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Lust auf Bewegung?

Ob Fußball, Schwimmen, Krafttraining oder Billard: Wer im Papierzentrum Gernsbach lernt, kann als Ausgleich die unterschiedlichsten Sportangebote nutzen. Die Figur, die Gesundheit und die Psyche profitieren davon.

VM

Beim Sporttag im Juli dieses Jahres kämpften 170 Auszubildende des Papierzentrums in verschiedenen Mannschaftssportarten wie Fußball, Wasserball oder Beachvolleyball. Die Organisation des Sporttages lag wie auch schon in der Vergangenheit in den Händen der Betreuer Klaus Sparn und Udo Rothenberger. Zwei Lehrer, selbst aktive Sportler, achteten als Schiris darauf, dass die Matches regelgerecht verliefen. Und wie bei richtigen Wettkämpfen gab es auch eine Siegerehrung. Tropische Temperaturen konnten den angehenden Papiertechnologen und -technologinnen nichts ausmachen. Schließlich hatten sie an dem Tag das Gaggenauer Schwimmbad für sich, konnten sich im Wasser und mit genügend bereit gestellten Getränken abkühlen. Und trotz Schweiß und spannenden Spielen stand der Spaß eindeutig im Vordergrund. Neben diesem jährlichen sportlichen „Großereignis“ können die Auszubildenden im Papierzentrum das ganze Jahr über Sport treiben; je nach Lust, Laune und Eignung in den unterschiedlichsten Disziplinen.

Am Boxsack Frust und Stress abbauen
Das Angebot ist groß. Da ist zum Beispiel der Sportraum im Papiermacherhaus. An einem heißen Tag im Juli, an dem viele wohl im Freibad sind, trainieren hier drei Auszubildende aus der Schweiz: Hannes Bögli von Kimberly-Clark, Abdul Bulduk und Kevin Peier von der Sappi Schweiz AG. Während ihres achtwöchigen Aufenthalts in Gernsbach kommen sie regelmäßig in den Fitnessraum, aber in unterschiedlichen Intervallen, von einmal in der Woche bis zu täglich, wie Hannes Bögli. Er trainiert am liebsten an der Bank. An ihr stemmt er im Liegen Gewichte hoch, zur Verfügung stehen zehn bis 120 Kilogramm.

Das gibt kräftige Brust- und Armmuskeln, „damit die Freundin zuhause eine Freude hat“, meint er lachend im schweizerischen Tonfall. Und ernster:„Ich bin Kraftsportler. Das ist mein Hobby. Wenn ich einen Tag nichts mache, fehlt mir das“. – Sport als Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen steht bei den jungen Auszubildenden in Gernsbach eher noch nicht auf dem Programm. Trotzdem gibt es zwei Fahrräder im Fitnessraum, „zum Abnehmen“, wie die Azubis erklären, außerdem rund acht verschiedene Geräte, an denen man unterschiedliche Muskelgruppen, an Armen, Bauch oder Rücken, trainieren kann.

Wer Stress und Frust abbauen oder seine Beinarbeit verfeinern will, kann auf einen Boxsack eindreschen. „Wenn man den ganzen Tag in der Schule sitzt, ist es angenehm, sich danach zu bewegen“, betont Kevin Peier. Gut findet er, dass man gratis trainieren kann. Schließlich muss man woanders für den Besuch im Fitnesscenter bezahlen. Im Winter, wenn die vier Gernsbacher Freibäder geschlossen haben, findet man die Auszubildenden im hauseigenen und ebenfalls kostenlosen Schwimmbad des Papierzentrums, das mit Wasserballtoren ausgestattet ist.

Zum Entspannen in die Sauna
Wenn nach Unterricht und Lernen nichts mehr in den Kopf reingeht, können sie sich dort bis 22 Uhr auspowern oder in der angeschlossenen Sauna entspannen.

Vorherige Anmeldung ist ebenso wie im Fitnessraum notwendig, und hat, wie Hausleiter Franz Prechl erklärt, auch den Sinn, dass die Betreuer regelmäßigen Kontakt zu ihren „Schützlingen“ haben. Das pädagogische Konzept im Ausbildungszentrum der Papierindustrie sieht vor, die Auszubildenden dazu anzuregen, selbstständig ihre Freizeit zu organisieren und so unter anderem soziale Kompetenz und Teambildung einzuüben. Die Pädagogen unterstützen und geben Tipps. „Wir haben auch schon Azubis, die zuhause Mannschaftssport machten, an hiesige Vereine vermittelt, wo sie dann einige Wochen mit trainieren konnten“, erklärt Udo Rothenberger. Und er weist auf ein weiteres Angebot hin: Zweimal in der Woche unterrichtet ein speziell geschulter Lehrer „Shin-Jitsu“. Das ist eine Art Kampfsport, der auf die Beherrschung von Körper und Geist abzielt. Übungen daraus können die Azubis gegen Konzentrationsschwäche und Stress einsetzen und sogar Prüfungsängste abbauen.

Wer einfach nur in Gesellschaft entspannen will, kann im Papierzentrum auch kegeln, Tischtennis, Tischfußball oder Billard spielen und so vom Lernen abschalten.

Ebenso ist „passiver“ Sport möglich. Während der WM verfolgten Auszubildende und Gäste auf mehreren Großbildleinwänden und einem Großbildfernseher im Billardraum die Spiele.