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Jung trifft Alt

Die Auszubildenden der Papierfabrik Scheufelen planen und betreuen gemeinsame Nachmittage, Ausflüge oder Messebesuche mit Senioren. Das vorbildliche Projekt „Soziales Engagement“ zeichnete die IHK Stuttgart jetzt mit einem Preis aus.

VM

Damit sich die eingeladenen Senioren bei der Nikolausfeier auch wohl fühlten, legten sich die Auszubildenden richtig ins Zeug. Schon am Tag zuvor trugen sie Tische und Stühle, dekorierten Tannenzweige, Teelichter und Nüsse und lieferten selbst gebackenen Kuchen ab. Am folgenden Nachmittag begrüßten sie dann ihre Gäste freundlich, halfen ihnen aus dem Mantel, begleiteten Gehbehinderte zum Tisch, brachten Kaffee und Kuchen. Später setzten sie sich zu ihnen – wie zuvor besprochen einzeln an verschiedene Tische – erzählten von sich oder hörten zu. Der von den Auszubildenden geplante und durchgeführte Nachmittag gehört bei der Papierfabrik Scheufelen zum Ausbildungsprojekt „Soziales Engagement“, für das der Lenninger Papierproduzent jetzt den „Innovationspreis Ausbildung“ der IHK Region Stuttgart bekam. Mit ihm zeichnet die Kammer alle zwei Jahre Unternehmen aus, die sich in der beruflichen Erstausbildung vorbildlich zeigen und neue Ideen realisieren.

„Wir haben das Projekt im Jahr 2007 gestartet, um Teamfähigkeit und Verhalten der Auszubildenden positiv zu entwickeln“, erzählt die Personalverantwortliche Christine Schilling, die das Projekt zusammen mit ihren Kollegen Rainer Wolf und Achim Kälberer betreut. „Viele Jugendliche haben ja wenig Kontakt zu älteren Menschen“, fügt sie hinzu. Projektpartner ist der Verein zur Koordination sozialer Aufgaben e.V., das Lenninger Netz, das sich für ein gutes Betreuungsangebot für ältere, sozial schwache oder behinderte Menschen einsetzt. Während der sozialpädagogischen Tage, zu denen die Papierfabrik Scheufelen im Jahr 2007 Azubis aller Ausbildungsjahrgänge für eine Woche einlud, informierte ein Vertreter des Lenninger Netzes über den demographischen Wandel, den Dialog der Generationen und über bürgerschaftliches Engagement. Daran anschließend entwickelten die Azubis konkrete Aktionen, unter anderem den oben beschriebenen Nachmittag. An die „zum Schluss sehr lockere Atmosphäre“, erinnert sich Christine Schilling. Das Ziel des Projekts, das gegenseitige Verständnis von Jung und Alt zu fördern, sei erreicht worden, ist sie sich sicher. Das habe sich auch bei einem gemeinsamen Ausflug ein halbes Jahr später oder bei der Teilnahme an der Seniorenmesse Lenningen gezeigt, bei der die Azubis Besucher betreuten. Nebenher hatten sie dort auch die Möglichkeit ihren „Azubi-Paper-Shop“ vorzustellen, eine Junior-Firma, die sie selbstständig betreiben. In diesem Herbst ist eine Veranstaltung zum Thema „Ausbildung früher + heute“ geplant, zu der die Scheufelen-Azubis Senioren einladen und sich mit ihnen über ihre Ausbildung austauschen möchten.