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Viel Lob für aktives Netzwerk

Kontakte zu Berufskollegen knüpfen und das fachliche Wissen auf dem neuesten Stand halten. Dies hatten die Gründer der Vereinigung Gernsbacher Papiermacher vor 50 Jahren zum Ziel. Über 700 Meister setzen die Idee bis heute erfolgreich fort.

Verena Manek

Als sich im Jahr 1959 die 28 Absolventen des Papiermacher-Meisterkurses zusammenschlossen, um auch in Zukunft in Kontakt zu bleiben und sich weiterzubilden, ahnten sie wohl noch nicht, was aus ihrem kleinen Kreis einmal werden würde. Heute, fünfzig Jahre später, hat die Vereinigung Gernsbacher Papiermacher e.V. (VGP) über 700 Mitglieder. Sie treffen sich regelmäßig einmal im Jahr zu einer Fachtagung in Gernsbach, auf der sie während vieler Vorträge zu papiertechnischen Themen das neueste technische Know-how aus der Branche erfahren. Den fachlichen Horizont erweitern außerdem Exkursionen sowie Studienfahrten mit Werksführungen der unterschiedlichsten Produktionsstätten.

„50 Jahre kontinuierliche Weiterbildung, Informationsaustausch und die Pflege von Freundschaften“, so fasste der 1. Vorsitzende Martin Serr beim Festakt in der Gernsbacher Stadthalle das halbe Jahrhundert Vereinsgeschichte zusammen. Eine Reihe von Ehrengästen zeigte die Bedeutung dieses Jubiläums: Unter ihnen der Ehrenvorsitzende Dieter Pollnick und Erwin Kathriner, Präsident der im Jahr 1987 gegründeten Sektion Schweiz, der circa hundert Gernsbacher Meister als aktive Mitglieder angehören, außerdem Dieter Knittel, Bürgermeister der Stadt Gernsbach. Neben vielen anerkennenden Worten über den großen Nutzen dieser „Weiterbildungsinstitution“ nannten die Gastredner interessante Fakten und Trends. So erwähnte Jürgen Gerstner, Schulleiter der Papiermacherschule – Schulzentrum Papiertechnik, dass 2138 Teilnehmer, darunter sieben Frauen, in den letzten 50 Jahren einen Gernsbacher Meisterkurs absolviert haben. Sie kamen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und der Türkei, aber einige auch aus Indien, Ägypten, sogar Burma, insgesamt waren 26 Nationen vertreten. Die Gernsbacher Meister – die Meisterqualifikation gibt es ja nur im deutschsprachigen Raum – erfüllten Aufgaben, die in anderen Ländern ein Ingenieur erledige, so der Schulleiter. Leider erführen sie international nicht die gebührende Anerkennung. Die Bildungspolitiker seien gefragt, den Abschluss des Meisters dem des Bachelors gleichzusetzen. Stephan Meißner, Hauptgeschäftsführer des Papierzentrums, hob hervor, das Berufsbild habe sich mit der Zeit zwar stark verändert, geblieben sei aber die „kleine Papierfamilie, in der jeder jeden kennt“. Es sei gut, dass die VGP dies pflege. Auch in Zukunft bestehe ein vermehrter Bedarf an Meistern, mit immer mehr unternehmerischem Denken. „Sie helfen uns, dies zu fördern, und wir werden Sie begleiten“, versicherte Meißner der VGP.

Frank Opletal von Voith Paper sieht eine positive Zukunft für die europäische, speziell die deutsche Papierindustrie. Mit ihren relativ jungen Maschinen und gutem Wissen werde sie sich auf dem Markt behaupten, so seine Einschätzung. Bei einem weltweiten Pro-Kopf-Verbrauch von durchschnittlich 58 kg Papier im Jahr gebe es in den so genannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) ein starkes Wachstumspotenzial. Besonders Russland sei als relativ naher Markt interessant. Zwar würden graphische Papiere verstärkt durch elektronisches Papier ersetzt, aber Online-Einkauf führe zu wachsendem Bedarf an Verpackungspapier, das aufgrund seiner Umweltfreundlichkeit anderen Verpackungsmaterialien vorgezogen werde.

Dank an Ehrenamtliche und Sponsoren
Martin Serr dankte nicht nur den engagierten, ehrenamtlichen Mitarbeitern der VGP, sondern auch den vielen Sponsoren. Ohne ihre Unterstützung könnte die Vereinigung Gernsbacher Papiermacher ihr anspruchsvolles Angebot, bei einem Mitgliedsbeitrag von nur 25 Euro im Jahr, nicht aufrecht erhalten. Auf dem Programm standen in diesem Jahr an zwei Tagen sechs Vorträge. Die Themen reichten von verschiedenen Konzepten für die Trockenpartie, über innovative Trockensiebe bis zu spezieller Wickeltechnik für spezielle Papiere.

Auch das Feiern kam für die angereisten Papiermachermeister und ihre Frauen nicht zu kurz. Auf einem bunten Abend mit Tanz, Tombola und Buffet konnten sie wie jedes Jahr wieder die teils langjährigen Kontakte pflegen.

Viele Informationen über die VGP, die Programme der Tagungen, Anmeldeformulare und Beitrittserklärungen zum Download gibt es auch im Internet unter:

www.gernsbacher-meister.de