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Ambitionierte Konzepte

Die Initiative Lean and Green von GS1 Germany hat sich der nachhaltigen Logistik verschrieben. Mit einem Lean and Green Award hat sie unter anderem zwei Hygienepapierhersteller für ihre Maßnahmenkataloge zur CO2-Reduzierung ausgezeichnet.

VM

In diesem Frühjahr erhielt, neben einem Logistiker und einem Handelsunternehmen, die WEPA Gruppe den Lean and Green Award. Dafür hatte sie einen vom TÜV Nord auf seine Realisierbarkeit überprüften Aktionsplan eingereicht, mit dem sie in fünf Jahren ihren CO2-Ausstoß um 20 Prozent verringern will.

„Eine sportliche Geschichte“, wie Wolfgang Köster, Supply Chain Manager der WEPA Gruppe, sagt. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wir es schaffen“. WEPA ist gerade in der Umsetzungsphase und wird Anfang 2017 die Zielerreichung durch den TÜV Nord überprüfen lassen. Die Unternehmensgruppe ist ein inhabergeführter Hygienepapierhersteller mit circa 3000 Mitarbeitern und 19 Papiermaschinen sowie mehr als 80 Verarbeitungsmaschinen an elf Standorten in Europa. Sie beliefert große Handelsunternehmen mit Eigenmarken.

Das größte CO2-Einsparpotential sieht das Unternehmen darin, die Produkte nahe an den Kundenlagern produzieren zu lassen. Da sich die Kundenportfolios von Jahr zu Jahr ändern, besteht hier eine ständige Optimierungsaufgabe – der sich WEPA schon länger stellt. So ging der „Palettenkilometer“, also der gefahrene Kilometer pro Palette, in den vergangenen Jahren beständig zurück.

Ständige Optimierungsaufgabe in der Supply Chain
Als weitere Maßnahmen sieht WEPA eine Palettenoptimierung vor, um das Volumen eines Lkw besser auszunutzen. Erreicht werden kann sie etwa durch die Erhöhung der Ladenverkaufseinheiten auf einer Palette, was eventuell andere Verpackungstypen oder andere Falz- und Kartonformate erfordert. „Dafür müssen wir intensiv mit unseren Kunden diskutieren“, betont Dr. Wolfram Hauff, in der WEPA Geschäftsleitung verantwortlich für den Bereich Vertrieb, Marketing und Supply Chain. Aber schließlich profitiere auch der Handel von einer optimierten Palettenbelegung, auch in den Läden müssten dann weniger Wege zurückgelegt werden. Das ganze Programm lebe von der Zusammenarbeit über die Prozesskette, angefangen bei den Spediteuren bis zu den Händlern. Auch Lang-Lkw mit ihrem größeren Volumen könnten Entlastung bringen. „Dass sie noch nicht in allen Bundesländern eingesetzt werden können, tut uns weh“, bemerkt der Logistik-Manager. Um Logistikkonzepte umsetzen zu können, brauche man bundesweite Standards.

Die WEPA Gruppe, Beiratsmitglied der Non-Profit-Organisation Lean and Green, hat Informationen aus deren Wissenspool auch an ihre Speditionen weitergegeben. Bei ihnen spricht sie Themen an wie Leerfahrten-Vermeidung, Reifendruckkontrolle und ein Fahrertraining, das immerhin drei bis fünf Prozent CO2-Einsparung bewirken kann. „Es sind viele kleine Dinge, die sich auszahlen“, erklärt Wolfgang Köster. Sie hätten sich durch Umdenken der Mitarbeiter, Kommunikation mit Speditionen und Kunden ergeben. Die Investitionen, immerhin koordiniert die Projekte ein Mitarbeiter, werden sich auch wirtschaftlich rechnen, ist man sich bei WEPA sicher. Sind die CO2-Ziele in fünf Jahren erreicht, wird die WEPA Gruppe für den Lean and Green Star nominiert. Ein Vor-Ort-Audit durch einen externen Prüfer soll die Zielerreichung dann mit messbaren Ergebnissen belegen. Ist dies erfolgreich, wird WEPA mit dem Lean and Green Star zertifiziert.

Effiziente Produktions- und Distributionsstruktur
Auch die SCA Tochter SCA Hygiene Products Vertriebs GmbH gehört zu den Lean and Green Mitgliedern. Sie hat im Jahr 2014 für ihren Maßnahmenkatalog zur CO2-Reduzierung den Lean and Green Award erhalten. Allein im Werk Mannheim, der größten der vier deutschen SCA-Produktionsstätten, werden pro Stunde 1000 Paletten auf den Weg gebracht, was 250 bis 300 LKW-Ladungen am Tag ausmacht. SCA setzt eine Software ein, mit deren Hilfe die Produktions- und Distributionsstruktur möglichst effizient gestaltet wird. Im zentral gelegenen Werk Mannheim wurden vor kurzem zwei neue Verarbeitungslinien in Betrieb genommen. Damit kann nun noch näher am Kunden produziert werden und Transportentfernungen werden weiter reduziert. SCA ist bestrebt, ihre Kunden in die CO2-Reduzierung einzugliedern. So konnte der Hygienepapierproduzent bereits die meisten großen Handelsunternehmen auf Zentrallagerbelieferung umstellen. Schwieriger ist das Thema Palettenhöhe, wie Michael Knobloch, Regional Director Business Logistics, erklärt. Denn die Infrastruktur des Handels ist noch auf die 1,95 Meter hohen Euro-Paletten ausgerichtet, die allerdings im LKW-Laderaum noch ungenutzten Raum in der Höhe freilassen. Paletten nach Standard EUL2 mit 2,40 Meter Höhe würden dagegen den LKW-Laderaum vollständig ausfüllen. Im Sinne einer effizienten und klimaschonenden Logistik wäre es deshalb sinnvoller, auf diese Paletten umzustellen. Wo dies möglich und sinnvoll ist, setzt SCA außerdem Bahnbelieferung ein oder kombiniert Bahn und LKW, wenn das Kundenlager nicht über einen Gleisanschluss verfügt. Und zurzeit läuft ein Pilotprojekt mit Lang-LKW in Hessen, das das dortige Landesverkehrsamt genehmigt hat.