Archiv Im Blickpunkt

Anspruchsvolles Programm

Kartonmaschinen gehören zu den größten Industrieanlagen mit bis zu mehreren hundert Regelkreisen. Für ihre Steuerung sind Elektroniker für Automatisierungstechnik zuständig. Tobias Pestel von Smurfit Kappa Baden Board hat seit einem dreiviertel Jahr ausgelernt, aber noch längst keine Routine.

VM

Wenn er durch die Regale eines Supermarkts geht, stellt Tobias Pestel fest: „Das ist ein Produkt von uns, das auch und das auch …“, zum Beispiel Pizzakartons oder die Verpackung von Eiscreme. Schließlich erlebt er jeden Tag die Herstellung dieser Kartons mit. Und im Gegensatz zu anderen Konsumenten weiß er, wieviel dahinter steckt, bis Papier oder Karton entsteht. Der Elektroniker für Automatisierungstechnik hat bei Smurfit Kappa Baden Board in Gernsbach-Obertsrot die Ausbildung abgeschlossen und ist dort jetzt angestellt. Das zum irischen Smurfit Kappa-Konzern gehörende Unternehmen produziert Kartons für die Lebensmittelindustrie.

Tobias Pestel interessiert sich für Technik und ist „mit dem Computer aufgewachsen“, außerdem wollte er nicht nur im Büro arbeiten. Nach einem Praktikum im Bereich Elektronik wusste er, welcher Berufsweg für ihn der Richtige ist. Während seiner Ausbildung hat er schon bald mitgearbeitet, ist auch gefordert worden und hat dabei viel gelernt, wie er betont. Zusammen mit seinem Ausbilder betreute er das Leitsystem der Papiermaschine, hat neue Anlagen integriert, die Steuerung dafür programmiert sowie das System am PC visualisiert.

Im Einzelnen bedeutet das, Messeinrichtungen oder Ventile an der Papiermaschine, am Querschneider oder der Verpackungslinie zu installieren und diese mit der Steuerung in den Schalträumen zu verdrahten. Mit einem speziellen Programm kann der Elektroniker dann am Rechner die an den Maschinen gewonnenen Daten einlesen und auswerten und die elektronische Steuerung, etwa von Motoren oder Ventilen, programmieren.

Bevor Tobias Pestel in die Praxis einstieg, erhielt er umfassende theoretische Kenntnisse. Zusätzlich zur Berufsschule hatte er im ersten Lehrjahr die Elektrogrundausbildung im Ausbildungszentrum Mittelbaden (AZB) absolviert. Den speziellen Blockunterricht für Elektroniker-Azubis verschiedener Papierfabriken fand er „sehr hilfreich“. In 900 Stunden lernen die Teilnehmer hier die Grundlagen der Elektrotechnik, gehen aber auch schon in die Tiefe, wenn sie etwa Aufbau und Wirkungsweise einer speicherprogrammierbaren Steuerung durchnehmen. Hier habe er viel über Automatisierung gelernt und bereits kleine Modelle programmiert, sagt Tobias Pestel.

Oft auch an den Maschinen

Ungefähr die Hälfte seiner Arbeitszeit sei er „draußen“ an den Maschinen sowie den dazugehörigen Schalträumen. Die andere Hälfte programmiert er an den Rechnern in einem Raum direkt neben der Leitwarte der Papiermaschine. Zu Tobias Pestels Aufgaben gehört es ebenso Fehler zu beheben wie auch bestehende Anlagen umzubauen.

Möglichst viele Daten einlesen

Das ist notwendig, denn „je mehr Daten man einliest, desto besser kann man die Maschine optimieren“, erklärt er. Noch kennt er nicht alle Maschinen im Werk ganz genau. Er kann sich aber jederzeit bei Kollegen Rat holen. Der Austausch, mit älteren Kollegen und auch mit den Papiertechnologen, ist für ihn sehr wichtig. Sicher ist er sich: „Routine kehrt sobald nicht ein“. Sehr befriedigend findet er an seiner Arbeit, dass „man sieht, was man gemacht hat“. Sein Fazit: Er kann sich vorstellen, sein Leben lang in seinem Beruf zu arbeiten.


Tobias Pestel programmierte während der Elektro-Grundausbildung schon kleine Modelle.