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Sechs Wochen in Dundee

„Viel gelernt und viel gesehen.“ Das haben zwei Auszubildende von UPM Nordland Papier, die sechs Wochen lang in der schottischen Stadt Dundee arbeiteten. Der Aufenthalt brachte ihnen neben besseren Englischkenntnissen auch eine größere Selbstständigkeit.

VM

„Obwohl die Schotten einen ziemlichen Akzent haben“, erzählt Volker Scheffler, „konnten wir uns schon nach einer Woche ganz gut mit den Arbeitskollegen verständigen.“ „Es waren super Leute, wir haben auch mal abends etwas zusammen unternommen“, so der damalige Azubi für Automatisierungsstechnik, der Anfang dieses Jahres die Gesellenprüfung abgelegt hat.

Vom 22. April 2010 absolvierten er und Daniel Kruse, der Elektroniker für Betriebstechnik lernte, im Rahmen ihrer Ausbildung ein sechswöchiges Auslandspraktikum bei einer Großformat-Druckerei namens Tayprint in der schottischen Stadt Dundee. Dort arbeiteten die deutschen Azubis, damals 18 und 19 Jahre alt und beide aus Papenburg, erst eine Woche in der Produktion, dann halfen sie bereits den Gesellen in der Elektroabteilung. Sie wechselten Sensoren und Ventile, setzten pneumatische Druckregler instand und warteten Maschinen. „Die sechs Wochen vergingen wie im Flug“, so Volker Scheffler.

Möglich war der Auslands-Aufenthalt durch eine Kooperation von UPM Nordland Papier mit der IHK Osnabrück-Emsland. Über das Mobilitätsprojekt der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben, Standort Osnabrück, konnten kurzfristig zwei Stipendien aus dem EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci vergeben werden. Sie deckten einen Großteil der entstehenden Kosten, und die Auszubildenden erhielten einen Zuschuss von 1400,- Euro. UPM Nordland Papiers Ausbildungsleiter Werner Kremer hatte von dem Projekt erfahren und es dann den Azubis vorgestellt. „Sprachkompetenz ist wichtig in einem Konzern wie unserem“, ist er überzeugt. Alle Auszubildenden hatten die Möglichkeit, erwähnt er, aber sowohl Schule als auch Betrieb und IHK mussten zustimmen.

Vor Ort hat sich dann die IHK beziehungsweise eine Praktikumsvermittlung um Unterkunft und Arbeitsstelle gekümmert. Volker Scheffler und Daniel Kruse wohnten in einem Zweibettzimmer im Hotel. Zwar wurde die Kleidung gewaschen, aber versorgen mussten sie sich selbst, eine Küche im Hotel konnten sie benutzen.

Selbstständig zeigten sich die beiden Auszubildenden schon bei der Hinreise. Aufgrund von Vulkan-Ausbruch und Asche-Wolke war zu der Zeit der Flugverkehr eingestellt. Also organisierten sie ihre Anreise auf dem Landweg selbst. Sie fuhren mit einer Mitfahrgelegenheit von Köln aus über die Niederlande, Belgien, per Fähre über den Ärmelkanal und weiter nach London. Dann ging es mit dem Bus nochmal rund zwölf Stunden quer durch England nach Schottland. „Ein Erlebnis“, wie Volker Scheffler zu der 26-stündigen Fahrt meint. „Anstrengend, aber auf die Art haben wir wirklich viel vom Land gesehen.“

In Dundee empfing sie ein Betreuer, der ihnen auch den Weg zur Arbeit zeigte, und sich einmal in der Woche mit ihnen traf. Falls es Probleme gab, war er ihr Ansprechpartner, am Wochenende machte er Ausflüge mit ihnen. So haben die beiden nicht nur viel gelernt, sondern auch viel gesehen.

Dundee ist mit 175 000 Einwohnern die viertgrößte Stadt in Schottland. Sie liegt an der Mündung des Flusses Tay. Ein Wochenende verbrachten die UPM-Azubis in Edinburgh, einen Tag besichtigten sie die Eliteuniversität St. Andrews. Im Stadion von Dundee sahen sie sich ein Spiel von Dundee United gegen den mehrmaligen schottischen Fußballmeister Celtic Glasgow an.

Schulstoff verpassten sie nicht in der Zeit. Volker konnte über das Internet von Schottland aus lernen, Daniel bekam per E-Mail Infos von seinen Mitschülern. Für Ausbildungsleiter Werner Kremer schrieben die beiden einmal in der Woche einen Bericht über ihren Aufenthalt – auf Englisch. Immer noch haben sie E-Mail-Kontakt zu den schottischen Kollegen. Demnächst wollen sie für ein Wochenende wieder nach Dundee fliegen.

Werner Kremer hat inzwischen schon die nächsten Auszubildenden ins Ausland entsandt. Zwei aus dem Bereich Spedition waren in Malta und haben dort im Bereich Transport und Logistik gearbeitet. Über einen von der Papiermacherschule organisierten Austausch war ein Papiertechnologe in Finnland, und auch über das IHK-Projekt sollen weitere Auszubildende die Chance erhalten, Auslandserfahrung zu sammeln.