Archiv Im Blickpunkt

„Die Ausbildung hat mich motiviert“

Dr. Jörg Padberg begann seine Laufbahn in der Papierindustrie mit einer dualen Ausbildung und dem Besuch des Berufskollegs Papiertechnik. Vor kurzem hat er seine Promotion abgelegt. Im Gespräch mit Papier + Technik berichtet er von seinen Erfahrungen.

Herr Dr. Padberg, Sie sind als Management Trainee seit 2017 bei der Koehler Paper Group in Oberkirch. Kürzlich haben Sie erfolgreich Ihre Promotion abgeschlossen. Was war das Thema Ihrer Doktorarbeit?

In meiner Arbeit habe ich mich mit der Erforschung von papierbasierten Alternativen zu flexiblen Kunststoffverpackungen beschäftigt. Vor allem solche Verpackungen, die eine Barriere gegenüber verschiedenen Substanzen wie zum Beispiel Sauerstoff oder Öl und Fett bieten. Dabei habe ich mich hauptsächlich auf mikrofibrillierte Cellulose konzentriert. Das ist im Wesentlichen sehr fein gemahlener Zellstoff, der aufgrund einer Partikelgröße im Mikrometerbereich und darunter besondere
Eigenschaften besitzt.

Welche Forschungen haben Sie dazu durchgeführt?

Wir haben erst einmal untersucht, wie fein das Material eigentlich sein muss, um relevante Barriereeigenschaften zu erreichen. Um das Material auch großtechnisch sinnvoll herstellen zu können, kann man zum Beispiel mineralische Füllstoffe hinzufügen, weshalb wir zusätzlich den Effekt dieser Füllstoffe auf die Barrierewirkung untersucht haben. Eine wichtige Frage in der Praxis ist, wie man das Material schließlich auf Papier aufbringen kann, um Synergieeffekte zu nutzen. Hier haben wir verschiedene Ansätze ausprobiert und sind schließlich bis in den Pilotmaßstab gekommen, der als Zwischenstufe zwischen Labor und Industriemaßstab zu verstehen ist.

Sie haben an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München das Masterstudium Papiertechnik abgeschlossen. Können Sie etwas zu Ihrem Studium sagen?

Gut gefallen hat mir an meinem Studium, dass es viel Praxisbezug gab. Das war damals für mich auch das Hauptargument, an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften zu studieren. Abschließend betrachtet denke ich, dass mich mein Studium gut vorbereitet hat auf eine Welt, in der das gesammelte Wissen von Tag zu Tag schneller wächst.

Ein Blick zurück: Sie kommen aus der Praxis, haben mit einer Ausbildung am Berufskolleg Papiertechnik am Schulzentrum Gernsbach begonnen. Hätten Sie damals schon gedacht, dass Sie einmal promovieren werden?

Nein. Das hätte ich mir damals nicht vorstellen können. Das war einfach noch zu weit weg. Zu der Zeit hatte ich vor, gleich nach dem Studium wieder in der Industrie zu arbeiten.

Warum hatten Sie sich für die Ausbildung am Berufskolleg entschieden?

Die Alternative wäre für mich gewesen, weiter zur Schule zu gehen und meine Hochschulzugangsberechtigung auf dem klassischen Weg zu erwerben. Durch die Kombination einer Ausbildung mit dem Berufskolleg in Gernsbach konnte ich meine Hochschulzugangsberechtigung erwerben und gleichzeitig praktische Erfahrung sammeln. Nebenbei habe ich auch noch Geld verdient, das ich für mein Studium zurücklegen konnte. Die Frage war für mich also nicht, ob Berufskolleg oder klassische Ausbildung zum Papiertechnologen, sondern, ob Praxiserfahrung vor dem Studium oder nicht.

Wie weit unterschieden sich die Unterrichtsinhalte von denen der Ausbildung zum Papiertechnologen?

Hier kann ich nur spekulieren, weil mir ja der direkte Vergleich fehlt. Wir hatten allerdings 20 statt 16 Wochen Schule im Jahr und zusätzlich noch Englisch sowie Oberstufen-Mathematik. In den berufsbezogenen Fächern sind wir fachlich meines Wissens nach auch etwas tiefer eingestiegen. Hiervon habe ich in der Firma, aber auch in meiner Studienzeit oft profitiert.

Was würden Sie im Nachhinein über die Ausbildung sagen?

Die Ausbildungszeit war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, die mich bis heute geprägt hat. Ich kann jedem, der ein Studium anstrebt, eigentlich nur empfehlen, vorher eine Ausbildung zu machen. Gerade im internationalen Vergleich ist unser duales Ausbildungssystem mit der engen Verbindung
von Betrieb und Schule sehr hoch angesehen.

Wann war Ihnen klar, dass Sie studieren wollen?

Ich hatte diesen Plan schon vergleichsweise früh gefasst. Das hängt ja auch immer vom individuellen Umfeld ab. Richtig motiviert hat mich jedoch die Ausbildung, weil ich in dieser Zeit eine bessere Vorstellung gewonnen habe, was ich da eigentlich studieren wollte und wie eine Tätigkeit nach dem Studium aussehen kann. In meinem Ausbildungsbetrieb gab es ja entsprechende Vorbilder.

Wie verlief der Übergang zum Studium? Gab es Unterschiede zu Mit-Studenten, die direkt von der Schule kamen? Oder war die vorherige Ausbildung vielleicht sogar ein Vorteil?

Wir hatten in unserem Studiengang sehr viele, die vorher eine Berufsausbildung durchlaufen haben. Das ist vielleicht eine Eigenheit von Fachhochschulen und besonders von dem Studiengang, den ich belegt habe. Ich persönlich habe bei Kommilitonen, die vorher eine Ausbildung durchlaufen haben, eine ganz andere Motivation beobachtet. Wir hatten eben bisher nicht nur eine Schule von innen gesehen und wussten einfach, wofür wir das alles lernen.

Was ist für Sie das Interessante an einer Tätigkeit in der Papierindustrie?

Ich finde es immer wieder spannend, wie komplex die industrielle Fertigung eines eigentlich simplen Produktes wie Papier im Detail doch ist. Außerdem stehen wir gesellschaftlich gerade an einer Schwelle, an der wir über die exzessive Verwendung von Kunststoff und die dadurch bedingten Umweltauswirkungen nachdenken. Das kann eine Chance für Papier sein, das ja aus einem nachwachsenden Rohstoff hergestellt wird, der in großen Mengen verfügbar ist und gleichzeitig nicht in Konflikt mit der Nahrungsmittelproduktion steht. Bei Koehler arbeiten wir zum Beispiel bereits daran, Papier mit verschiedenen funktionellen Oberflächen auszustatten. Damit können wir papierbasierte Verpackungen auch für Anwendungen einsetzen, die bisher den Kunststoffen vorbehalten waren. Es gibt ja beispielsweise Packgut, das durch eine Barriere geschützt werden muss, die Papier in seiner ursprünglichen Form nicht bietet. ■


Berufskolleg Papiertechnik

Im dreijährigen dualen Berufskolleg Papiertechnik haben Auszubildende die Möglichkeit, neben der Abschlussprüfung als Papiertechnologe/in nach Besuch eines freiwilligen Zusatzunterrichts in Mathematik und Englisch auch die bundesweit gültige Fachhochschulreife zu erwerben. Zugang zu dieser Ausbildung ist der mittlere Bildungsweg. Der Unterricht am Schulzentrum Papiertechnik in Gernsbach verläuft in Blockform und umfasst 20 Wochen im Jahr.