Neue „Gernsbacher Meister“ - papierundtechnik.de

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Neue „Gernsbacher Meister“

Nach einem Jahr intensiven Lernens haben 23 Meisterschüler kürzlich ihren Meisterbrief erhalten. Ein auch international hoch geschätzter Abschluss, mit dem sie in Baden-Württemberg sogar ein Studium aufnehmen können.

VM

„Den inneren Schweinehund zu überwinden“ sei bei Temperaturen von 33 oder 34 Grad sicher manchmal notwendig gewesen, bemerkte Oberstudiendirektor Jürgen Gerstner in seiner Ansprache, nachdem er den Absolventen des Meisterausbildungskurses Papiererzeugung MPE-6 zu ihrem erfolgreichen Abschluss gratuliert hatte. Der Urheber des Erfolgs seien zuerst einmal sie selbst gewesen, aber vielleicht hätten auch Umgebung, Unterkunft, die Ehefrau oder Partnerin und die Klassengemeinschaft dazu beigetragen.

Die neue Meisterausbildung mit ihrer zentralen Prüfung und der sehr komplexen Aufgabenstellung im Bereich Führung/Organisation/Technologie sei erheblich schwerer als die alte. Den Wert der Meisterausbildung, die es ja nur in Deutschland gibt, belege die Tatsache, dass Papierfabriken bei gleicher Technik in Deutschland produktiver seien als in anderen europäischen Ländern. Positionen, die in Deutschland ein Meister einnähme, etwa als Werkführer, würden in anderen Ländern oft mit einem Ingenieur besetzt. „Einem Gernsbacher Meister traut man etwas zu. Firmen schätzen den Wert der Meisterausbildung“, so Gerstner. Dass sie auch international etwas gelte, zeigten Anfragen, ob in Gernsbach nicht eine englischsprachige Meisterausbildung angeboten werden könne. Einen Rat gab der Schulleiter den neuen Meistern dann noch mit auf den Berufsweg: Zu einer Führungskraft müsse man sich entwickeln, dazu gehöre, permanent hinzuzulernen, sowohl fachlich als auch bei den Führungsqualitäten. So wie es das japanische Sprich- wort sage: „Ein Meister bleibt ein Schüler bis ans Ende seiner Tage“.

„Sie haben einen Beruf mit Zukunft gewählt“, betonte Axel Stengel, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Papierzentrums, der die Glückwünsche der Industrie und des Papierzentrums aussprach. In Zukunft werde der Anteil der qualifizierten Mitarbeiter zunehmen, auch der Bedarf an Meistern, unter anderem aufgrund der demographischen Entwicklung. Allerdings sei auch an der Papierindustrie die Wirtschaftskrise nicht spurlos vorüber gegangen. 16 Prozent Umsatzverlust und acht Prozent Produktionsrückgang musste die Branche in Deutschland im Jahr 2009 hinnehmen. Trotz schwieriger Zeiten hätten die Firmen aber nicht zu Personaleinsparungen gegriffen, was zeige, dass sie Vertrauen in die weitere Entwicklung hätten. Die Industrie habe auf Kundenanforderungen schnell reagiert, wozu die Mitarbeiter beigetragen hätten. Zur Aufgabe der Meister als Führungskräfte gehöre es in Zukunft auch den Mitarbeitern Veränderungen zu erklären und sie dazu zu motivieren. Als „dunkle Wolke am Horizont“ bezeichnete er aktuelle Pläne der Politik, den Spitzenausgleich bei der Strom- und Energiesteuer für energieintensive Betriebe zu kappen. Er hoffe, dass die Politik ein Einsehen habe.

„Sie haben die Entwicklung zur Gemeinschaft in Ihrem Haus geübt“, resümierte Hausleiter Franz Prechl, der Ende des Jahres in Ruhestand geht und für den es die 16. und letzte Meisterverabschiedung war. Zu vielen ehemaligen Meisterschülern bestehe noch guter Kontakt, und auch diesen Kurs lud er ein, „nochmal vorbeizukommen“. Er wünschte den Meistern alles Gute, Erfolg im Beruf, aber vor allem auch im Privaten, „denn wenn es da nicht gut läuft, läuft es oft im Beruf auch nicht gut.“

Zusammen mit Jürgen Gerstner überreichte Alfons Moritz, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung der IHK Karlsruhe, die Meisterbriefe.

Den Meisterbecher für den besten Abschluss erhielt Christian Klumpp von der Koehler Kehl GmbH. Für die beste Projektarbeit ausgezeichnet wurde Oliver Wedler von der Papierfabrik Louisenthal. Aber nicht nur die besten Schüler wurden diesmal besonders erwähnt. Klassensprecher Marcus Ramm dankte allen Lehrern und überreichte Dreien von ihnen ein kleines Präsent der Schüler als besondere Anerkennung. Und zwar Reinhold Kurz, „für sein Können Stoff zu vermitteln, die super Prüfungsvorbereitung, und die lockere, freundliche Art“. Außerdem Katja Warich, „die Freizeit geopfert hat, um Schülern, die Schwierigkeiten hatten, zu helfen“ und Steffen Hell, „der auf Frust und Anforderungen der Schüler an den Unterricht in besonderem Maß eingegangen ist“. Auch bei Klassenlehrer Studiendirektor Armin Böck bedankte er sich ausdrücklich für seinen Einsatz und die „wunderschöne Exkursion“.