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Nachgefragt bei …

Markus Kerker

… Markus Kerker, der in diesem Jahr die Meisterausbildung mit besonders guten Ergebnissen abschloss, und dafür mit einem Meisterbecher ausgezeichnet wurde. Der Mitarbeiter von Mitsubishi HiTec Paper nahm vor der Meisterausbildung an einem Meister-Check-Up teil. Papier + Technik fragte ihn nach seiner Erfahrung.

Herr Kerker, wie verlief Ihr bisheriges Berufsleben?

Begonnen habe ich 1989 bei der Feldmühle AG Bielefeld, jetzt Mitsubishi HiTec Paper Europe Bielefeld. Dort arbeite ich heute noch. Die Stationen waren dort an der Papiermaschine 2. Gehilfe, 1. Gehilfe, Stärkeküche, Rollmaschinen und an der Streichmaschine 1. Gehilfe und Maschinengehilfe. Die letzten circa fünf bis sechs Jahre bis zur Meisterausbildung war ich Maschinenführer an der Papiermaschine.

Ihr Unternehmen hat Sie im Jahr 2014 zum Meister-Check-Up angemeldet.

Ja, ich war an den vier Tagen nach Ostern 2014 im Papierzentrum beim Check-Up. Wir waren zwölf Teilnehmer.

Was haben Sie von der Maßnahme erwartet?

Eine persönliche Ist-Aufnahme. Also zu erfahren, wie ich auf andere Menschen, besonders Fremde, wirke, wie meine Führungs- und Organisationsfähigkeit einzustufen ist, oder ob sie überhaupt vorhanden ist.

Hatten Sie auch Befürchtungen?

Natürlich. Die Angst war groß nicht zu bestehen. Bei mir kam dann noch das Alter dazu. Dies war in meinen Augen die letzte Chance, beruflich aufzusteigen. Geholfen hat mir aber, dass wir zu zweit aus unserem Unternehmen dort waren. So konnte man sich gegenseitig pushen und beruhigen, je nachdem.

Was würden Sie jetzt dazu sagen?

Unsere Ansprechpartner in der Firma haben uns gut aufgeklärt. Das ist sehr wichtig. Aber vorbereiten für die persönliche Beurteilung im Check-Up kann man sich eh nicht. Schauspielern funktioniert nicht. Ich fand es toll, sich darauf einzulassen und Dinge auszuprobieren, die man sich nicht oder nur bedingt in seinem bekannten Umfeld getraut hätte. Ich bin davon überzeugt, das Wichtigste beim Check-Up ist, sich zu präsentieren. Dazu wurden wir auch immer wieder ermutigt.

Was hat Ihnen die Teilnahme am Meister-Check-Up gebracht?

Für meine Persönlichkeit sehr viel. Ich habe gelernt, meinen Standpunkt klar und verständlich mit allem dazugehörigen Respekt zu verdeutlichen. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen und die haben mir die Werte ihrer Generation vermittelt. Also, nicht auffallen, bloß keine Umstände machen, der Klügere gibt nach, usw. Und diese Haltung hat eben auch viel verhindert. Beim Check-Up konnte ich nun das Diskutieren beziehungsweise Streiten üben und ausprobieren. Wir bekamen immer sofort ein Feedback von den Beobachtern und konnten es dann in der nächsten Runde direkt besser machen. Das half mir sehr dabei meinen Standpunkt ohne Bedenken zu vertreten. Auch das Wissen darüber, wie ich auf andere wirke, hilft mir nun weiter.

Haben Ihnen die während des Check-Up gewonnenen Erkenntnisse auch schon bei der Meisterausbildung genützt?

Ich denke schon. Ich war ja Klassensprecher und Schulsprecher. In dieser Funktion habe ich an den Treffen mit der Schulleitung und der Hausleitung des Papierzentrums teilgenommen, in denen darüber gesprochen wird ‚wo der Schuh drückt‘. Vorher habe ich die Meinungen der anderen Schüler eingeholt, wir haben die einzelnen Punkte durchgesprochen und ich habe ihre Anliegen dann bei den Treffen klar gemacht.