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Was die Meister können müssen

Thomas Müller

Die neuen Regelungen zum anerkannten Abschluss „Geprüfter Industriemeister Fachrichtung Papiererzeugung“ sehen unter Beibehaltung der bewährten hohen technologischen Qualifikation einen großen Anteil an sozialen Kompetenzen auf dem Gebiet der Organisation und der Führung vor.

Die Prüfung zum Industriemeister Fachrichtung Papiererzeugung umfasst, wie bei allen anderen Industriemeistern auch, berufs- und arbeitspädagogische Qualifikationen (AEVO), fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen sowie handlungsspezifische Qualifikationen.

Die Basisqualifikationen

Sie werden in fünf Einzelprüfungen in folgenden Bereichen geprüft:„Rechtsbewusstes Handeln“, „Betriebswirtschaftliches Handeln“, „Anwenden von Methoden der Information, Kommunikation und Planung“, „Zusammenarbeit im Betrieb“ sowie „Berücksichtigen naturwissenschaftlicher und technischer Gesetzmäßigkeiten“.

Die „Handlungsspezifischen Qualifikationen“

In diesem Prüfungsteil spiegeln sich die besonderen Anforderungen einer Branche an ihre Führungskräfte wider. Für die Papierindustrie wurden die Bereiche „Papiertechnologie“, „Führung und Organisation“ sowie Spezialisierungsgebiete festgelegt. Die Bereiche „Papiertechnologie“ und „Führung und Organisation“ wurden erstmalig in Form von je einer schriftlichen Situationsaufgabe abgeprüft. Basis ist dabei die Beschreibung einer realen Papierfabrik mit einer bestimmten Anlagenkonfiguration, Sortenstruktur sowie betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen. Dazu werden dem Prüfling entsprechende Fragen gestellt. Im Rahmen der Situationsaufgabe „Papiertechnologie“ wird zu zwei Dritteln das papierspezifische Wissen und zu einem Drittel Führung und Organisationskompetenz abgefragt. In der Situationsaufgabe „Führung und Organisation“ ist das Verhältnis umgekehrt. Dabei wird dem Umstand Rechnung getragen, dass im Betrieb jede Aufgabenstellung immer verschiedene Faktoren beinhaltet wie zum Beispiel technische, organisatorische, betriebswirtschaftliche und personelle Komponenten.

Die Situationsaufgaben müssen jeweils in dreieinhalb Stunden erledigt werden. Intensiv darauf vorbereitet wurden die künftigen Meister im Rahmen des Unterrichts an der Schule durch kleinere Projekte und die Bearbeitung von Beispielaufgaben.

Die Projektarbeit

Die eigenständige Organisation und Durchführung von Projekten wird seit einigen Jahren ein immer wichtiger werdender Kompetenzbestandteil des Industriemeisters Papiererzeugung. Aus diesem Grund wurde die Bearbeitung eines Projektes in die Prüfungsordnung mit aufgenommen. Der Prüfling musste im Rahmen seines Spezialisierungsgebietes zeigen, dass er eine umfangreiche Aufgabenstellung bewältigen, sowie die Ergebnisse dokumentieren und präsentieren kann. Zur Lösung der komplexen Aufgabe und zur Erstellung der Unterlagen standen den Prüfungsteilnehmern 90 Kalendertage zur Verfügung, damit sie auch die Chance hatten, diese Projekte in ihrer betrieblichen Praxis zu lösen. Als Themen der Prüfung 2007 wurden beispielsweise eingereicht:

– Umbau einer Altpapieraufbereitungsanlage

– Erweiterung der Haubenzuluft und -abluftkanäle

– Reduktion der Stillstandszeiten

– Reklamationsanalyse und Ursachenforschung

– Optimierung der Feuchte- und Flächenprofilregelung

Durch diesen Prüfungsbestandteil wurde die Ausbildung zum Industriemeister noch praxis- und betriebsnäher. Darüber hinaus wurde der Nutzen für den Betrieb gesteigert.

Mit der neuen Prüfungsordnung zum Industriemeister Papiererzeugung werden die künftigen Führungskräfte spürbar besser auf die veränderten Anforderungen in den Betrieben vorbereitet. Diese neue Prüfungsordnung gilt natürlich auch für den Meisterkurs in Teilzeit, der im Januar 2007 erstmalig gestartet ist. In seinem Rahmen hat der Teilnehmer die Möglichkeit über einen Zeitraum von zwei Jahren den Meisterbrief im Papierzentrum zu erwerben. Der nächste Kurs beginnt am 15.10.2007.

Darüber hinaus ist es mit dem Erwerb des Meisterbriefs, allerdings nur für die Besten, möglich an einer Universität in Baden-Württemberg oder etwa der Berufsakademie Fachrichtung Papiertechnik in Karlsruhe ein Studium zu beginnen.