Archiv Im Blickpunkt

Besonderer Schauplatz

Im Jahr 1987 schenkten Familie und Firma Zanders die Papiermühle Alte Dombach an den Landschaftsverband Rheinland (LVR). Er richtete dort im Jahr 1999 ein Museum ein. Es ist ein Ausflugsziel für die ganze Familie, in dem sowohl technik- als auch kulturhistorisch Interessierte auf ihre Kosten kommen.

VM

Fachwerkhäuser in einer grünen Tallandschaft, Bachläufe und ein klapperndes Mühlrad – so empfängt die ehemalige Papiermühle „Alte Dombach“ in Bergisch-Gladbach Besucherinnen und Besucher. Gegründet wurde sie um das Jahr 1620 und im Jahr 1900 stillgelegt. Heute ist sie einer von insgesamt sechs Schauplätzen des LVR-Industriemuseums. Es erzählt in zum Teil denkmalgeschützten Fabriken an authentischen Orten die Geschichte der Industrie im Rheinland und der dort beschäftigten Menschen.

Direkt am Eingang zum Museum ist dessen größtes und wichtigstes Exponat zu sehen, eine 40 Meter lange und fünf Meter hohe Papiermaschine aus dem Jahr 1889. Bis 1991 produzierte die PM4 im Werk Gohrsmühle der Zanders Feinpapiere AG täglich bis zu elf Tonnen Papier. Untergebracht ist sie in einer großen früher zu einer weiteren ehemaligen Papierfabrik, der Neuen Dombach, gehörenden Halle. Weiter sind hier zu sehen eine Rundsiebmaschine aus dem Jahr 1930, auf der man Handpappen herstellte, die zu Hart- und Faserpappen weiterverarbeitet wurden sowie eine Bürstenstreichmaschine aus dem Jahr 1910.

Das Museum setzt auf interaktive und anschauliche Vermittlung: Die Besucherinnen und Besucher können selbst ein Blatt Papier aus der Bütte schöpfen und anhand einer Laborpapiermaschine die Entstehung einer Papierbahn verfolgen. Historisches Filmmaterial aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt wie Schöpfer, Gautscher und Leger Hand in Hand arbeiteten. Ein Stockwerk darüber besteigen die Besucher den großen Trockenboden. Ein zugiger Arbeitsplatz, auf dem früher hauptsächlich Frauen zehn Stunden am Tag mehrere Tausend pro Tag geschöpfte Papierbögen aufhängten. Bis sie trockneten dauerte es, je nach Wetterlage, zwei Tage bis zwei Wochen. Beim Thema Leimen, Streichen und Glätten kann man mit Feder und Tinte auf bestrichenem und ungestrichenem Papier schreiben und den Unterschied feststellen. Detailgetreue Modelle einer Papiermühle und einer Papierfabrik führen den gewaltigen Sprung von der handwerklichen zur industriellen Fertigung eindrucksvoll vor Augen.

Nicht nur die Herstellung, sondern auch die Bedeutung und Nutzung des Mediums Papier ist Thema in der Alten Dombach. Ein Blick in einen Supermarkt mit Kartonverpackungen und Werbetafeln, ein Briefkasten mit Prospekten oder die unterschiedlichsten Spezialpapiere zeigen die Anwendungen für Papier. Seien es Fässer aus Papier, Isolierpapier, Korrosionsschutzpapier, Ölfilter, Isolierungen für Telefonkabel oder Press- und Gussformen für die Metallbearbeitung. Hygienepapier ist Thema eines kurzen Films. Historische Räuber- und Liebesromane, ein Papiertheater oder historische Verpackungen erzählen vom Papiergebrauch in früheren Zeiten.

Auf dem Außengelände des Museums mit dem rekonstruierten Mühlgraben stehen weitere historische Maschinen. In einem Schaugarten wachsen viele Pflanzenarten, aus denen sich Papier herstellen lässt. Besichtigen kann man auch zwei Häuser, in denen mehrere Papiermacherfamilien lebten.

LVR-Industriemuseum. Alte Dombach, 51465 Bergisch Gladbach, www.industriemuseum.lvr.de

Interaktive und anschauliche Vermittlung