemeinsam. Nicht von ungefähr outete sich der Modedesigner Karl Lagerfeld im Zuge der Ausstellung „Modemethode“ in der Bonner Kunsthalle als „Papierfreak“. „Ich muss immer Papier unter den Fingern spüren, damit ich mich ausdrücken kann“, gesteht er in einem Interview mit der Zeitschrift Vogue (Mai 2015).

Filzgeprägte Oberflächen

Damit Papier zu einem stofflichen Erlebnis wird, kann man die Oberfläche entweder mit Filz oder mit Kalandern prägen. Modebroschüren kommen gerne auf Naturpapier daher. Die weiche und warme Haptik des Materials imitiert gut den Charakter eines Stoffes. Noch perfekter wird der Eindruck, wenn das Papier mittels eines Filzes geprägt wird.

Dadurch, dass dies schon in der Nasspartie geschieht, wird die Prägung sehr fein und natürlich, und sie ist nur auf einer Seite sicht- und fühlbar. Diese Prägung gibt die Oberfläche des Filzes wieder und wirkt dadurch sehr stoffähnlich.

Das Ergebnis variiert je nach Grammatur. Bei Papiergewichten ist es deutlicher sichtbar als im Kartonbereich. Ab 300 g/m² hinterlässt diese Narbung nur noch einen sehr feinen Abdruck.

Prägungen mit dem Kalander

Eine zweite Möglichkeit, die Papieroberfläche zu veredeln, sind Prägekalander. Im Unterschied zur Filznarbung werden die Papiere in dem Fall nach dem Produktionsprozess mit einem Kalander geprägt. Er besteht aus übereinanderliegenden, meist beheizten Stahlguss- und Papierwalzen, durch die das Papier schlangenförmig hindurchgeführt wird. Es gibt eine Vielzahl von Designs, die so ins Papier gebracht werden, die gängigsten sind Leinen- und Hammerschlag-Prägungen. Der Fantasie sind allerdings keine Grenzen gesetzt. Die Büttenpapierfabrik Gmund hat aktuell zum Beispiel die Sorte
„Heather“ mit einer ausdrucksstarken Lederprägung im Sortiment. Ebenfalls neu ist „Wood“ in den Varianten „solid“ – mit deutlicher Holzprägung – oder „veneer“, das einen etwas dezenteren Furnier-Charakter hat. Gmund ist insofern einmalig in dem Geschäft, als dass der Vater des jetzigen Inhabers im Laufe seines Berufslebens an die 200 Prägekalander aufgekauft hat, die nun alle am Tegernsee in einer eigenen Abteilung hängen. Aufgrund der Vielzahl der Möglichkeiten werden die Papiere nur auf Bestellung hin geprägt. Allerdings gibt es auch Sortimente, die schon fertig geprägt im Lager einsortiert sind.

Bis zu 25 verschiedene Prägungen hat die Papierfabrik August Koehler SE im Programm. Neben Leder, Leinen oder Hämmerung auch außergewöhnliche Prägungen wir Feinkorn, Rippung oder Pinselstrich. Geprägt wird nach Kundenbestellungen auf verschiedenen Kalandern von Stahlwalzen, Naturleinentuch oder im Rapportsatz. Der Kunde kann im Flächengewichtsbereich von 80 Gramm bis 410 Gramm zwischen ein- oder zweiseitigen Prägungen wählen. Die verschiedenen Prägungen reichen von sehr zarten bis zu stark ausgeprägten Oberflächenstrukturen. Viele Papiere von Koehler werden mit
geprägter Oberfläche angeboten. Die Auswahl reicht von Spielkartenkarton über Premium-Designpapiere bis hin zu Bezugsstoffen für Spiele und Puzzles.

Hitze und Anpressdruck

Die Prägungen mit dem Kalander unterscheiden sich in der Wirkung von den Filznarbungen. Durch die Hitze und den variabel einstellbaren Anpressdruck fallen sie deutlich intensiver aus. Da das Papier zu diesem Zeitpunkt bereits fertig produziert ist, müssen sowohl Hitze als auch mechanischer Druck ausgeübt werden, um ein sichtbares Ergebnis hinzubekommen. Das bedeutet auch, dass der Eindruck weniger dezent ist als bei der Filznarbung. Auch die Rückseite des Blattes zeigt
eine Markierung, die über alle Grammaturen hinweg gleichermaßen erkennbar ist.

Oberflächenveredelte Papiere werden gerne für besondere Druckprodukte eingesetzt. Das können Einladungskarten für VIP-Kunden sein, hochwertige Broschüren oder Verpackungen für Parfums oder Edelpralinen. Sie werden mit einer edlen Prägung zu einem optischen und haptischen Highlight. Wer edle Naturmöbel verkauft, verleiht seinem Prospekt mit einem Umschlag in Holzprägung eine ganz besondere Note.