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Plädoyer für lebenslanges Lernen

„Auf dem Wegweiser in die Zukunft steht Bildung“, so ein Zitat von der Festveranstaltung 50 Jahre ABZ.

Nachdem in Deutschland die Schule in Gernsbach kürzlich ihr „Fünfzigjähriges“ feierte, gab es nun in Österreicher ein entsprechendes Jubiläum. Seit einem halben Jahrhundert bildet die Papierindustrie im dortigen Steyrermühl ihre Mitarbeiter aus.

Verena Manek

„Der hohe technische Stand der Papierindustrie erfordert lebenslanges Lernen.“ Das betonte Magister Walter Pillwein, Präsident des Schulvereins und Geschäftsführer von UPM-Kymmene Austria GmbH bei der Jubiläumsfeier, an der Vertreter der Industrie aus dem In- und Ausland, aus der Politik und natürlich viele aktive und ehemalige Lehrer teilnahmen. Zu den Ehemaligen wird auch Schuldirektor Dr. Thomas B. Reisner bald gehören, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht. Ihm dankte der Schulvereins-Präsident zu Beginn seiner Rede „für alles, was er getan hat“. Nachfolgen wird Dr. Sigo Gatterer.

Hervorgegangen ist das in dem kleinen Ort im Salzkammergut an der Traun gelegene Ausbildungszentrum (ABZ) aus einer Lehrwerkstätte der Papierfabrik Steyrermühl. Im Jahr 1957 gründete die Österreichische Papierindustrie den Schulverein, der als Träger die erfolgreiche Entwicklung der letzten Jahrzehnte verantwortet.

Heute findet zwar immer noch der praktische Berufsschulunterricht der 3,5-jährigen Ausbildung zum Papiertechniker in den Labors des ABZ statt, ebenso wie die Lehrabschlussprüfungen, aber der Schwerpunkt liegt bei der Erwachsenenbildung.

Papierindustrie hat viel investiert
Walter Pillwein erinnerte daran, dass die Papierindustrie viel Arbeit und Geld in das Zentrum investiert hat, beispielsweise allein 4,5 Millionen Euro in den im Jahr 1998 beendeten Ausbau mit einem Bettentrakt und weiteren Labor- und Schulungsräumen. Heute weist das Ausbildungszentrum eine Kapazität von rund 100 Betten auf. Es bietet den Komfort eines modernen Seminarhotels: Einzelzimmer mit Telefon- und Internetanschluss, Seminarräume, moderne Unterrichtsmedien sowie einen Fitnessraum. Mit rund 13 000 Übernachtungen ist es ein bedeutender regionaler Wirtschaftsfaktor.

Als Meilensteine im Bereich der Ausbildung erwähnte der Präsident des Schulvereins unter anderem die Einführung des Fernlehrkurses im Jahr 1984. Das erfolgreiche Ausbildungsmodell auf dem zweiten Bildungsweg brachte in der Zwischenzeit rund 2100 Papiertechniker hervor. Außerdem wies er auf die modulare Werkmeisterausbildung hin, die es den Teilnehmern ermöglicht, die Ausbildung auf mehrere Jahre aufzuteilen. „Das ABZ hat wesentlich dazu beigetragen, dass österreichische Standorte zu den modernsten und innovativsten gehören“, so sein Fazit.

Neue Lehr- und Lernmethoden
Sehr positiv sei die Zusammenarbeit mit den Organisationen anderer Länder, beispielsweise dem Papierzentrum in Gernsbach. Gemeinsam mit diesem bringt das ABZ unter Federführung der VAPA, dem Weiterbildungszentrum der Niederlande, zurzeit das Multimediaprojekt Paper Train auf den Weg. Bis Ende 2008 werden etwa 40 multimediale Weiterbildungsmodule entwickelt. Sie ermöglichen durch so genanntes blended learning – eine didaktisch sinnvolle Kombination von E-Learning und Präsenzveranstaltungen – einen Teil der Aus- und Weiterbildung in die Werke zu verlagern. Durch neue Lehr- und Lernmethoden rüste man sich für die Zukunft, in der von den Mitarbeitern immer mehr Kompetenzen verlangt würden, die ihnen vermittelt werden müssten.

Angedacht sei zudem die Einführung einer höheren Technischen Lehranstalt für Papiertechnologie mit Maturaabschluss, die eine durchgängige Ausbildungsmöglichkeit vom Lehrabschluss bis zur Universität oder Fachhochschule bieten soll.

Wegweiser in die Zukunft
„Auf dem Wegweiser in die Zukunft steht Bildung“, so Angela Orthner, Erste Präsidentin des Oberösterreichischen Landtags in ihrem Grußwort. Lebenslanges Lernen sei keine Bedrohung, sondern etwas Beglückendes. Sehr positiv an der Ausbildung in Steyrermühl sei, dass jungen Menschen auch die Chancen aufgezeigt würden, die sich durch die Internationalisierung der Wirtschaft ergeben.

Rudolf Polzinger vom Verein der Steyrermühler Papiermacher, der im Jahr 1974 seinen Abschluss am ABZ machte, erinnerte in einem mit eigenen Erfahrungen und Anekdoten gewürzten Rückblick daran, dass die Schule schon damals einen exzellenten Ruf in der Papierindustrie gehabt habe. Eine Lanze für eine fachpraktische Ausbildung schlug Egon Blum, Regierungsbeauftragter für Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung. In allen Tätigkeitsbereichen sei eine höhere Qualifikation erforderlich, neben der Theorie-, aber auch eine Praxiskompetenz. „Europa muss Produktionsstandort bleiben“, so seine Worte, die er mit der Warnung vor einem drohenden Fachkräftemangel verband.