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Jetzt auch Papierverarbeitung

Seit Herbst letzten Jahres bietet die Berufsakademie Karlsruhe in Kooperation mit dem Papierzentrum Gernsbach den praxisorientierten dualen Studiengang Papiertechnik – Vertiefungsrichtung Wellpappenerzeugung/Papierverarbeitung an.

Verena Manek

Der Bedarf an Ingenieuren in der Papierindustrie wächst. Deshalb haben das Papierzentrum Gernsbach und die Berufsakademie Karlsruhe im Jahr 2002 den Studiengang Papiertechnik zum Diplom-Ingenieur (BA) ins Leben gerufen. – Eine beispielhafte Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft, die erfolgreich dem Ingenieurmangel entgegenwirkt. Die bis jetzt insgesamt 42 Absolventen aus zwei Jahrgängen nehmen nun verantwortungsvolle Positionen in den Betrieben ein.

Seit Wintersemester 2006 bieten die beiden Bildungsträger auch den dualen Studiengang Papiertechnik – Vertiefungsrichtung Wellpappenerzeugung/Papierverarbeitung an. Nach dreijährigem Studium werden die Studenten des ersten Semesters im Jahr 2009 ihre Prüfung zum Bachelor of Engineering – Paper Technology, vormals Dipl.-Ing. (BA), ablegen. Der Abschluss ist international von der ZEvA zertifiziert. Aufbaustudiengänge an der Universität Darmstadt zum Master sind möglich.

Voraussetzung für den Beginn dieses Studiums ist ein allgemeines beziehungsweise fachorientiertes Abitur sowie ein Ausbildungsplatz in einem Unternehmen der Wellpappenerzeugung beziehungsweise Papierverarbeitung, außerdem ein Wohnsitz in Deutschland seit mindestens einem Jahr.

Aber auch qualifizierte Berufstätige aus der Papier erzeugenden und verarbeitenden Industrie können ein Studium beginnen. Ein Bewerber muss eine abgeschlossene berufliche Ausbildung sowie einen Fortbildungsabschluss zum Meister oder Techniker nachweisen und insgesamt vier Jahre im Beruf gearbeitet haben. Mit diesen Voraussetzungen kann er einen Studienvertrag mit einem Unternehmen abschließen und an der Berufsakademie im Studiengang Papiertechnik immatrikuliert werden. Da die Anforderungen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagendisziplinen hoch sind, wird Bewerbern aus diesem Bereich aber dringend empfohlen, sich fachlich entsprechend vorzubereiten. Es ist geplant, einen einjährigen Vorbereitungskurs in Gernsbach mit Präsenzphasen und begleitendem E-Learning einzurichten, der den Bewerber „fit macht“ und ihm klar macht, ob er den hohen Anforderungen gewachsen sein wird.

Das BA-Studium ist in hohem Maß praxisorientiert. Dreimonatige Studienphasen wechseln sich mit dreimonatigen Praxisphasen im Ausbildungsbetrieb ab, wobei die Studierenden systematisch die für ihre spätere Tätigkeit im Betrieb bedeutsamen Abteilungen durchlaufen. Das theoretische Wissen können sie so direkt in der Praxis nachvollziehen.

In den Theoriephasen lernen die Studenten an der Berufsakademie Karlsruhe und im Papierzentrum Gernsbach, wo auch die Möglichkeit zur Unterbringung und Verpflegung besteht. Die Qualifizierung während der Theoriephase ist sehr vielseitig. Das Studium basiert auf klassischen naturwissenschaftlichen Fächern und auf breit angelegten ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen, insbesondere dem Maschinenbau, der Verfahrenstechnik und der Material-, Maschinen- und Anlagentechnik. Gegenüber anderen Studiengängen geschieht der Einstieg in das Thema Papier schon im ersten Semester und wird ab dem vierten Semester sukzessive mit speziellen Themen zur Wellpappenerzeugung und Papierverarbeitung weitergeführt. Schon im Grundstudium stehen Verpackungsprüfung und ein Seminar „Einführung Verpackungsdruck“ auf dem Programm, im Hauptstudium werden unter anderem Instandhaltungsmanagement und Prozessautomatisierung gelehrt.

Übungen in den gut ausgestatteten Labors und Technika des Papierzentrums Gernsbach sowie in den Ausbildungsfirmen vertiefen die theoretisch erworbenen Kenntnisse. Ergänzt wird der Studienplan durch Betriebswirtschaftslehre, Projektmanagement und Fächer wie Organisationstechnik, Umweltschutz und Personalmanagement. In allen Semestern ist Englisch Pflichtfach, um auf die zunehmend internationale Kommunikation im Berufsleben vorzubereiten.

Durch ihre Praxiserfahrung während des Studiums sind die Absolventen optimal auf die Anforderungen einer späteren Berufstätigkeit vorbereitet. Nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung übernehmen sie ohne Einarbeitungsprobleme qualifizierte Arbeitsplätze. Sie erleiden keinen „Praxisschock“, ihrem Arbeitgeber entstehen keine Kosten für die Einarbeitung. Zunehmend nehmen auch künftige Mitarbeiter der Zulieferindustrie das Studium auf, die im späteren Kundenkontakt durch ihre Kompetenz überzeugen.

Die Chancen am Arbeitsmarkt sind sehr gut: Untersuchungen haben gezeigt, dass über 90 Prozent der Absolventen eines BA-Studiums direkt nach dem Studium einen Arbeitsplatz, meist in ihren Ausbildungsbetrieben, erhalten. Über den Weg einer Assistenz- oder Vertretungsfunktion nehmen sie dann Produktionsleitungsaufgaben wahr, sind als Anwendungstechniker im Gespräch mit dem Kunden und können sachgemäß mit dem Lieferanten über die Papiereigenschaften diskutieren.