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„Facebook ist nur noch was für Alte“

Jugendmarketing in der Generation Z Wie „tickt“ die Generation Z? Wer könnte darüber besser Auskunft geben als ein Vertreter dieser Altersgruppe. Der 17-jährige Charles Bahr ist derzeit die Instanz für die Ansprache der sieben- bis 21-Jährigen und berät große internationale Unternehmen. Auch Kommunikationsexperten aus der Papierindustrie informierten sich bei ihm.

Gregor Andreas GeigerVerband Deutscher Papierfabriken

Über kaum eine Generation wird derzeit so viel geredet und geschrieben, wie über die Generation Z. Sind es doch die von 1997 bis 2012 zur Welt Gekommenen, die jetzt schrittweise als Arbeitnehmer und Konsumenten eine Rolle spielen. Wie man diese sehr heterogene Gruppe aus „Kids, Teens & Young Adults“ anspricht, wollten Kommunikationsexperten aus der Papierindustrie erfahren, die zur jüngsten gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Verbands Deutscher Papierfabriken (VDP) und der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP) den jungen Mann eingeladen hatten, der derzeit auch von hochrangigen HR-Experten als absolute Instanz auf diesem Gebiet genannt wird.

Charles Bahr ist 17. Schon mit elf Jahren stellte er selbst produzierte Videos ins Netz. Später folgte ein Schulpraktikum bei einer Influencer-Agentur. Bahr fing danach an, einzelne Markenartikler dabei zu unterstützen, wenn es um das Verständnis der heutigen Teenager ging. Heute führt er mit Tubeconnect media eine eigene Unternehmensberatung. Dabei werden Ideen der jungen Generation mit der Erfahrung älterer Marketingexperten zusammengeführt. Im Kernteam von Tubeconnect arbeiten zehn Teenager. Die Modemarke LEVIS oder die Allianz gehören zu seinen
Kunden.

Keinesfalls nur „Nesthocker“

Bahr räumt zunächst mit den Vorurteilen gegen seine Generation auf. Diese wolle keineswegs nur zuhause bleiben und Taschengeld kassieren. Vielmehr wollten die jungen Leute eigenes Geld verdienen, Inhalte kreieren und „relevanten Content“.

Auf die Frage, wo die Generation Z kommunikativ unterwegs ist, hat er klare Antworten. Während man auf
Facebook nur noch nachschaue, wann ältere Verwandte Geburtstag haben, tummelten sich die Jungen auf Insta-gram, snapchat und Plattformen wie Tik Tok und Twitch. Ältere folgen Influencern auf Youtube oder ziehen sich Inhalte aus Twitter.

Influencer sind Trendsetter

Wichtig sind für Bahr Influencer. Sie können als Trendsetter dabei helfen, dass ein Unternehmen in der jungen Generation zu einer Marke wird. Das gelte nicht nur für Produkte, sondern auch für die Rolle als Arbeitgeber. Als Beispiel nennt er einen alteingesessenen Schuhfilialisten, der große Probleme bei der Nachwuchswerbung hat. Dies allerdings nur unter dem altbekannten Markennamen, nicht bei einer auf lifestyle getrimmten Tochterkette.

Viele Unternehmen machten immer noch den Fehler, die jungen Zielgruppen ansprechen zu wollen, ohne sich wirklich mit ihnen auszutauschen, resümiert Bahr. „Befragt die Zielgruppe und bringt sie aktiv in die Gestaltung mit ein“, sagt er. Auf die Frage, wo er mit 25 Jahren sein wolle, antwortet er selbstbewusst, dass er sich mit 17 darüber wirklich noch keine Gedanken machen müsse. Wo er recht hat, hat er recht.