Archiv Im Blickpunkt

EU-Gesetzgeber muss handeln

Die deutsche Papierindustrie kann belegen, dass sie Holz aus nachhaltigem Anbau verwendet. Aber es gibt noch Einfallstore für Papier aus Raubbau nach Europa. Es findet sich vor allem in Druckerzeugnissen aus China, die auch in Deutschland verkauft werden.

Dipl.-Forstwirtin Vanessa Sterner

Aus dem Regenwald direkt ins Kinderzimmer – Mit dieser Meldung schreckte der World Wide Fund For Nature (WWF) bereits im Jahr 2012 die Verbraucher auf, nachdem er Kinderbücher auf Spuren von Tropenhölzern untersucht hatte. Das Ergebnis: In 22 von 79 getesteten Publikationen stecken demnach erhebliche Mengen von Holzfasern aus tropischen Regenwäldern. Produziert worden waren die Bücher in China, Indonesien, Malaysia, Singapur und Hongkong. Während die deutsche Papierindustrie für ihre Rohstoffversorgung glaubwürdige Belege für eine nachhaltige Herkunft ihrer Rohstoffe vorlegen kann, gibt es offenbar immer noch Einfallstore für Papier aus Raubbau. Dem sollte eigentlich das am 22. März 2013 in Kraft getretene Holzhandels-Sicherungsgesetz entgegenwirken, mit dem Deutschland die EU-Holzhandelsverordnung („EU-Timber Regulation“/EUTR) in nationales Recht umsetzt. Das EUTR dient der weltweiten Eindämmung illegalen Holzeinschlages und soll die Vermarktung illegal eingeschlagenen Holzes in der EU unterbinden. Alle Marktteilnehmer, die in der EU Holz oder Holzprodukte erstmalig in Verkehr bringen, müssen dafür sogenannte Sorgfaltspflichten gemäß der EUTR erfüllen.

Das von der deutschen Papierindustrie begrüßte Gesetz weist jedoch eine Lücke auf, die – gemäß der Kombinierten Nomenklatur für den Zollverkehr in der EU – „fertige Druckerzeugnisse“ betrifft. Diese unterliegen nämlich nicht der EUTR und können daher ohne Sanktionen Fasern aus zweifelhafter Herkunft enthalten. So können etwa Broschüren oder Bücher aus Nicht-EU-Ländern, in denen illegaler Holzeinschlag teilweise ein massives Problem darstellt, nach Europa gelangen.

Insbesondere bei Holzprodukten aus China besteht eine erhebliche Gefahr, dass diese zu großen Anteilen aus illegalem Einschlag stammen. Grund hierfür ist unter anderem der stark gestiegene Holzbedarf des Landes in den vergangenen Jahren, der weder im eigenen Land noch in den Nachbarländern nachhaltig gedeckt werden kann. Ausgerechnet aus China stammt jedoch eine Vielzahl gedruckter Bücher, die nach Europa exportiert werden. Der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) hatte zu diesem Punkt bereits erstmals im April 2010 kritisch Stellung bezogen. Eine Anpassung dieser Fehlentwicklung ist nach Aussage der EU-Kommission jedoch erst bei der Überarbeitung der EUTR im Laufe der nächsten Jahre möglich. Viel Zeit also, in der weiter illegaler Einschlag in tropischen Wäldern betrieben werden kann und in der das so gewonnene Holz zum Beispiel per importierten Kinderbüchern auch hierzulande an den Verbraucher geraten wird.

Der VDP spricht sich daher auch weiterhin vehement für die Behebung dieser Gesetzeslücke auf und fordert, dass auch die Waren des Artikels 49 des Zoll- und Handelsabkommens (fertige Druckerzeugnisse) zeitnah der EUTR unterworfen werden. Jetzt ist der europäische Gesetzgeber gefordert.

China kann seinen Holzbedarf nicht nachhaltig decken.