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Allen eine Chance geben

Das Projekt Joblinge ermöglicht arbeitslosen Jugendlichen den Einstieg ins Berufsleben. Die Smurfit Kappa Werke Zwiesel und Plattling unterstützen es mit Spenden und Praktikumsplätzen – und haben damit bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

VM

Richard Ellerbeck hatte schon eine Ausbildung abgebrochen. Und sich danach nicht mehr viel zugetraut. Bis er zum Projekt Joblinge kam. Nach einer sechsmonatigen Trainingsphase vermittelte es ihn zu Smurfit Kappa Zwiesel, wo er ein Praktikum machte und dann mit einem befristeten Vertrag arbeitete. Als der ablief, bot ihm der bayrische Verpackungshersteller eine auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik an. Diesmal schaffte Richard Ellerbeck es: Er schloss die Ausbildung mit der Note zwei und einer drei in Englisch ab und hat jetzt sogar die Mittlere Reife. „Durch die Joblinge-Initiative und durch die Unterstützung von Smurfit Kappa habe ich erst gemerkt, dass etwas in mir steckt und dass ich gut lernen kann. Die haben mir mehr zugetraut als ich mir selbst“, sagt er. Für Martin Scheinert, Generalmanager des Smurfit Kappa Werkes Zwiesel und „Chef“ von Richard Ellerbeck ist es wichtig, Menschen eine Chance zu geben. Und so war er dabei als im Jahr 2008 die Unternehmensberatung Boston Consulting Group und die Eberhard von Kuehnheim Stiftung der BMW AG in Zwiesel mit der Agentur für Arbeit und einigen engagierten Unternehmen zusammen die „Joblinge gAG“ ins Leben riefen.

Begleitung durch ehrenamtliche Mentoren
Die Initiative sieht ihre Aufgabe darin, Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen dauerhaft ins Berufsleben einzugliedern. Denn jeder zweite Hauptschulabgänger in Deutschland hat auch ein Jahr nach Schulende noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Oft sind es Jugendliche ohne Unterstützung in ihrem näheren Umfeld. Ihnen fehlen Vorbilder und Menschen, die sich um sie kümmern. Beim Joblinge-Projekt lernen sie in einer sechsmonatigen Orientierung ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten kennen, bauen soziale Kompetenzen aus, und zwar sowohl in praxisnahen Gruppenprojekten und in mehreren Betriebspraktika. Sie sollen Verständnis entwickeln für die Arbeitswelt und ihre Ansprüche. Im idealen Fall münden diese Praktika in einem Arbeitsverhältnis oder einem Ausbildungsplatz. Jedem Jugendlichen steht, auch noch während der Ausbildung, ein Mentor zur Seite, ein geschulter ehrenamtlicher Helfer mit Lebens- und Berufserfahrung.

Eine Ausbildung angeboten

Seit Bestehen der Initiative bietet Smurfit Kappa Zwiesel regelmäßig Praktikumsplätze für „Joblinge“ an. So kam auch Jenny Eglseder ins Werk. Früher einmal wollte sie Verkäuferin werden. Nach dem Praktikum bei Smurfit Kappa erkannte sie, dass ihr die Arbeit in der Industrie Spaß macht. Jetzt freut sie sich, dass sie in Zwiesel einen Ausbildungsplatz zur Fachkraft für Lagerlogistik bekommen hat. Sechs Joblingen hat das Werk bis jetzt einen Praktikumsplatz geboten. Vier wurden in die Ausbildung übernommen. Zwei haben sie schon abgeschlossen, zwei weitere sind gerade in der Ausbildung. „Aufgrund der schulischen Noten wären sie wohl gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden“, schätzt Martin Scheinert. „Wir werden diese jungen Leute aber brauchen“, urteilt er, „denn es ist jetzt schon nicht leicht, Auszubildende zu bekommen“. Die ehemaligen Joblinge seien sehr loyale und motivierte Mitarbeiter. Mehr Betreuung während der Ausbildung brauchten sie nicht und die Mitarbeiter im Werk seien sowieso gute Team-Player. Ihre Unterstützung beim Finden der persönlichen Fähigkeiten motiviert die jungen Menschen sehr. Neben dem Angebot von Praktikumsplätzen fördert das Werk die Initiative auch mit Spenden. Für den Manager ist dies gut investiertes Geld. Schließlich koste die Personalrekrutierung ja auch. Im Smurfit-Kappa-Konzern, zu dessen Leitsätzen „soziales Engagement vor Ort“ gehört, hat das Projekt Beachtung gefunden. Es wurde für den europäischen Nachhaltigkeitspreis 2011 nominiert.

Mittlerweile hat sich auch das Schwesterwerk in Plattling dem Projekt angeschlossen, unterstützt es mit Spenden und bietet regelmäßig Praktikumsplätze an. Alle Praktikanten wurden in eine Ausbildung zum Packmitteltechnologen übernommen. „Wir sind sehr zufrieden mit ihren Leistungen“, sagt Wigbert Weißenstein, Generalmanager von Smurfit Kappa Plattling. „Sie haben gute Chancen, von uns nach der Ausbildung in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden“.