Archiv Im Blickpunkt

Erfolg mit Spezialpapieren

Anfangs produzierte Schoeller & Hoesch vor allem Seiden- und Zigarettenpapier. Heute ist das zur Glatfelter-Gruppe gehörende Unternehmen Weltmarktführer bei Teebeutel- und Overlaypapieren sowie eine international bekannte Adresse für metallisierte Papiere.

Manfred Fieting

Ein ehrwürdiges Alter von 125 Jahren ist einerseits Grund genug für ein rauschendes Jubiläumsfest, andererseits auch für einen Rückblick. Das Ende des 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet vom Übergang von der Agrar- zur Industrie-Gesellschaft, von der Flößerei und den damit verbundenen Sägewerken zu den Papierfabriken. Die Papierfabrik Schoeller & Hoesch wurde im Jahr 1881 auf dem Gelände einer früheren Schleifmühle ursprünglich als Zellstoffwerk unter dem Namen „Schultz & Cie“ von Felix Heinrich Schoeller aus Düren gegründet. Seinem Neffen Hugo Hoesch übertrug er die kaufmännische Leitung. Doch bei der Zellstoffproduktion aus Lumpen entstanden bei ungünstigen Windverhältnissen derartige „Wohlgerüche“, dass die Produktion nach erheblichen Bürgerprotesten durch Gerichtsbeschluss im Jahr 1902 verboten wurde.

Schon 1896 hatte das junge Unternehmen mit der Papiermacherei begonnen und sich auf die Herstellung von Seidenpapier verlegt, nach der Aufgabe der Zellstoffproduktion kam diejenige von Zigarettenpapier hinzu. Bereits 1904 trat Ernst Boehm als technischer Direktor in das Werk ein, er richtete das „Hadernhalbstoffwerk“ ein, das Voraussetzung für die Herstellung von feinsten Hadernpapieren war. Dafür wurde die dritte Papiermaschine aufgestellt. Für die sich rasch entwickelnde Elektroindustrie stellte Schoeller & Hoesch – so hieß das Werk seit 1906 – zudem Kondensatorpapier her. Damit wurde das junge Unternehmen immer mehr zu einem Hersteller von Spezialpapieren, insbesondere als man auch noch die Produktion von Bibeldünndruckpapieren und von Teebeutelpapier aufnahm.

1935 bereits neun Papiermaschinen
Die Produktion wurde in den folgenden Jahren immer mehr gesteigert, 1935 wurde bereits die neunte Papiermaschine aufgestellt. In den 1930-er Jahren investierte man viel bei Schoeller & Hoesch. Mit seinen neun hochwertigen Spezialpapiermaschinen stand das Werk an der Spitze der europäischen Seidenpapierfabrikation.

Die Firmenleitung bestand bis 1997 aus den Repräsentanten dreier Familienstämme. Nämlich den Nachkommen des Kommerzienrates Felix Heinrich Schoeller aus Düren, jenen von Felix Schoeller aus Gretesch bei Osnabrück und von Hugo Hoesch aus Gernsbach. Jeder der Stämme ernannte einen Repräsentanten, der alle Rechte und Pflichten der Kommanditisten wahrnahm.

Knapp über 100 Mitarbeiter hatte die Firma „Schulz & Cie“ in Gernsbach zehn Jahre nach ihrer Gründung und unaufhaltsam wuchs die Belegschaftsstärke bis zu ihrem Gipfel von nahezu 1100 Mitarbeitern im Jahr 1941. Kriegsbedingt reduzierte sie sich auf etwa 360 in den letzten Kriegsmonaten. Am 16. September 1944 wurde Schoeller & Hoesch bombardiert und weitgehend zerstört. Was danach noch brauchbar war, requirierten die Sieger nach dem Kriegsende. Bis 1948 dauerte die Beseitigung der Kriegsschäden, erst am 6. Juli 1949 wurde die Produktion von Kondensatorpapier auf der neuen PM 1 wieder aufgenommen. Rund 670 Mitarbeiter beschäftigte Schoeller & Hoesch da schon wieder. 1952 liefen bei Schoeller & Hoesch bereits wieder acht Papiermaschinen und die Belegschaftsstärke bewegte sich stetig auf 800 zu. 1958 wurde das neue Verwaltungsgebäude errichtet, 1960 lief die zehnte Papiermaschine an und 1962 wurde das Heizkraftwerk ausgebaut. Im Laufe der folgenden Jahre änderte sich auch die Führung des Unternehmens. 1975 übernahm der bereits 1955 ins Unternehmen eingetretene Christoph Sieber-Rilke die kaufmännische Geschäftsleitung und Dr. Eckart Küssner die technische Führung. Im Jahr 2000 gingen beide in Rente. Werner Ruckenbrod und Gerhard Federer wurden ihre Nachfolger als Geschäftsführer. Im Jahr 2001 wurde Werner Ruckenbrod alleiniger Geschäftsführer. Gerhard Federer wechselte zur Muttergesellschaft P. H. Glatfelter Company. Seit Anfang August 2006 ist Martin Rapp als Geschäftsführer für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich.

Glatfelter investierte kräftig
Bereits während der Zeit von Christoph Sieber-Rilke und Dr. Eckart Küssner hatte es eine weitere einschneidende Änderung in dem Familienunternehmen gegeben, denn es wurde 1998 an die amerikanische Firmengruppe P. H. Glatfelter in Pennsylvania veräußert. Die wichtigste Änderung in der Geschäftspolitik der neuen Besitzer war der allmähliche Ausstieg aus dem Tabakpapiergeschäft. Stattdessen wurde in Gernsbach kräftig in eine neue Halle investiert, um Platz für eine neue Papiermaschine zur Produktion von Overlaypapier als abriebfeste Beschichtung von Laminatfußböden zu bekommen. In diesem Bereich boomt der Markt derzeit. Die aktuell 562 Mitarbeiter können also mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Immer noch wird außerdem auf mehreren Papiermaschinen Teebeutelpapier hergestellt. Ein weiteres Produkt sind die hauchdünn mit Aluminium bedampften und mit Decklack versiegelten metallisierten Papiere.

Zwei Feste wurden aus Anlass des 125-jährigen Firmenjubiläums gefeiert. Dasjenige für die ehemaligen und heutigen Mitarbeiter und ihre Angehörigen fand bereits im Juni statt und dazu war auch der heutige Besitzer der Gernsbacher Spezialpapierfabrik George Glatfelter mit Ehefrau Beverly und dem jüngsten Sohn Tim angereist. Ein weiteres Fest gab es Ende September für die Geschäftspartner des Unternehmens.