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Eine verlässliche Partnerschaft

Die Millenniumsziele der Vereinten Nationen beinhalten neben einer ökonomischen und einer ökologischen Komponente auch eine soziale Komponente der Nachhaltigkeit. Im globalen Maßstab bedeutet das die Bekämpfung von Hunger und Armut. Soziale Nachhaltigkeit hat aber auch in entwickelten Gesellschaften wie in Deutschland eine Bedeutung, wenn es um die Beziehung der Unternehmen zur Gesellschaft und den eigenen Mitarbeitern geht.

Gregor Andreas Geiger M.A.Verband Deutscher Papierfabriken (VDP)

Die Papierindustrie steht hier nicht nur als „corporate citizen“, sondern auch als Arbeitgeber in der Pflicht – mit einer guten Bilanz, die sich sehen lassen kann. „Soziale Nachhaltigkeit bedeutet für die Papierindustrie die Einhaltung von Sozialstandards, Fairness und Wertschätzung auf allen Stufen der Wertschöpfungskette. Die Werte Respekt und vertrauensvoller Umgang miteinander sind uns gerade auch in der Zusammenarbeit mit unserem Sozialpartner wichtig“, sagt dazu Martin Krengel, Vorsitzender der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Deutschen Papierindustrie (VAP).

Starke Mitarbeiterbindung auch in Krisenzeiten

Einmal Papier, immer Papier. Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch, der – meist mit einem Lächeln – vor allem denjenigen entgegengehalten wird, die, nach einem beruflichen Abstecher, zur Papierindustrie zurückkehren. In der Tat zeichnet sich unsere Branche durch lange Bindungen aus – und die Unternehmen tun einiges, damit das so bleibt. Sichtbar wird das in Krisenzeiten wie der Covid-19-Pandemie, wenn andere Branchen wie Einzelhandel oder Luftfahrt drastisch Personal abbauen. In der Papierindustrie geht es eher darum, in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten die eigenen qualifizierten Mitarbeiter zu halten, bis das Geschäft wieder anläuft.

Es lohnt sich ein Rückblick: Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Branche hat sich – laut Zahlen des Verbands Deutscher Papierfabriken (VDP) – seit dem Jahr 2000 von 45.800 auf 39.900 verringert. Dies aber nicht wegen des Personalabbaus in den Papierfabriken, sondern weil über 30 Unternehmen aus verschiedenen Gründen in den vergangenen 20 Jahren vom Markt gegangen sind. Rechnet man die Zahl der Mitarbeiter auf die Zahl der 153 Betriebe um, sind es heute im Schnitt 260 Mitarbeiter gegenüber 248 Mitarbeitern im Jahr 2000. Den Lackmustest gab es mit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008. Sie hat zwar für eine Reihe von Insolvenzen und Produktionsstillegungen gesorgt, die verbleibenden Unternehmen haben jedoch ihre Belegschaften im Schnitt gehalten.

Die soziale Verantwortung gegenüber langjährigen Mitarbeitern spielt dabei mindestens eine ebenso große Rolle wie die unternehmerische Notwendigkeit, schwer ersetzbare Fachkräfte zu halten und für die Papierindustrie zu gewinnen.

Unterstützung für Familien

Um auch in guten Zeiten Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden, gibt es in allen Unternehmen der Branche eine Vielzahl von Initiativen und Angeboten, die für eine Bindung sorgen. Beispiel Essity: Hier gehört dazu neben einem Kinderbetreuungszuschuss von 100 Euro pro betreutes Kind unter anderem ein Familienservice, der Hilfe bei Alltagskrisen bietet und ein zweiwöchiges Sommerferien-Programm für Mitarbeiterkinder.

Gesundheitsförderung

Andere Unternehmen – wie die WEPA – bieten eine umfassende betriebliche Gesundheitsförderung an. Bei UPM in Dörpen werden Mitarbeiter, die sich am Gesundheitspass beteiligen und entsprechende Aktivitäten in den Feldern medizinische Vorsorge, Soziales, Bewegung und Ernährung nachweisen, mit Benefits belohnt. Bei August Koehler betont man die generationenübergreifende Fürsorge vom Auszubildenden bis zu den ehemaligen Mitarbeitern.

Betriebliche Altersvorsorge

Generell wird der Zusammenhalt mit den früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern großgeschrieben. Das kann, wie zum Beispiel bei der Papierfabrik Palm, sogar bedeuten, dass die Senioren zu einem Besuch in ein neues Werk nach England eingeladen werden. Viele Unternehmen investieren auch mit Zuschüssen über die tariflich geregelte Papiertarifförderung hinaus in die betriebliche Altersvorsorge.

Sichere Arbeitsplätze für mehrere Generationen

Diese vielfältigen Bemühungen der Unternehmen um ihre Mitarbeiter zahlen sich – in Verbindung mit langfristig sicheren Arbeitsplätzen – aus. Ein Beleg dafür ist die Tatsache, dass gar nicht mal so selten ganze Familien auf ein Unternehmen der Papierindustrie als Arbeitgeber vertrauen.

Bei Mitsubishi HiTec Paper in Flensburg sind es zum Beispiel aktiv drei Mitglieder der Familie Wippich. Rajmund Wippich arbeitet als Schichtleiter Streichmaschinen, sein Sohn Pascal Wippich als Maschinenführer, Tochter Vanessa Wippich ist Reservemaschinenführerin. Und Großvater Hubert Wippich – heute im Ruhestand – war früher Zellstoffaufbereiter bei Mitsubishi.

Auch bei der LEIPA kennt man diese familiäre Verbindung zum Unternehmen: Bei der Familie Ament arbeiten mit dem Produktionsleiter der Kartonmaschine, einem Maschinenführer im Bereich FlexPack und einem Dualen Studenten der Fachrichtung Papiertechnik aktuell zwei Generationen am Standort Schrobenhausen. Schon der Vater beziehungsweise Großvater war für die LEIPA tätig.

Mit einer ähnlichen Familiengeschichte kann die Papier- und Kartonfabrik Varel (PKV) aufwarten. Randy Smith arbeitet hier als Kaschierer, er ist über seinen Schwiegervater ins Unternehmen gekommen, der Jahrzehnte bei der PKV war und zuletzt als Pulperführer in der Stoffaufbereitung gearbeitet hat. Auch Merlin, der Sohn von Randy Smith, also die dritte Generation, arbeitet heute bei der PKV in der Elektro-, Mess- und Regelungstechnik. In diesem Jahr beginnt seine Schwester Melina im selben Unternehmen eine Ausbildung zur Papiertechnologin.

Einen Generationenvertrag mit der Papierindustrie gibt es auch bei Metsä Tissue in Kreuzau. Hier arbeiten Sascha Segger und sein Bruder in der dritten Generation im Unternehmen – genau wie zuvor Vater und Großvater. Sascha Segger hatte 1996 seine Ausbildung als Papiermacher begonnen und ist seit seiner erfolgreichen Meisterausbildung Teamleiter in der Tissueproduktion.

Frauen machen Karriere

Spürbar sind in der früheren reinen Männerdomäne Papierindustrie auch die vielseitigen Anstrengungen in den Papierfabriken, Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeiter zu schaffen, um Beruf und Familienleben besser unter
einen Hut zu bringen. Dies erhöht insbesondere die Karrierechancen von Frauen. Ein Beispiel, wie es in manchen Unternehmen zu finden ist, ist der Werdegang von Tanja Weickenmeier-Jung. Sie kam als Werkstudentin zur Progroup und übernahm 2017, mit erst 30 Jahren, die Leitung des Papiervertriebs. Das Unternehmen hat ihr die Stelle auch nach einer Elternzeit freigehalten. Heute arbeitet sie mit 80 Prozent.