Archiv Im Blickpunkt

Bewährung in der Krise

In vielen Betrieben konnte die gelebte Solidargemeinschaft von Mitarbeitern und Unternehmensleitung Arbeitsplätze erhalten.

Die Wirtschaftskrise hat auch die Papierindustrie im Jahr 2009 vor große Probleme gestellt. Durch gemeinsame Anstrengung von Mitarbeitern, Betriebsräten und Geschäftsführungen der Mitgliedsunternehmen konnten zum Glück die Arbeitsplätze weitgehend erhalten bleiben.

Michael Hottmann Vorsitzender des Verbandes Norddeutscher Papierfabriken e.V.

Der Umsatzeinbruch in 2009 hat bei der deutschen Papierindustrie deutliche Spuren hinterlassen. Ertragseinbrüche durch Produktionseinschränkungen machten den Unternehmen mächtig zu schaffen. Trotz einiger Stilllegungen und einer Reihe von Restrukturierungsmaßnahmen hielt sich jedoch der Beschäftigtenrückgang einigermaßen in Grenzen. Zusätzlich zum Erhalt der Arbeitsplätze für die Mitarbeiter wurde so der Qualifikationsstand in den Produktionsstätten gehalten.

Erreicht wurde dies nicht zuletzt durch eine in vielen Betrieben gelebte Solidargemeinschaft von Geschäftsführungen und Mitarbeitern, unterstützt durch die Sozialpartner, welche die flexiblen Instrumente der Tarifverträge nach den Erfordernissen des Einzelfalles häufig angewendet haben. Die Anpassung an die schlechte Auftragslage erfolgte unter möglichster Vermeidung von Kündigungen, übrigens auch durch gelegentliche Inanspruchnahme der Altersteilzeit und durch flexible Nutzung von tariflichen und betrieblichen Zeitkontenguthaben mit entsprechendem Abbau. Schließlich wurde in vielen Fällen das Instrument der Kurzarbeit genutzt; zeitweise waren etwa zwei Drittel der Betriebe in Kurzarbeit. Kurzarbeit bringt Mitarbeitern und Unternehmen große finanzielle Belastungen und kann deshalb keine Lösung auf Dauer sein. Bei wirtschaftlich schwieriger Situation und/oder starker Wettbewerbsbeeinträchtigung wurden auch übertarifliche Zulagen abgebaut sowie in Einzelfällen vorübergehend Kürzungen des Weihnachts- und Urlaubsgeldes vorgenommen.

Zum Glück hat seit den letzten Monaten des Jahres 2009 eine deutliche Verringerung der Kurzarbeit eingesetzt. Bei weiterer Erholung im Jahr 2010 könnte sogar eine gewisse Stabilisierung der Beschäftigung eintreten. Doch wohin die Reise letztlich geht, kann niemand vorhersagen, zumal die Papierindustrie derzeit auch wieder steigende Rohstoffpreise zu verkraften hat. Dies belastet die Kostensituation der einzelnen Betriebe erneut. Vorhersagen lässt sich nur, dass es auch in 2010 weiterer gemeinsamer Anstrengung von Mitarbeitern, Betriebsräten und Geschäftsführungen in den Mitgliedsunternehmen bedarf, um die Krise endgültig zu meistern. Sollten im Laufe des Jahres 2010 wieder Auftragsrückgänge in stärkerem Umfang auftreten, würde insbesondere das Instrument der Kurzarbeit vorrangig angewendet werden müssen. Besonders gefährdet sind hier einige Unternehmen im graphischen Bereich.