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Ein spannender Mix

Mechatroniker verfügen über Kenntnisse in Mechanik sowie Elektrik. Genau das gefällt Veit Rettig. Er arbeitet im vollautomatischen Lager des Mannheimer SCA-Werkes, wo er für Wartung, Instandhaltung und vor allem für Umbau und Erweiterung der Förderanlagen zuständig ist.

Den Mix aus Elektronischem und Mechanischem findet Veit Rettig immer wieder spannend an seinem Beruf. Der zwanzig Jahre alte Mechatroniker arbeitet im International Distribution Center (IDC), in dem die fertigen Produkte von SCA Mannheim gelagert und für den Weitertransport zum Kunden vorbereitet werden. Das Werk ist der größte europäische Produktionsstandort des Hygiene- und Forstprodukteunternehmens SCA. Mit fünf Papiermaschinen und 23 Verarbeitungslinien produziert es Taschen-, Haushalts und Papierhandtücher, Toilettenpapiere und Servietten der Marken Danke,
Tork und Zewa sowie Eigenmarken des Handels.

Prozessintegriert arbeiten

Im vollautomatischen Fertigwarenlager des IDC ist Platz für 28.000 Paletten. Zum Transport der Paletten dient Fördertechnik. Dazu gehören Kettenförderer, Rollenförderer, Eckumsetzer und Heber. Trolleys beziehungsweise Verfahrwagen befördern die Ware zum entsprechenden Kanal, in dem sie eingelagert und zum mit dem Kunden abgesprochenen Termin an die LKW-Laderampe gebracht wird. Z-Förderer können kleine Höhenunterschiede ausgleichen und Drehtische eine Palette bei Bedarf drehen.

Das Lager funktioniert zwar vollautomatisch, aber dennoch arbeiten hier Mechaniker und Elektriker, die Störungen beheben und die Anlage warten. Veit Rettig ist neben seinem Vorgesetzten der einzige Mechatroniker. Er erklärt: „Falls ein Förderer ausfällt, weil der Motor defekt ist oder Riemen oder Antriebskette gerissen sind, dann könnte ich den tauschen, das wäre der mechanische Teil meiner Arbeit. Und ich kann ihn anschließen, das wäre der elektrische Teil.“ Ein Mechaniker dürfte den Motor nur montieren und demontieren, aber nicht anschließen, dafür bräuchte man einen Elektriker. „Es gibt natürlich Fälle, bei denen man sich einen Mechaniker oder Elektriker holt, da sie doch über größeres Spezialwissen verfügen“, räumt Rettig ein. „Aber ein bisschen mehr als die Grundkenntnisse besitze ich auch“. In seiner Ausbildung zum Mechatroniker lernte er unter anderem mechanisch feilen, sägen, fräsen und drehen sowie bohren und außerdem schweißen. Auch Verdrahten, die typische Tätigkeit eines Elektrikers, beherrscht Veit Rettig. Ebenso wie verschiedene Schaltungsmethoden, etwa eine Wende-Schützschaltung im Schaltkasten zu installieren, damit ein Motor links- und rechtsherum drehen kann, ohne dass es einen Kurzschluss gibt.

Die Idee bei Einführung des Berufs Mechatroniker im Jahr 1995 war, dass diese prozessintegriert arbeiten können.

Die Aufgabe von Veit Rettig im SCA-Lager besteht neben Wartung und Instandhaltung hauptsächlich darin, die Anlage umzurüsten und zu erweitern, was meistens bedeutet, sie effizienter zu machen. So wurden zum Beispiel vor einiger Zeit die Anlagen auf wartungsfreie Ketten umgestellt, die zwar in der Anschaffung etwas teurer sind, aber dafür länger halten. „Ich arbeite viel mit meinem Vorgesetzten zusammen. Wir sehen ein Problem und überlegen, wie wir das ändern können. Wir planen gemeinsam grob, ich plane es im Detail, spreche es nochmal mit ihm ab, und dann geht’s ans Beschaffen der Teile, ans Umbauen“, sagt Veit Rettig.

„Schön, wenn man sieht, wie es funktioniert“

An größeren Projekten sind mehrere Kollegen beteiligt. Umso wichtiger sind dann Planung und Zeitmanagement. „Wir können ja nicht die Anlage abschalten und drei Wochen dran basteln“, meint Rettig. Die Produktion und Einlagerung läuft im Werk rund um die Uhr. Steht, etwa um Leitungen zu verlegen, ein Zeitfenster von ein paar Stunden zur Verfügung, an denen bestimmte LKW-Tore gesperrt sind, muss vorher alles so weit wie möglich vorbereitet sein. „Man muss immer darauf achten wirtschaftlich und zeitlich im Rahmen zu bleiben“, betont er. „Trotzdem muss man aber sorgfältig arbeiten können.“

Den typischen Tagesablauf gibt es nicht, aber „wenn man sieht, wie es funktioniert, das ist immer wieder schön“, so der junge Mechatroniker. Er hat erst vor rund vier Wochen seine Prüfung bestanden, war aber im letzten Jahr der dreieinhalbjährigen Ausbildung schon in seiner jetzigen Abteilung. Davor besuchte er abwechselnd die Berufsschule und die Ausbildungswerkstatt des SCA-Standorts Mannheim. Dort lernten er und seine Azubi-Kollegen zum Beispiel drehen und fräsen und an Übungsplatten elektrische und elektronische Anlagen auf- oder umzubauen. SCA bietet im Mannheimer Werk jedes Jahr 25 Ausbildungsplätze an, größtenteils im gewerblichen Bereich. Das Unternehmen mit insgesamt rund 3350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland hat Interesse daran, den eigenen Nachwuchs auszubilden. VM


Am Schaltschrank: Veit Rettig verdrahtet zum Beispiel Frequenzumrichter für Motoren.