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Interview

Für neue Denk- und Geschäftsmodelle offen sein…

…müssen Papieringenieure in immer stärkerem Maß, betont Harald Heine im Interview mit Papier + Technik. Er ist Partner der Bogner Gottschalk Heine Unternehmensberater GmbH, Starnberg. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften für die Papier- und Verpackungsindustrie.

Von der Finanz- und Wirtschaftskrise ist auch die Papierindustrie betroffen. Wie schätzen Sie die Berufsaussichten für Ingenieure zurzeit ein?
Heine: Die Nachfrage nach jungen, gut ausgebildeten, versierten Papieringenieuren oder Verfahrenstechnikern besteht nach wie vor. Der Sog ist allerdings der wirtschaftlichen Gesamtsituation zum Opfer gefallen. Wurden noch vor wenigen Jahren die Studenten vor Ende des Studiums angeworben, müssen sich diese heute um eine Stelle bewerben.
Würden Sie jungen Menschen noch zu einem Studium der Papiertechnik raten?
Heine: Zwischen der Einstellpraxis der Personalabteilungen und dem tatsächlichen Bedarf an Ingenieuren ist ein Missverhältnis eingetreten. Dieses wird sich auf Sicht wieder lösen. Wer heute mit der Ausbildung startet und mit Freude dabei ist, wird eine Anstellung finden. Flexibilität ist allerdings gefragt. Außerdem Praktika im Ausland und Zusatzqualifikationen. Sicher ist, dass die Papierherstellung in Europa Bestand haben wird. Denn sie hat sich von der Papiermacherkunst zur Hochtechnologie entwickelt.
Wie sind denn die Anforderungen an Ingenieure? Welche Qualifikationen werden erwartet?
Heine: Die Ingenieure müssen sich heute in einer Welt bewähren, in der sich Prozesse und Märkte in kürzester Zeit verändern und neue Handlungsoptionen erfordern. Wer nicht in der Lage ist, neben Plan A jederzeit Plan B aus der Tasche zu ziehen, wird nicht lange mithalten können. Gefragt sind unternehmerisches Handeln in dezentralen Strukturen, globale Orientierung, souveräner Umgang mit einem permanenten Veränderungsdruck sowie eine adäquate Mitarbeiterführung. Hohe Fachkompetenz reicht heutzutage nicht mehr aus. Es kommt heute mehr denn je darauf an, jederzeit für neue Denk- und Geschäftsmodelle aufgeschlossen zu sein. Der Weg führt von den klassischen Modellen der Aufbau- und Ablauforganisation hin zur Projektorganisation. Kann sich in einer klassischen Hierarchie der Vorgesetzte auf seinen Abteilungsleiter stützen, hat er in flacheren Hierarchiemustern direkten Kontakt zu den operativen Mitarbeitern. Hier sind verstärkt Sozial- und Kommunikationskompetenz gefragt, je nach Struktur der Mitarbeiterschaft zunehmend auch interkulturelle Kompetenzen und geschliffene Fremdsprachenkenntnisse.