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Ein kostbares Gut

Der Zugang zu sauberem Trinkwasser zählt zu den von den Vereinten Nationen festgelegten Nachhaltigkeitszielen. Auch in Deutschland muss mit der Ressource Wasser nachhaltig umgegangen werden. Das weiß auch die Papierindustrie.

Gregor Andreas GeigerVerband Deutscher Papierfabriken (VDP)

Über einer Milliarde Menschen steht kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Mehr als 2,6 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu grundlegenden sanitären Einrichtungen – das sind 40 Prozent der Weltbevölkerung. Und selbst da, wo das Abwasser gesammelt und aus der unmittelbaren Lebensumwelt der Menschen abgeleitet wird, ist nicht gewährleistet, dass es auch geklärt wird. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser zählt deshalb auch zu den Millenniumszielen der Vereinten Nationen.

Für Produktionsprozesse benötigt

Deutschland befindet sich diesbezüglich in einer sehr komfortablen Situation. Es gibt keinen Wassermangel und alle Bürger haben Zugriff auf sauberes Trinkwasser. Trotzdem ist Wasser eine Ressource, mit der sorgsam umgegangen werden muss.

Das weiß auch die Papierindustrie, die Wasser für eine ganze Reihe ihrer Prozesse benötigt. Wasser wird in der Papierherstellung zum Beispiel als Dispergier- und vor allem als Transportmittel für die eingesetzten Fasern verwendet. Wasser wird in der Papierproduktion auch für die Reinigung der Bespannung oder das Kühlen von Zylindern genutzt. Rund 250 Millionen Kubikmeter Frischwasser setzt die deutsche Papierindustrie im Jahr ein. 72 Prozent davon stammen aus Oberflächengewässern, 27 Prozent aus Brunnen oder Quellen. Lediglich ein Prozent wird der örtlichen Trinkwasserversorgung entnommen.

Wasserkreisläufe immer weiter geschlossen

Die Entnahme und Rückführung von Wasser unterliegen in Deutschland strengen Auflagen und sind mit hohen Kosten verbunden. Nicht nur, dass das Wasser selbst aufbereitet werden muss, die meisten Bundesländer erheben
zudem Entgelte für die Entnahme. Rechtsgrundlage ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die auch die Maßstäbe für die Abwasserbehandlung nach dem aktuellen Stand der Technik vorgibt. Der Einsatz von Wasser ist also für die Papierindustrie nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Frage. Entsprechend werden hier die Prozesse optimiert und die Wasserkreisläufe immer weiter geschlossen.

Die spezifische Abwassermenge pro
Kilogramm Papier, die gemeinhin als Messgröße für den Wasserverbrauch in der Papierindustrie genannt wird, lag noch in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei knapp 50 Litern. Heute liegt sie bei 8,6 Litern pro Kilogramm Papier. Der Verband Deutscher Papierfabriken erhebt diese Daten regelmäßig gemeinsam mit der Papiertechnischen Stiftung.

Abwässer: 70 Prozent in betriebseigenen Anlagen gereinigt

Rund 30 Prozent der Abwässer aus der Papierproduktion werden – nach einer Vorreinigung – an kommunale Kläranlagen abgegeben. Die restlichen 70 Prozent werden in modernen betriebseigenen Anlagen mechanisch und biologisch gereinigt.

Immerhin vier Prozent der Papierproduktion stammt aus Werken, die ihren Wasserkreislauf völlig geschlossen haben, was aber nur mit salz- und härtearmen Wasserqualitäten und für geeignete Anwendungen möglich ist.