Archiv Gastkommentar

Erfolgreiches Modell

Wolfgang Pfarl Präsident von Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie

Nur wenigen ist bekannt, dass das seit 1957 bestehende Modell der österreichischen Sozialpartnerschaft, welches die Zusammenarbeit der Interessenvertreter der Arbeitnehmer, Arbeitgeber sowie der Landwirtschaft bezeichnet, nicht auf gesetzlichen Grundlagen, sondern lediglich auf einem Ministerratsbeschluss der seinerzeitigen Bundesregierung beruht. Nichtsdestotrotz hat die Sozialpartnerschaft als Teil der Realverfassung unserem Land in den letzten 50 Jahren zweifellos große Vorteile verschafft. Jenseits aller ideologischen Grenzen und Rollen war es das Verständnis für die Probleme der jeweils anderen Seite und die Bereitschaft zu vernünftigen Kompromissen, die dieses Modell so erfolgreich machte. Dieser Blick über den Tellerrand der eigenen Interessen ist heute mehr denn je gefordert. Die österreichische Sozialpartnerschaft hat seit ihrem Bestehen Höhen und Tiefen durchgemacht und steht angesichts der globalisierten, weltweit vernetzten Wirtschaft und der damit verbundenen strukturellen Veränderungen vor großen Herausforderungen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien hier etwa die Flexibilisierung der Arbeitszeit, Erleichterungen für Betriebe in wirtschaftlichen Schwierigkeiten oder Maßnahmen gegen den Facharbeitermangel genannt. Aber auch bei den für die Zukunft der europäischen Papierindustrie so brennenden Anliegen wie Klimaschutz, erneuerbare Energien oder Rohstoffversorgung benötigen wir zur Stärkung unserer Durchsetzungskraft die sozialpartnerschaftliche Unterstützung auf nationaler wie internationaler Ebene. In diesem Sinne ist der im Rahmen der CEPI, des Dachverbands der europäischen Papierindustrie in Brüssel, geplante soziale Dialog mit der Gewerkschaft EMCEF, die unter anderem auch die Interessen der Arbeitnehmer der Papierindustrie auf EU-Ebene vertritt, sehr zu begrüßen.