Archiv Im Blickpunkt

    Ein Erfolgsmodell

Die verfassungsrechtlich geschützte Tarifautonomie in Deutschland ist Garant für sozialen Frieden und Wohlstand. Der Wille der Tarifpartner zu einvernehmlichen Lösungen hat maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg hierzulande beigetragen.

(Quelle: BDA)

Tarifautonomie bedeutet, dass Arbeitgeber oder Arbeitgeberverbände gemeinsam mit Gewerkschaften in Tarifverträgen die Arbeitsbedingungen für eine Vielzahl von Arbeitsverhältnissen regeln. Die Tarifpartner handeln die Tarifverträge dabei autonom aus – also ohne Einfluss des Staates. Als Teil der Koalitionsfreiheit ist die Tarifautonomie durch Art. 9 Abs. 3 des Grundgesetzes verfassungsrechtlich geschützt.

Die Tarifpartner gestalten die Mehrheit der Arbeitsbeziehungen. Sie allein haben für die Regelung der Arbeitsbedingungen die notwendige Sachkunde und Problemnähe. Insgesamt arbeiten circa 80 Prozent der Beschäftigten in Deutschland auf der Basis von Tarifverträgen. Ihre Bedeutung ist ungebrochen.

Über die klassischen Tarifmaterien wie zum Beispiel Entgelt und Arbeitszeit hinaus werden die Tarifpartner immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Dabei haben sie stets bewiesen, dass sie auf wichtige gesellschaftspolitische Veränderungen gemeinsame Antworten geben können, etwa indem sie Modelle zum Umgang mit dem
demografischen Wandel entwickelten oder Vereinbarungen zur Altersvorsorge trafen.

Fairer Interessenausgleich

Die Gestaltung von Arbeitsbedingungen durch die Tarifpartner sorgt für
einen fairen Interessenausgleich. Sie verhindert, dass Arbeitsplätze wegfallen, weil Betriebe bestimmte Arbeitsbedingungen nicht verkraften. Gleichzeitig ist die angemessene Beteiligung der Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Erfolg der Betriebe gewährleistet. Die Tarifpartnerschaft hat hierzulande zu einem hohen Maß an sozialem Frieden geführt. So fallen in Deutschland vergleichsweise wenige Arbeitsstunden durch Streiks aus. Gerade differenzierte, moderate Tarifabschlüsse haben in den vergangenen Jahren zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und zu einem Beschäftigungszuwachs beigetragen. Durch tarifvertragliche Vereinbarungen – etwa zu Arbeitszeitkonten oder Kurzarbeit – konnten zum Beispiel in den Krisenjahren nach 2008 Massenentlassungen verhindert werden. Als die weltweite Nachfrage Ende 2010 wieder anzog, hatten die deutschen Unternehmen die nötigen Kapazitäten und Beschäftigtenressourcen, um ihre Produktion sofort wieder hochzufahren.


Differenzierte, moderate Tarifabschlüsse haben die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verbessert. Foto: HaDeVau – Fotolia.com