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„Man muss die Maschine gut kennen“

Marvin Lenecke machte die zweijährige Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer im Werk Kuppenheim der Krempel-Group, die Verbund- und Spezialwerkstoffe herstellt. Währenddessen war er an fast allen Rollenschneidern und Klebemaschinen, aber auch an der Papiermaschine eingesetzt.

VM

„Man sollte ein bisschen mit Werkzeug umgehen können, ein bisschen Gefühl in den Fingern haben, nicht gerade grob an die Sache rangehen, denn manche Papiere sind extrem dünn und sensibel“, sagt Marvin Lenecke unter anderem zu den Anforderungen an den Maschinen- und Anlagenführer, zumindest im Werk Kuppenheim der Krempel-Group. Diese produziert in Betrieben in Deutschland, England, Polen und China Elektroisolierstoffe, Solarmaterialien, Verbundwerkstoffe, Elektronikmaterialien, Speziallaminate und Folien. Langweilig wird es bei der Breite des Produktportfolios nie, über 5000 Artikel stellt allein das Werk Kuppenheim mit rund 120 Mitarbeitern her, neben Isoliermaterialien Kupferlaminate sowie Folien für die Fotovoltaiksparte. Für die Mitarbeiter in der Herstellung bedeutet das eine Vielfalt an Aufträgen, die zum großen Teil speziell sind. Die Dicken der Folien und Verbundstoffe reichen von 0,04 mm bis 1,45 mm. Verklebt werden Papier mit Folie, Aluminium, Kupfer, oder auch verschiedene Arten von Folien miteinander. Die Maschinenführer können „nicht immer eine Einstellung fahren“, wie Marvin Lenecke erklärt, sondern müssen die Eigenschaften des Materials berücksichtigen. Man müsse die Maschine so gut wie möglich kennen, um richtig reagieren zu können.

Während seiner Ausbildung war Marvin Lenecke an jedem der zwölf Rollenschneider im Werk beschäftigt. Er hat Maschinen mit Material beschickt, sie für verschiedene Schnittbreiten gerüstet, und anschließend das geschnittene Material geprüft. Vor allem die Berechnungen zum Einrichten der Messer haben ihm Spaß gemacht: „Die Kunden bestellen in allen möglichen Breiten, und da die perfekte Kombination mit dem geringsten Ausschuss auszurechnen und das für jeden Auftrag neu, war interessant.“ Zwar gebe es dafür Rechenprogramme aus Excel, aber seinem Maschinenführer sei es wichtig gewesen, dass die Auszubildenden alles per Hand und Kopf rechnen konnten. „Dafür bin ich ihm dankbar“, betont Lenecke.

Im Beisein des Maschinenführers durfte er nach einiger Zeit die Maschine auch selber fahren und musste dabei auf die Gegebenheiten der Rollen reagieren.

Als er nach der Realschule eine Ausbildungsstelle gesucht hatte, war Marvin Lenecke erst 15 Jahre alt, und nach
eigenen Worten „noch nicht so wirklich aufs Arbeitsleben vorbereitet“. Allerdings arbeitete bereits sein Bruder als Papiertechnologe bei Krempel und er selber hatte dort während eines einwöchigen Praktikums in der siebten Klasse die Papiermaschine, die Stoffaufbereitung und die Rollenschneider kennengelernt. Klar war auch, dass er etwas Handwerkliches machen wollte, außerdem interessierte er sich für Technik. Und so entschied er sich erst einmal für die zweijährige Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer.

Danach schloss er direkt noch die Ausbildung zum Papiertechnologen an, bei der er aufgrund seiner Erst-Ausbildung im zweiten Jahr beginnen konnte. Nach darauf folgenden zwei Jahren Tätigkeit als Papiertechnologe ist er inzwischen in der Arbeitsvorbereitung beschäftigt und besucht zurzeit den Meisterkurs am Schulzentrum Papiertechnik in Gernsbach.


Marvin Lenecke vor der Papiermaschine im Werk Kuppenheim der Krempel-Group. Heute ist er in der Arbeitsvorbereitung beschäftigt und besucht den Meisterkurs am Schulzentrum Papiertechnik in Gernsbach.