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Farbe im Stoff

Farbige Papiere sind etwas Besonderes, die meisten in Deutschland produzierten grafischen Sorten sind weiß. Wer farbiges Papier möchte, bedruckt es in der Regel ganzflächig. Schade, denn ein durchgefärbtes Papier überzeugt nicht nur durch den satten Farbton, es hat auch verarbeitungstechnische Vorteile.

Gabriele Eisenbarth

Farben haben eine Signalfunktion, wie etwa rot oder grün, und sie beeinträchtigen unsere Stimmungen und Gefühle. Blau wirkt beruhigend, Gelb aufheiternd und Orange weckt Vertrauen. Marketingfachleute nutzen diese Erkenntnisse schon lange und setzen sie in ihren Broschüren und Katalogen um. Normalerweise wird der gewünschte Farbton vollflächig aufgedruckt. Allerdings ist es nicht leicht, eine Farbe auf ganzer Fläche so gleichmäßig zu drucken, wie das bei einem durchgefärbten Papier oder Karton der Fall ist. Bei diesem kommt die Farbe in Form von anionischen oder kationischen Farbstoffen ähnlich wie der Leim schon vor der Stoffpumpe ins Papier, so entsteht ein ganz satter und regelmäßiger Farbton. Das ist insbesondere bei Naturpapieren ein Vorteil, denn sie lassen sich noch schwerer als gestrichene Qualitäten vollflächig bedrucken. Auch bei der Weiterverarbeitung überzeugt durchgefärbtes Papier: Wenn es zu kleinen Brüchen in der Falzkante kommt, bleibt das Farbbild regelmäßig, das heißt, es blitzt kein weißes Papier durch. Das Gleiche gilt für die Schnittkanten, die je dicker das Papier ist, umso deutlicher ihr weißes Innenleben preisgeben.

Die Kunst der richtigen Farbe

Jede beliebige Farbe lässt sich ins Papier einbringen, aber die jeweilige Mode gibt die Trends vor.

In den siebziger und achtziger Jahren waren poppige Farben angesagt, orangefarbene Waschbecken zierten giftgrün geflieste Badezimmer und entsprechend war auch das Angebot an Papierfarben. Die Verbraucher heute stehen auf natürlich wirkende erdfarbene Töne, dezentes Grau oder elegantes Schwarz. Die Präsentation der Farbpalette spielt eine wichtige Rolle. Das stellt sowohl die Hersteller als auch
die Händler vor Herausforderungen. Die Farbpalette eines Sortimentes besteht meistens aus 16 bis 18 fein aufeinander abgestimmten Farbtönen. Die richtige Kombination zu finden, ist eine Kunst, und Papierhersteller lassen sich häufig von Designern beraten, damit der Farbmusterfächer auf den ersten Blick überzeugt.

Fantasie ist auch bei den Farbnamen gefragt. „Go to Hell Black“ klingt wesentlich spannender als ein simples Schwarz. Mit geheimnisvollen Umschreibungen wie „Nuclear Acid“ oder „Pastel Heart Attack“ (Gmund Action) oder Botanikbegriffen wie „Crocum“, „Pinus“ oder „Humus“ (Gmund Vice Versa) trifft die Farbe genau das, was das Käuferherz sucht.

Sorgfältige Lagerung

Von den in einem Musterfächer angebotenen Farben werden außer weiß nur zwei, drei Farben gut verkauft, der Rest liegt mehr oder weniger lange am Lager, dient jedoch als Voraussetzung dafür, dass die Farbpalette überhaupt bei der Präsentation ihre Wirkung entfalten kann. Dementsprechend gibt es bei Herstellern von farbigen Papieren sehr unterschiedliche Produktionszyklen. Manche Farben werden bei jedem Zyklus hergestellt und andere nur einmal im Jahr. Liegt das Papier nicht mehr als Rollenware beim Hersteller, sondern schon geschnitten beim Händler, muss es besonders im ungeriesten Zustand sorgfältig gelagert werden, um Umwelteinflüsse wie etwa Licht weitgehend auszuschließen.

Eine Herausforderung liegt auch darin, bei jeder Produktion den Farbton des Musterfächers zu treffen, denn er dient dem Kunden als Referenz. Ähnliches gilt auch für Nachbestellungen. Damit das klappt, gibt es an der Papiermaschine eine elektronische Überwachung. Genauso wichtig ist aber das geschulte Auge des Papiermachers, der kleinste Farbabweichungen mit bloßem Auge wahrnehmen kann. Kräftige, intensive Farben sind leichter zu produzieren als Pastelltöne. Ähnliches gilt für Weiß: Da ist die farbliche Punktlandung vielleicht am schwersten, weil die Farbnuancen so fein sind, dass sie kaum zu unterscheiden sind.