Archiv Im Blickpunkt

Ein elementarer Baustein der Nachhaltigkeit

Ressourcenschonung ist ein wesentliches Element aller ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeitsprinzipien. Rohstoffe so lange wie möglich zu nutzen und im Kreislauf zu führen und dabei den Einsatz weiterer Ressourcen wie Wasser und Energie einzusparen – Papierrecycling ist genau das.

Gregor Andreas Geiger M.A.Verband Deutscher Papierfabriken e.V.

Mit einer Altpapiereinsatzquote von
78 Prozent – für eine Tonne Neupapier werden im Schnitt 780 Kilo Altpapier eingesetzt – steht Deutschland als viertgrößter Papierproduzent weltweit dabei auf einer Spitzenposition. „Wir können stolz auf das Erreichte sein, müssen aber weiter an der Schließung unserer Faserkreisläufe arbeiten und vor allem die hochwertige getrennte Altpapiererfassung sichern“, sagt dazu der Vorsitzende des Altpapierausschusses im Verband Deutscher Papierfabriken (VDP), Henri Vermeulen, Smurfit Kappa.

Altpapier wird in der Papierproduktion überall da eingesetzt, wo die erforderliche Produktqualität auch mit den preiswerteren Sekundärfasern erreicht werden kann. Manchmal – wie bei Zeitungsdruckpapier und Wellpappenrohpapieren – wird Papier ganz aus Altpapier hergestellt. Andere Sorten – wie etwa Magazindruckpapiere – enthalten nur einen begrenzten Anteil an Altpapierfasern, weil sonst zum Beispiel die erforderliche Reißfestigkeit im Rotationsdruck nicht zu gewährleisten ist. Pharmaverpackungen bestehen oft ganz aus Primärfasern. Bei Hygienepapieren halten sich Primär- und Sekundärfasern die Waage.

Spitzenplatz bei Altpapiereinsatz

Im Jahr 2019 hat die deutsche Papierindustrie 17,2 Millionen Tonnen Altpapier eingesetzt. Das kann sich im internationalen Vergleich sehen lassen.

Deutschland ist hinter China und den USA der mengenmäßig drittgrößte Altpapierverbraucher vor Japan auf Rang vier. In diesen vier Ländern wird mit
55 Prozent deutlich mehr als die Hälfte des weltweiten Altpapieraufkommens verbraucht. Auch beim Aufkommen, das heißt, bei der tatsächlich anfallenden Menge Altpapier, belegt Deutschland international mit über 15,2 Millionen Tonnen einen Spitzenplatz hinter China, USA und Japan.

Der große Erfolg des Altpapierrecyclings in Deutschland ist durch eine qualitativ hochwertige Getrennterfassung von Altpapier ermöglicht worden. Die Erfassung in den Kommunen beziehungsweise in den gewerblichen Anfallstellen, die Bereitstellung durch Kommunen oder Entsorgungswirtschaft und das Recycling in den Papierfabriken ist ein seit vielen Jahren erfolgreiches System.

40 Handelsklassen

Damit dieser Markt funktioniert, hat man sich innerhalb Europas auf rund 100 verschiedene Altpapiersorten geeinigt, so dass die Papierhersteller den Rohstoffeinsatz genau auf ihre Produktqualität abstellen können. Das reicht dann vom quasi unverbrauchten Druckereirandabschnitt bis zum unsortierten gemischten Altpapier mit vielen unterschiedlichen Qualitäten.

Ein besonderer Fall ist dabei die sogenannte Deinking-Ware. Darin enthalten sind Zeitungen und Zeitschriften, die in ganz speziellen Aufbereitungsverfahren von ihrer Druckfarbe befreit und deren Fasern zur Herstellung neuen Druckpapiers eingesetzt werden.

Mengenmäßig dominieren beim Einsatz die unteren Altpapierqualitäten. Sie machen 76 Prozent des eingesetzten Altpapiers aus, ein Fünftel davon stellt die Deinking-Ware.

Altpapier wird international als Rohstoff gehandelt und Deutschland ist dabei seit Jahren Nettoimporteur. Exportiert hat Deutschland im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Tonnen. Die Importe betrugen 4,9 Millionen Tonnen. Größte Lieferländer sind die Niederlande, Polen und Frankreich, größte Empfängerländer die Niederlande, Österreich und Frankreich. Der Altpapierexport nach China – früher einer der ganz großen Altpapiereinkäufer auf dem Weltmarkt – ist durch die drastischen Einfuhrbeschränkungen im vergangenen Jahr um fast 70 Prozent zurückgegangen. Die Chinesen importierten im Jahr 2019 gerade noch 33.000 Tonnen Altpapier aus Deutschland.

Ohne Frischfaser geht es nicht

Auch wenn heute Einsatzquoten erzielt werden, die früher nicht vorstellbar waren, nähert man sich den technischen Grenzen an. Und so bleibt auch das unendliche Recycling eine Utopie. Die Forscher der TU Darmstadt haben zwar nachgewiesen, dass eine Zellulosefaser unter Laborbedingungen im Prinzip
unbegrenzt wiederverwertet werden kann, in der Praxis hält man einen Wert von zwölf Mal für realistisch. Hintergrund sind die Faserverluste im Kreislauf.
Zum einen werden in Deutschland nur 78 Prozent des verbrauchten Papiers wieder als Altpapier erfasst, zum anderen gehen Fasern prozessbedingt in der Wiederaufarbeitung verloren. Diese Bilanz muss durch frische Fasern in Form von Zellstoff ausgeglichen werden. Das funktioniert im internationalen Maßstab nicht nur direkt durch Zellstoff, sondern auch dadurch, dass zum Beispiel Frischfaser-Druckpapiere aus Skandinavien in den deutschen Faserkreislauf eingebracht werden.

Unter dem Strich ist das Papierrecycling ein Paradebeispiel für Kreislaufwirtschaft, das mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz seinen Anfang nimmt und durch die sinnvolle Wiedernutzung eines vorhandenen Rohstoffs einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet.