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„Durchweg positive Erfahrungen“

Vor einem Jahr, Anfang 2017, wurde nach einer längeren Testphase für bestimmte von den Bundesländern festgelegte Routen die Nutzung von so genannten überlangen Lastwagen erlaubt. Papier + Technik fragte Michael Knobloch, Business Logistics Director Consumer Goods, Essity, was dies für das Unternehmen bedeutet.

Herr Knobloch, wie lang sind diese Lkws eigentlich?

Als Lang-Lkws werden Lkw-Zugkombinationen bezeichnet, die eine Gesamtlänge von maximal 25,25 Metern und im aktuell laufenden Testbetrieb ein
zulässiges Maximalgewicht von bis zu
44 Tonnen aufweisen. Dabei sind unterschiedliche Kombinationen aus Motorwagen, Anhängern und Aufliegern mit jeweils unterschiedlichen Längen möglich.

Gibt es für sie bestimmte Vorgaben, etwa Geschwindigkeitsbeschränkungen, Überholverbot oder die Ausstattung mit bestimmten Sicherheitssystemen?

Die Fahrzeuge müssen folgende Sicherheitsstandards erfüllen: automatisches Abstandsregelsystem, Spurhaltewarnsystem, Spurhalteleuchten beim Anhänger, Kamerasystem am Heck, elektronisch gesteuertes Bremssystem, Konturmarkierungen, automatische Achslastüberwachung und Differenzialsperre oder Antriebsschlupfregelung. Auch an die Fahrer werden erhöhte Anforderungen gestellt. Diese müssen mindestens fünf Jahre ununterbrochen im Besitz der Fahrerlaubnis CE sein und fünf Jahre Berufserfahrung im gewerblichen Straßengüter- oder Werkverkehr nachweisen. Sie erhalten zudem eine spezielle Einweisung in den Gebrauch der Lang-Lkws. Auf Autobahnen ist den Fahrern das Überholen von anderen Fahrzeugen untersagt. Auf anderen Straßen dürfen nur Fahrzeuge überholt werden, die langsamer als 25 km/h fahren können oder dürfen.

Auf welchen Strecken nutzt Essity in Deutschland, beziehungsweise die beauftragten Transportunternehmen, diese Lkws?

Essity nutzt derzeit Lang-Lkws für die Belieferung vom Werk Witzenhausen zu zwei Handelslagern nahe Hannover und Kassel. Die benötigten ein bis zwei Lang-Lkws werden von der Spedition BTK gestellt und betrieben.

Welche Einsparungen ergeben sich daraus?

Auf den beiden Strecken zu den Handelslagern können pro Jahr statt jeweils 140 normalen Lkws nun 89 Lang-Lkws den Transport übernehmen. Das bedeutet eine Reduzierung um etwa 50 Lkw-Fahrten jährlich pro Strecke.

Im Vorfeld waren die Lang-Lkws ein vieldiskutiertes Thema. Wie sind die Erfahrungen von Essity: Gab es irgendwelche Probleme, etwa Beeinträchtigungen im Straßenverkehr?

Wir haben sowohl im Testbetrieb als auch im nachfolgenden Regelbetrieb durchweg positive Erfahrungen gemacht. Die bereits erwähnte Reduzierung um etwa 50 Lkw-Fahrten jährlich pro Strecke bringt nicht nur deutliche Erleichterungen für die Anwohner, das höhere Ladevolumen pro Transport schlägt sich auch in einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes nieder.

Also positive Auswirkungen für die Umwelt?

Die Entscheidung für die Nutzung von Lang-Lkws hatte hauptsächliche ökologische Gründe. Eine Studie der TU Dresden prognostiziert Einsparungen von circa 15 bis 30 Prozent bei Dieselverbrauch und CO2-Emissionen. Grund für diese Einsparungen ist das höhere Ladevolumen: Mit zwei Lang-Lkws kann das Palettenvolumen von drei Standard-Lkws transportiert werden. Die Anzahl der Fahrten verringert sich etwa um ein Drittel. Nach der Testphase von 2016 bis 2017 und dem nachfolgenden Regelbetrieb können wir sagen, dass der Lang-Lkw auch ökonomisch attraktiv ist.

Sehen Sie noch Bedarf für weitere genehmigte Routen?

Großvolumige Hygienepapiere mit geringem Gesamtgewicht sind eine ideale Fracht für Lang-Lkws. Allerdings ist bisher noch nicht das gesamte Straßennetz freigegeben. Wir sehen großes Potenzial für das gesamte Unternehmen und möchten Lang-Lkws langfristig auf vielen Routen einsetzen. Wir haben daher bereits weitere Strecken geprüft und zur Freigabe angemeldet.

Welche Wünsche haben Sie allgemein an die Verkehrspolitik?

Wir würden uns wünschen, dass neu angemeldete Strecken zügig geprüft und freigegeben werden. Wir möchten weiter in den Lang-Lkw-Betrieb investieren. Dafür benötigen wir Planungssicherheit: Es muss sichergestellt werden, dass eine unbegrenzte Nutzung möglich ist. Davon profitiert auch der Wirtschaftsstandort Deutschland. Das ökonomische und ökologische Potenzial von Lang-Lkws kann noch weiter erhöht werden, wenn beispielsweise grenzüberschreitende Verkehre innerhalb der EU möglich würden.


Essity nutzt derzeit Lang-Lkws für die Belieferung vom Werk Witzenhausen zu zwei Handelslagern. Die Spedition BTK stellt und betreibt die dafür benötigten ein bis zwei Lang-Lkws.