Archiv Gastkommentar

Rohstoffe – Knackpunkt für die Branche

Hans-Henning Junk Geschäftsführer Köhler Pappen Vorsitzender Ausschuss Altpapier des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP) Helmut Payer Head of Region Germany/Netherlands FS-Karton Vorsitzender Ausschuss Forst und Holz des VDP

Die Rohstofffrage wird für die Papierindustrie immer mehr zur Belastungsprobe. Nicht nur steigende Preise, sondern auch zunehmende Einschränkungen bei der Verfügbarkeit machen der Branche das Leben schwer.

Beim Altpapier, dessen Preise im 1. Halbjahr 2011 auf ein Allzeithoch gestiegen sind, ist Deutschland mittlerweile zum Nettoimporteur geworden und konkurriert auf den Weltmärkten um den begehrten Sekundärrohstoff. Gleichzeitig kommen bislang als unumstößlich geltende Säulen der deutschen Kreislaufwirtschaft ins Wanken. Die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes setzt hinter die bislang festgeschriebene Verwertungshierarchie mit eindeutigem Vorrang des Recyclings vor der thermischen Verwertung ein Fragezeichen. Gleichzeitig wird den Kommunen bei der Sammlung verwertbarer Haushaltsabfälle – und damit auch Papier – eindeutig Vorrang vor der Entsorgungswirtschaft zugebilligt. Damit liegt ein erheblicher Teil des Altpapiers in den Händen derjenigen, die es auch als Brennstoff in ihren Biomasse-Kraftwerken verfeuern können.

Beim Holz wird die drohende Versorgungslücke immer deutlicher sichtbar. Vor allem die Energiepläne der Europäischen Union, die bis 2020 in Europa 20 Prozent der Primärenergie aus Biomasse – sprich vorrangig Holz – erzeugen lassen will, werden zu einem nicht lösbaren Nutzungswettbewerb zwischen Holz- und Papierindustrie einerseits und den Energieerzeugern andererseits führen. Die in Studien erwartete Lücke von 240 Mio. m³ Holz erscheint immer realer. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass mit dem Argument des Naturschutzes immer mehr Holz aus der Nutzung genommen werden soll und damit das erfolgreiche Modell der multifunktionalen Forstwirtschaft in Frage gestellt wird.

Bemerkenswert ist auch die Entwicklung jener Rohstoffe, denen man auf Grund ihrer geringeren Menge zunächst eher weniger Beachtung schenkt. Das als Weißmacher eingesetzte Titandioxid hat seinen Preis innerhalb des letzten Jahres vervielfacht. Rohstoffe werden zur Überlebensfrage.