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2009 wird schwieriges Jahr

„Die Branche stemmt sich gegen die Krise“. Mit dieser Kernaussage ging der Präsident des Verbandes Deutscher Papierfabriken, Dr. Wolfgang Palm, am 18. Februar in die Jahrespressekonferenz des VDP im Düsseldorfer Industrieclub.

Die gegenwärtigen Zahlen seien zwar krisenbedingt dramatisch. Für einen zukünftigen Wiederaufschwung seien die Unternehmen jedoch gut gerüstet. Viele von ihnen hätten bereits erhebliche Restrukturierungen und Anpassungen vorgenommen und seien in hohem Maße wettbewerbsfähig, sagte Palm, der sich zusammen mit den VDP-Vizepräsidenten Moritz J. Weig und Dr. Christopher Grünewald, VDP-Pastpräsident Bernd Rettig und VDP-Haupgeschäftsführer Klaus Windhagen den Fragen der Presse stellte. 2009, war sich der VDP-Präsident sicher, wird für die Branche ein schwieriges Jahr. Zwar werde es bedingt durch die Finanz- und Wirtschaftskrise weitere Verbrauchsrückgänge in den Absatzmärkten geben. Dramatische Absatzeinbrüche seien aber nicht zu erwarten.

2008 verlief für die Branche laut Analyse des VDP unbefriedigend. Die im Jahresverlauf 2008 erneut stark gestiegenen Kosten konnten wegen weltweiter Überkapazitäten bei Massenpapieren nicht über die Verkaufspreise weitergegeben werden. Die Ertragslage der Branche blieb somit absolut unzureichend. Dieser Trend konnte trotz krisenbedingter Entlastungen bei den Rohstoffkosten – zum Beispiel für Altpapier – zum Jahresende 2008 nicht gestoppt werden.

Erstmals seit langem ging die Produktion wieder zurück. Die Jahresproduktion an Papier, Karton und Pappe sank 2008 um zwei Prozent auf 22,8 Millionen Tonnen und lag damit wieder auf dem Niveau des Jahres 2006. VDP-Präsident Palm verwies jedoch darauf, dass die Produktion von 2001 bis 2007 jährlich durchschnittlich um 4,5 Prozent gestiegen sei, die Papierindustrie langfristig gesehen also eine Wachstumsbranche sei.

Vor allem der Auslandsabsatz gab im Jahr 2008 nach. Mit einem Minus von 1,8 Prozent fiel er stärker als die Inlandsnachfrage mit minus 0,5 Prozent. Der Produktionsrückgang trifft dabei alle großen Sortenbereiche. Lediglich die Hygienepapiere verzeichnen als konsumnahe Produkte erneut ein deutliches Wachstum.

Erneut wurde im vergangenen Jahr die Rolle des Papiers als Konjunkturindikator deutlich, der eng mit fast allen Wirtschaftsbereichen verflochten ist. So ist für den Produktionsrückgang der grafischen Papiere um 2,1 Prozent vor allem das rückläufige Anzeigenaufkommen bei den Zeitschriftentiteln verantwortlich. Diese mussten Umfang und Auflagenhöhe zurückfahren. Bei den Verpackungspapieren – minus 2,3 Prozent – macht sich vor allem die rückläufige Industrieproduktion bemerkbar. Während die deutschen Endverbraucher sich im täglichen Konsum bislang wenig von der Finanz- und Wirtschaftskrise beeindrucken ließen, musste die deutsche Industrie ihre Produktion runterfahren. Kurzarbeit, zum Beispiel in der Automobilindustrie, und entsprechend weniger verpackte Zubehör- und Ersatzteile sind die Folge. Die Spezialpapiere, die sich aus sehr verschiedenen Produkten zusammensetzen, verloren 6,6 Prozent an Menge.

Sorgen bereiten der Branche die noch ungeklärten Fragen des europäischen Emissionshandels. So herrscht immer noch Unklarheit darüber, ob die Papierindustrie wegen Abwanderungsgefährdung ihre Emissionszertifikate auf Basis von Benchmarks kostenlos erhalten wird. Dies will die EU-Kommission erst Mitte 2010 entscheiden. Die Papierindustrie ist jedoch zuversichtlich, die sogenannten „carbon leakage“-Kriterien zu erfüllen. Sie werde sich weiter zusammen mit den anderen energieintensiven Branchen dafür einsetzen, dass der Emissionshandel nicht zu einem Verlust an Arbeitsplätzen führt. Auch erwartet die Branche ein klares Signal für Kompensationen für die exorbitant gestiegenen Stromkosten.

VDP-Vorstandsmitglied Dr. Christopher Grünewald verwies darauf, dass die Unternehmen nicht von den jüngsten Preissenkungen bei Gas und Strom profitierten. Die meisten Unternehmen müssten sich über längerfristige Verträge absichern, die dies nicht abbildeten. Profiteure seien derzeit die Energieversorger, die Brennstoffe günstiger einkaufen könnten.

Thema der Jahrespressekonferenz war auch die Situation am Altpapiermarkt. Hier machten die VDP-Vertreter deutlich, dass die in letzter Zeit starken Preisrückgänge nicht den Vorrang der stofflichen vor der thermischen Verwertung von Altpapier in Frage stellen dürften. Altpapier gehöre nicht in die Öfen der Energieerzeuger, erklärte VDP-Hauptgeschäftsführer Klaus Windhagen. Die immer ehrgeizigeren Energiepläne von Bundesregierung und EU-Kommission hätten ein Wettrennen um Energie aus Biomasse und Ersatzbrennstoffen ausgelöst. Der Holzmarkt sei bereits erheblich tangiert. Das gleiche könnte bei wachsendem Marktdruck auch beim Altpapier geschehen. Die Verbrennung von Altpapier sei jedoch wirtschaftlich und ökologisch die schlechtere Alternative. Gregor Andreas Geiger