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Mein Weg zum Facharbeiter

Mitarbeiter der Papierindustrie mit Berufserfahrung können in zwei Jahren im Distance-Learning-Kurs den Facharbeiterbrief Papiertechnolge/in (IHK) erlangen. Den größten Teil der Zeit lernen sie über eine Internet-Plattform von zu Hause aus. Ein Erfahrungsbericht.

Thorsten Scholz, Juni 2013

Als mein Chef mir anbot den Papiertechnologen in einem Fernkurs zu erlernen, habe ich mich sehr gefreut. „Kann ja nicht so schwer sein“, habe ich gedacht. „Das bisschen Lernen bekommt man schon irgendwo untergebracht.“ Als ich dann aber die ersten Termine bekommen habe, war mir schon etwas mulmiger zumute. In der Info stand, dass man zwei bis drei Stunden täglich aufbringen sollte, aber was sind schon zwei Stunden, der Tag hat schließlich 24.

Am Tag der Abreise zur ersten Präsenzphase war ich doch ziemlich aufgeregt. Wie wird die Schule aussehen? Wie viele Mitschüler werde ich wohl haben und was haben die so drauf? Weiß ich genug über das Papiermachen? Wie sind die Lehrer?

Als ich im Papierzentrum ankam, war ich erst mal froh, dass alles mit meiner Anmeldung geklappt hatte und ich jetzt wirklich dabei war. Nachdem ich dann mein Zimmer im Haus Gutenberg bezogen hatte, war ich wirklich begeistert. Hier konnte man es eine Woche aushalten.

Am Montagmorgen habe ich zum ersten Mal meine Mitschüler kennengelernt. Ich war überrascht, dass von 22 bis 48 Jahre alle Altersklassen vertreten waren, und nett waren sie auch noch. Nach dem Kennenlernen ging es zum Frühstück und danach zur ersten Unterrichtsstunde.

Unser Kurs-Tutor machte einen super Eindruck und gut drauf war er auch. Danach die ersten Unterrichtsstunden: Mathe, Physik und Chemie (ich dachte ich lerne Papiertechnologie!) waren erst mal schwer zu verdauen. Als unsere Mathelehrerin auch noch ständig wiederholte, dass dies jetzt Stoff der vierten Klasse sei, war an ein Bestehen der Abschlussprüfung gar nicht mehr zu denken. Achim (Kurs-Tutor) meinte auf unsere Bedenken: „Ihr schafft das schon!“

Wieder zu Hause
Wieder zu Hause ging die Online-Phase auf der Lernplattform Moodle los: Mathe, Physik und Chemie. Ich dachte, „Das pack ich nicht, so trockene Themen!“. Dabei wollte ich doch endlich mal etwas über Nasspartien und Schuhpressen lernen. Das dauerte leider noch. Es war nicht immer ganz leicht alle Arbeitsaufgaben pünktlich einzureichen, doch nachdem ich die ersten hochgeladen hatte, war ich total auf meine Bewertung gespannt. Als ich sie endlich bekam, war der Jubel nicht ganz so groß. Na ja, es war ja auch Mathe.

Die zweite einwöchige Präsenzphase war sechs Wochen nach der ersten. Das war gut, es gab ja schließlich noch viele Fragen und so konnten wir uns auch noch untereinander besser kennenlernen.

Nach der Woche ging es wieder zurück nach Hause und auf Moodle online weiter. Nach Abarbeitung der trockenen Themen in der Online-Phase waren endlich die interessanten an der Reihe, zum Beispiel Stoffaufbereitung und Konstanter Teil. Da hat das Lernen sogar richtig Spaß gemacht. Auch meine Bewertungen lagen daraufhin bei über 90 Prozent. Die gute Bewertung hatte bei mir leider auch den Nachteil, dass ich mir wieder zu sicher war und zwei Wochen gar nichts gemacht habe.

Die Prüfung – erster Teil
Kurz vor dem ersten Teil der Abschlussprüfung merkte man bei allen im Kurs die Anspannung. Hatten wir genug gelernt? Was wird alles geprüft? Wissen wir genug? Hauptsache dir passiert kein blöder Fehler im CAPS – Simulationsprogramm. Das Wochenende vor der Prüfung wurde von uns dann komplett zum Lernen genutzt. Auch in der Gruppe wurde nochmals ohne Ende gepaukt. War das aber für die Prüfung genug? Nach den Prüfungen waren wir, bis auf wenige Ausnahmen, doch alle recht zufrieden. Aber den Großteil hatten wir im zweiten Teil ja noch vor uns.

Die Prüfung – zweiter Teil
Bei der letzten Online-Phase war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich auch tatsächlich genug getan hatte. Ich war manchmal doch recht faul. Hauptsache Bestehen war eigentlich die Devise, aber nur Bestehen wollte ich dann doch nicht, sondern auch mit einer guten Note abschließen. Schließlich war das letzte Online-Modul zu Ende und es gab keinen neuen Stoff mehr. Was für ein tolles Gefühl. Hatte ich doch gerade erst angefangen und nun war es fast schon wieder vorbei. Kein weiteres Modul heißt aber auch nicht, dass man jetzt Pause machen kann. Die Ausarbeitung für das Fachgespräch stand an und der gesamte Stoff musste wiederholt werden, das heißt, Bücher raus.

Es war soweit, die letzte Präsenzphase, und in der nächsten Woche wären wir Papiertechnologen. Es hat mich total begeistert, dass wir alle super auf die Abschlussprüfung vorbereitet waren. Jeder hatte etwas getan, und was man selbst nicht wusste, wusste wieder ein anderer. CAPS war kein Problem mehr und Labor würde auch machbar sein. Das Wochenende vor der Prüfung wurde wieder zum Lernen genutzt; jeder auf seine Weise. Manche in der Gruppe, andere auch alleine. Doch jeder beschäftigte sich mit seiner Prüfung.

Am Montag stand die theoretische Prüfung an. Sehr umfangreich, aber wir hatten viel dafür gelernt, so dass ich nach der Prüfung ein wirklich gutes Gefühl hatte. Labor und CAPS waren am Dienstag an der Reihe. Vor CAPS hatten wir keine Bedenken, Labor aber schon. Wo wird man eingeteilt? Welche Aufgabe bekommt man? Die Gesichter nach der Laborprüfung waren dann auch nicht mehr ganz so glücklich. Nach der Prüfung am Dienstag haben wir den Stress erst einmal vergessen und angestoßen. Am nächsten Tag war nur noch das Fachgespräch zu schaffen und da waren wir ja schließlich Fachleute.

15:00 Uhr, die Prüfung war zu Ende. Wir waren durch. Alle Prüfungen abgearbeitet, jetzt konnte gefeiert werden. Grill an, Musik an und feiern. Am Donnerstag wurden wir abends von Achim, unserem Betreuer, zum Badischen Vesper (Spezialitäten aus der Region) eingeladen. Beim Badischen Vesper haben wir gemütlich zusammen gegessen und so langsam, aber sicher waren da auch die Gefühle, dass das alles morgen zu Ende sei und man sich so schnell nicht mehr sehen würde. Ein komisches Gefühl, da man die letzten zwei Jahre diesen Kurs gemeinsam bestritten hatte.

Am Freitag wurden uns die Prüfungsbescheinigungen ausgeteilt und die Freude war groß. Leider hatten es nicht alle geschafft. Einer von uns muss zur Nachprüfung, wobei er auf unsere Unterstützung zählen kann.

Das Fazit
Insgesamt waren es tolle zwei Jahre. Ich hatte tolle Mitschüler und die Präsenzphasen machten eine Menge Spaß. Die Online-Phasen waren zwischen Arbeit und Familie teilweise anstrengend, aber ich denke, das ist alles zu schaffen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.