Archiv Im Blickpunkt

Blick ins Archiv

Seit dem Jahr 1951 informiert die deutsche Papierindustrie ihre Mitarbeiter in einem Fachmagazin, früher „Der Papiermacher“, dann „Papiermacher-Magazin“, heute „Papier + Technik“. Ein Blick in ältere Ausgaben zeigt, was die Branche früher bewegte.

Fünfziger Jahre: 134,7 Pfennig brutto in der Stunde

Nicht mit heute zu vergleichen: Im Jahr 1954 sind die „Effektivverdienste in unserer Industrie“ aufgeführt. Demnach liegt der Brutto-Wochenverdienst in der Deutschen Papierindustrie im Dezember 1950 bei 69,83 D-Mark und steigt bis August 1953 auf 82,74 D-Mark. Der Brutto-Stundenverdienst liegt im Dezember 1950 bei 134,7 Deutsche Pfennig, also rund 1,35 D-Mark. Zu Weihnachtsfesten treffen sich die Mitarbeiter im Papier- oder Kartonsaal. Unter den geehrten Jubilaren sind Zellstoffverlader, Zellstoffsortierer, Maschinisten, Kiesofenheizer, Holzputzer, Kistenmacher, Destillierer und Wächter. Aber natürlich auch Maschinen- oder Werkführer. Für uns heute ungewöhnlich: Ein „Fräulein L.“ Abteilungsleiterin der Lohnabteilung, konnte 40-jähriges Dienstjubiläum feiern. Eine Reportage mit dem Titel „Zwischen Küchenherd und Sortiertisch“ wirft einen Blick auf den Alltag einer Mitarbeiterin im Jahr 1956. Sie beginnt wie folgt:„Ich bin 49 Jahre alt, alleinstehend, und habe für zwei Kinder, Töchter im Alter von 16 und 9 Jahren, zu sorgen“. Die jüngste Tochter muss mittags alleine zuhause essen, was die Mutter am Abend zuvor vorbereitet hat, um 16 Uhr holt sie sie am Werkstor ab. Ein Werksarzt schreibt im Jahr 1956 zum Thema „Urlaub unentbehrlich!“: „Die moderne Arbeitsmedizin hat klar bewiesen, daß zum Begriff der Arbeit untrennbar Pausen und Urlaube gehören. Kein Muskel kann ununterbrochen arbeiten…“. Über Urlaubsansprüche ist im gleichen Heft zu lesen: „Der Mindesturlaub, festgehalten im Manteltarifvertrag der Papierindustrie, liegt bei 12 – 15 Werktagen, je nach Lebensalter steigt er auf 18 Werktage.“ Ein Jahr später wird berichtet: „Die Arbeitszeit wird ab dem 1. Mai 1957 für Tagschichter von 48 auf dann 45 Stunden verkürzt.“ Das Titelthema in Heft 2/1956 lautet: „Die Kohle steht immer noch unter den Energieträgern unserer Wirtschaft an der Spitze“. Im Jahr 1955 befasst sich ein Artikel mit der „Suche nach neuen Rohstoffquellen“. 1959 berichtet „Der Papiermacher“ von einem „Voll-Nylon-Papier“. Dort heißt es „Die mit solchem Papier erreichten Vorteile – hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber chemischen Angriffen, hohe Porosität und verbesserte Zug- und Einreißfestigkeit sowie gutes Falzvermögen – haben die Techniker nicht ruhen lassen, ein wirklich betriebsfähiges Verfahren zu seiner Herausarbeitung ausfindig zu machen“.

Seit den fünfziger Jahren gibt es übrigens die Beilage „Verhütet Unfälle“ der Berufsgenossenschaft, die wie heute „BGRCI Kompakt“, über Arbeitsschutz informiert.

Sechziger Jahre: Fortschreitende Automation

Ein Titel im Jahr 1961 fragt: „Ist die Papiersortierung von Hand heute noch tragbar?“. Im Jahr 1962 stellt das Magazin die (damals) schnellste Zeitungsdruck-Papiermaschine der Welt vor, gebaut in Kaipola/Finnland. Die Arbeitsgeschwindigkeit beträgt 455 bis 915 m/min, die Siebbreite 7,16 m und die beschnittene Papierbahn ist 6,73 Meter breit.

Im gleichen Jahr heißt es im Artikel „Ausländer in unseren Fabriken“: „Die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt zwang auch unsere Industrie, in verstärktem Maße ausländische Arbeitskräfte, vor allem Italiener, heranzuziehen“. Und weiter „Da es von vornherein feststand, daß es sich im allgemeinen nicht um eine vorübergehende Aushilfsbeschäftigung handelte, …, kamen Notunterkünfte nicht in Betracht.“ Im Jahr 1965 behandelt eine Serie die fortschreitende Automation. Titel „Symbol der Hoffnung, nicht der Furcht“. In einem Artikel über die „Grundlagen des elektronischen Rechnens geht es um Bits, Elektronen, Magnetkern-Speicher, Großrechenanlagen. Im Jahr 1967 wird die „Papierherstellung mit Automaten“ vorgestellt: „Die Bauart des Papierherstellungs-Automaten gestattet eine vollkommen geschlossene Fahrweise, wie dies bei der Selbstabnahme- und Yankee-Maschine der Fall ist.“

Siebziger Jahre: Energiekrise

Im Jahr 1971 berichtet der Papiermacher: „Durch das Gesetz über die Fortzahlung des Arbeitsentgelts im Krankheitsfalle haben die gewerblichen Arbeitnehmer seit 1. Januar 1970 einen direkten Anspruch auf Lohnfortzahlung gegenüber ihrem Arbeitgeber bis zur Dauer von sechs Wochen“. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt seit dem 1.1.1970 vierzig Stunden. Im Jahr 1974 ist aktuelles Thema „Was bedeutet die Energiekrise für die Zellstoff- und Papierindustrie?“ Da heißt es: „Bei schwerem Heizöl hatte sich Mitte Dezember 1973, vor allem im Raume Nordrhein-Westfalen, vorübergehend eine bedrohliche Verknappung entwickelt. Rasche Selbsthilfemaßnahmen der Mineralölindustrie verhinderten jedoch, daß Betriebe stillgelegt werden mußten …“. Im Jahr 1975 leidet auch die Papierindustrie unter der Konjunkturschwäche. „Kurzarbeit allenthalben“ wird gemeldet. Und im Jahr 1978 behandeln Fachartikel u. a. die Themen „Klima und Papier“ und „Rohstoff Altpapier“.

Achtziger Jahre: Altpapier-Recycling ist Thema

„Neue Medien, eine Gefahr für das Papier?“ fragt „Der Papiermacher“ im Jahr 1981 und antwortet: Das Papier wird „auf lange Zeit zumindest in der gleichen Menge benötigt werden wie heute, doch wird es in Bezug auf die Papiersorten Verschiebungen geben.“ Im Jahr 1983 lautet ein Fachartikel „Deinking, ein zeitgemäßer Weg zur qualifizierten Wiederverwendung von Altpapier“ und im Jahr 1984 meldet das Magazin „Internationales Interesse an deutschem Altpapier-Recycling“. Im gleichen Jahr gibt es „enorme Kostensteigerungen, vor allem beim Altpapier, wo die zu bezahlenden Preise teilweise geradezu explodiert sind“. Im Jahr 1985 berichten Teilnehmer einer Reise nach Rot-China: „Es gibt in China circa 1600 Fabriken mit rund 4000 Papiermaschinen, meist sehr schmalen Rundsiebmaschinen, mit einer durchschnittlichen Tagesleistung von 10 t. Die größte Maschine macht 200 t/Tag und hat eine Arbeitsbreite von ca. 4 m.“

Neunziger Jahre: Die neuen Bundesländer

In einem Artikel über Ostdeutschland heißt es Anfang der neunziger Jahre: „Diejenigen, die das Glück hatten, 40 Jahre vom Sozialismus verschont zu bleiben…sollten jetzt die Bürger in den neuen Bundesländern nach Kräften nicht bloß mit Budgetmitteln, sondern vor allem mit Fachkenntnis, mit Verständnis und Toleranz unterstützen.“ Im Jahr 1994 beleuchtet ein Artikel „Umweltrecht und Umweltpolitik“. Eine Feststellung darin:„…Hinzu kommen vermehrt Entwürfe zu neuen Richtlinien und Verordnungen aus Brüssel, die entweder auf eine Harmonisierung des EG-Rechts abzielen oder auch grundsätzlich neue Regelungen darstellen.“ Im gleichen Jahr lautet eine Meldung: „Privatisierung der ostdeutschen Papierindustrie fast abgeschlossen. 1997 schreibt das „Papiermacher-Magazin“: „Während in Deutschland und in Europa die Wirtschaft nach der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit nur mühsam wieder Tritt faßt, boomen die Länder in der asiatisch-pazifischen Region unaufhörlich.“

Im neuen Jahrtausend: Internationalisierung

„Ein Prozess der Internationalisierung der Märkte und eine Zunahme internationaler Kooperations- und Kapitalbeziehungen kennzeichnen derzeit die Situation der deutschen Papierindustrie“, berichtet das Magazin im Jahr 2001. Und: „Ein Tarifvertrag über Altersvorsorge wurde rechtzeitig zum In-Kraft-Treten der so genannten ‚Riesterrente‘ abgeschlossen“. Weitere Meldungen: „Der Euro ist da!“ und im Jahr 2005 behandelt ein Artikel die: „EU-Osterweiterung, die größte Erweiterung in der Geschichte der Europäischen Union.“ Im gleichen Jahr erscheint der Bericht: „Ausbildungsberuf Papiertechnologe löst den bisherigen Papiermacher ab…“ Mit der geänderten Berufsbezeichnung bekam auch das Mitarbeitermagazin einen neuen Namen: „Papier + Technik“ VM